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Ludwigsluster Tageblatt

24. November 2017 | 12:24 Uhr

Grabow : Die 2b und der „Fremde“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Wie reagieren Kinder richtig, wenn sie von Unbekannten auf der Straße angesprochen werden - Mario Lübke erklärt es Grabower Grundschülern

von
erstellt am 06.Mai.2015 | 07:06 Uhr

Was tun, wenn plötzlich ein Auto neben dem Gehweg hält? Der Fahrer das Fenster herunterlässt und sehr freundlich um etwas bittet? Ihm vertrauen, herantreten? Ihm gar helfen? Mario Lübke, Präventionstrainer, macht den Test. In seinem grauen Mercedes fährt er am Schulhof der Grundschule „Eldekinder“ vorbei, schaut vertrauensvoll in die Gesichter von Ann-Kathrin und Amelie. „Könntet Ihr bitte den Brief für mich einwerfen. Der ist ganz wichtig.“ Ann-Kathrin zögert. Ein Junge neben ihr verschränkt demonstrativ die Arme und schüttelt den Kopf. Dann holt Mario Lübke einen Zwanzig-Euro-Schein heraus. Ein Mädchen tritt heran, schnappt den Brief und den Geldschein - und ehe sich das Kind versieht, greift Mario Lübke zu und stößt die Tür auf. Was für ein Schreck. Selbst Schulsozialarbeiterin Elke Kessin zuckt für einen Moment zusammen. Wie oft haben die Kinder in der Unterrichtsstunde zuvor mit Mario Lübke diese eine Situation geprobt, besprochen. Keiner Versprechung glauben! Keiner Bitte folgen! Abstand halten! Stärke zeigen! „In der Theorie verstehen Kinder das ganz schnell“, sagt der Präventionstrainer. „Aber sobald wir das Gelernte in der Praxis testen, folgen sie doch unbewusst wieder den Verlockungen.“

Für Elke Kessin ein Beweis, wie wichtig diese Schulungen und ständigen Wiederholungen für die Kinder sind. Die Sicherheitsschulung mit dem Titel „klasse mit Köpfchen“ ist ein vom Landespräventionsrat gefördertes Projekt, das Grundschüler mit Themen, wie Mobbing, Erpressung, sexueller Missbrauch, Drogen, Gewalt und Internet konfrontiert. Lübkes Thema in Grabow gestern war der Umgang mit Fremden: „Wir ermutigen sie zu gesundem Misstrauen und bringen ihnen bei, äußerlich Stärke zu zeigen, um Gefahr von sich abzuwenden“, sagt Lübke. So wissen die Kinder aus der 2b schon genau, was sie zu tun haben, wenn ein Fremder aufdringlich oder sogar handgreiflich wird. Sie lernen schnelle abwehrende Handgriffe und Tricks. Sie wissen, wie man Hilfe holt und, dass man im Ernstfall laut und deutlich ruft: „Stopp, lassen Sie mich in Ruhe.“

Für jeweils zwei Unterrichtsstunden an vier Tagen hat die BBS Start GmbH, Träger der Schulsozialarbeit in Grabow, das Sicherheitstraining an die Grundschule geholt. Elke Kessin wünscht sich dafür noch mehr Rückhalt auch von den Eltern. So sei der vorbereitende Elternabend in Grabow nur schwach besucht gewesen. „Dabei ist es wichtig, dass auch zuhause weiter über diese Themen geredet wird.“ Das nächste Mal kommt Mario Lübke in die Grundschule nach Eldena. Das Training beginnt am 18. Mai. Auch davor wird es einen Elternabend geben.



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