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Ludwigsluster Tageblatt

19. September 2017 | 17:26 Uhr

Die Angst vor dem Wasser lässt nach

vom

svz.de von
erstellt am 14.Jun.2013 | 07:51 Uhr

Dömitz | Die Anspannung bei den Menschen in den vom Hochwasser bedrohten Gebieten an den Deichen in Dömitz, Heiddorf und Neu Kaliß lässt sichtbar nach. Das Hochwasser verlässt die Bewohner an den Deichen. Der massive Regen in der Nacht zu Freitag hatte keine Folgen für die Deiche. In fast allen Lebensmittelmärkten brennt wieder Licht, erste Regale stehen zum Einräumen bereit. Der "Preiswert"-Einkaufsmarkt und der "Preiswert"-Gartenmarkt am Dömitzer Floßgraben haben bereits seit gestern Mittag wieder geöffnet. Die VS-Kita in Neu Kaliß beabsichtigt nach der gestrigen Besprechung ab kommenden Dienstag wieder den Betrieb aufzunehmen. Auch in den jetzt noch geschlossenen Schulen beginnt voraussichtlich am Dienstag wieder der Unterricht.

Entwarnung gibt es hingegen nicht vom Hochwasserabwehrstab in der Amtsverwaltung Dömitz-Malliß. Weiterhin wird rund um die Uhr mit Hilfe vieler Kontrollmechanismen ein äußerst wachsames Auge auf die immer noch sehr kritische Situation des Wassersystems von Elbe, Müritz-Elde-Wasserstraße (MEW) und Alter Elde gehalten.

Dömitzer Schulzentrum ein perfektes Lager für die Helfer

Zu diesen Mechanismen gehört auch die zentrale Führungseinheit aller THW-Kräfte, die im Gymnasialen Schulzen trum Dömitz mit weiteren 200 THW-Helfern stationiert ist. Der 23-jährige Jan Tschorsnig ist einer der Führungsköpfe dieser Harburger Einheit, die die gesamten logistischen und operativen Aufgaben im Schichtdienst koordiniert und dokumentiert. "Wir haben hier einen idealen Standort. Wie wir hier aufgenommen wurden, dass wir Internet, Drucker und Telefon von der Schule nutzen können, das ist Spitze", sagt Tschorsnig. Und fast nebenbei betont die THW-Führungskraft, dass Schul-Hausmeister Jörg Hendrikson und die Reinigungsfrauen dafür garantieren, dass die sanitären Anlagen täglich zweimal blitzblank geputzt werden. "Wenn wir in der Fremde auf Hilfe anderer angewiesen sind und so aufgenommen werden wie in Dömitz, dann haben wir trotz der vielen Stunden und körperlich harten Einsatzes immer ein gutes Gefühl. Eine saubere Umgebung in den Ruhephasen motiviert für neue Aufgaben", kommt dann doch das ganz große Lob.

Eichenprozessionsspinner sorgte für Beschwerden

Gestern besuchte Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, noch einmal die Kommandozentrale in Dömitz, wie der Leiter des Hochwasserabwehrstabes, Burkhard Thees, seinen Stab bezeichnet. Durch das Gespräch mit Thees, der Dömitzer Bürgermeisterin Renate Vollbrecht, dem Fachmann für Wasserregulierung vor Ort, Walter Klamann von der Dömitzer Außenstelle des Staatlichen Amts für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) und weiteren Funktionsträgern sah sich der Minister in seiner Prognose bestätigt, dass dieses Hochwasser alle jüngeren Pegelstände übertreffen werde. "5000 Kubikmeter Wasser die Sekunde schießen derzeit als Spitzenlast an Dömitz vorbei - für 4545 haben wir die Elbe sicher gemacht. Was die Hochwasserabwehr dringend braucht, ist eine Flutrinne und die Durchgängigkeit für die Wassermassen", sieht Backhaus die Zukunft von Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser an der Elbe durch ein gezielt behutsames Räumen von Gehölzen im ufernahen Bereich. "Ich habe niemanden der Wortführer von den Verbänden gesehen, die gegen die Absichten meines Ministeriums für eine sanfte Entbuschung öffentlich auftreten", so Backhaus. "Das wäre die Chance gewesen, das Gefahrenpotenzial so nah wie nie erleben zu können."

Unterdessen sind auch Maßnahmen gegen vierbeinige "Deich-Rowdys" eingeleitet worden. Die Deich-Verteidiger spüren dem Biber nach. Der bietet zwar ein herrliches Naturschauspiel, ist aber auch wegen seiner Bauwut an den Deichen berüchtigt. Wo es nicht gelingt, die Tiere zu vergrämen, haben zwei Jäger die Sondererlaubnis erhalten, im Notfall Biber zu erlegen. "Deichschutz und damit Bevölkerungsschutz geht vor Naturschutz", bringt es Landrat Rolf Christiansen auf den Punkt.

Gefahr droht auch vom Eichenprozessionsspinner. Der Landrat hat bestätigt, dass sich Helfer in Behandlung begeben mussten, deren Beschwerden auf den Kontakt mit den Raupen zurückzuführen sind. "Das bestätigt uns, dass die Bekämpfungsaktion richtig war und wir werden sie mit Sicherheit im kommenden Jahr wiederholen", so der Landrat.

Die Straßensperren für das Sperrgebiet Dömitz-Neu Kaliß-Heiddorf-Rüterberg durch Polizeikräfte bleiben weiterhin bestehen. Die Elbüberfahrt über die Dömitzer Brücke im Zuge der B191 ist möglich.

Die Versorgungslage stabilisiert sich unterdessen. "Man kann schon überrascht sein, dass alle im Ort bleiben, und die, die sonst um die Gunst der Käufer buhlen, ihre Kunden so schnell im Stich lassen." Christiansen konnte sich den Seitenhieb auf die Versorger am Freitagnachmittag nicht verkneifen. "Man hätte mit dem Krisenstab Rücksprache nehmen können, ob es schon sinnvoll ist, sich zurückzuziehen", sagte der Landrat.

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