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Ludwigsluster Tageblatt

25. November 2017 | 10:50 Uhr

Ludwigslust : Die 10 BR 1 kurz vor dem Ziel

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Nicht alltäglich: Elf Förderschüler aus Ludwigslust lernen für anerkannten Schulabschluss

von
erstellt am 30.Mai.2015 | 07:00 Uhr

Jasmin sagt es gerade heraus: „Ich bin noch nicht so weit. Ich könnte noch gern ein Schuljahr dranhängen. Irgendwie habe ich das Gefühl, ich brauche noch mehr Zeit, um mich zu entwickeln.“ Die 16-Jährige steht in der Schulküche der Pestalozzi-Förderschule in Ludwigslust. Die Haare zum Zopf gebunden, ein Geschirrtuch in der Hand, erzählt sie, wie sie in der fünften Klasse auf die Förderschule wechselte. Wie wohl sie sich seitdem in der Schule fühle und wie gut sie mit ihrer Lehrerin Frau Rakow auskomme. „Sie kann schon streng sein“, sagt Jasmin. „Aber strenge Lehrer sind ja bekanntlich oft die besten.“

Heute ist Hauswirtschaftstag. Alle 14 Tage trifft sich die 10 BR1 zum gemeinsamen Kochen. Es wird geschnippelt, gerührt und viel gelacht. Till ist für das Apfelkompott zuständig, Domenic backt seinen beliebten Käsekuchen nach Papas Hausrezept und Josi kocht Putengulasch. „Josi kann am besten würzen von uns allen“, schwärmt Tobi und weiß: „Dieses Essen wird wieder hammerlecker.“

Vier Wochen bleiben den Schülern noch, sich auf die letzten großen Leistungstests vorzubereiten. Wird jeder von ihnen den Schulabschluss zur Berufsreife schaffen? Klassenlehrerin Kathrin Rakow hebt die Schultern: „Jeder hat die Chance dazu. Die Schüler sind jetzt in einer Phase, wo sie viel lernen müssen. Ob sie die Chance zum Erfolg nutzen? Wir werden sehen.“ Die Voraussetzungen haben alle, sagt Kathrin Rakow. Weil die elf Schüler zu den leistungsstärksten in der Förderschule gehören, lernen sie seit der 7. Klasse gemeinsam in der Spezialklasse 10 BR1 den Stoff des Regionalschullehrplanes und können nach zehn Jahren die Berufsreife ablegen. Regionalschüler benötigen dafür nur neun Jahre. Trotzdem würde Jasmin gern noch länger lernen. Sie befürchtet, dass sie die geforderten Zensuren nicht schafft. „Ich muss mich oft zum Lernen zwingen und das fällt schwer“, sagt sie. Katrin Rakow traut all ihren Schützlingen den Abschluss zu. Wichtig sei, dass die Kinder auch Rückhalt in ihren Familien finden. „Wenn Eltern ihre Kinder bei der Lehrstellensuche unterstützen und sie zuhause auch zum Lernen auffordern, führt das meist zum Erfolg.“

Nur noch zwei Mal werden die Schüler in ihrem letzten Jahr gemeinsam kochen. Dann trennen sich die Wege. Klassenlehrerin Katrin Rakow will daran noch gar nicht denken. Sie kann sogar ein bisschen verstehen, dass Jasmin gern noch bleiben will. „Das ist eben eine sehr tolle Klasse. Aber irgendwann ist Schluss. Und Schluss ist Schluss.“

 

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