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Jäger fordern Regularien : Der Wolf in der Schusslinie

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Diskussionsrunde in Vielank: Rasant wachsende Bestände könnten künftig Eingriff erfordern

von
erstellt am 21.Okt.2015 | 07:00 Uhr

Jäger Reinhard Vielhauer bekommt es bereits zu spüren, dass der Wolf durch sein Revier bei Alt Jabel streift. „Es gibt kein Rot- und Rehwild mehr, auch Schwarzwild ist seltener zu sehen und wenn, dann auf der Flucht“, sagt der Vielanker mit Blick auf das Wolfsrudel, das bekanntermaßen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lübtheen zu Hause ist. „Acht Tiere brauchen pro Jahr rund elf Tonnen Wildbret. Das macht einen Schaden von rund 30 000 Euro.“

Reinhard Vielhauer hatte diese Rechnung bei einer Informationsveranstaltung aufgemacht, zu der der Hegering Malliß/Dömitz zusammen mit der Hegegemeinschaft Wanzeberg ins Vielanker Brauhaus geladen hatte. Dass das Thema – „Leben und Umgang mit dem Wolf in unserer Region“ – einen Nerv getroffen hatte, zeigte der mit rund 200 Gästen voll besetzte Saal. Unter ihnen freilich viele Jäger, die jedoch nicht alle gänzlich gegen den Wolf sind. „Er muss aber ins Jagdrecht“, sagt Reinhard Vielhauer. Eine weitere Forderung aus der Vielanker Runde: Der aktuelle Schutzstatus des Wolfes, der derzeit nicht gefangen oder getötet werden darf, müsse aufgeweicht werden, um den Bestand künftig regulieren zu können. „Der Wolf ist Teil der biologischen Vielfalt“, sagte Dr. Armin Winter, Naturschutzreferent vom Deutschen Jagdverband. Bei Steigerung der Population von über 30 Prozent pro Jahr müsse man aber auch schon an die Zukunft denken.

Und da sieht Thomas Schimmelpfennig aus Lübtheen ein Problem: „Wenn es dann irgendwann heißt, die Jäger sollen machen, dann haben sie gar keine Erfahrung mit der Wolfsjagd“, sagte er. „Und dann bekommen wir die Schuld, wenn er sich noch weiter ausbreitet.“ Er freue sich, dass der Wolf da ist. „Aber ich verlange von allen Verantwortlichen, sich jetzt Gedanken zu machen und nicht erst in drei Jahren.“

Würde der Wolf ins Jagdrecht kommen, könnte noch ein ganz anderes Problem auf die Jäger zukommen. „Dann wären alle Schäden, die der Wolf anrichtet, Jagdschäden“, erklärte Jochen Rehse, Vorsitzender des Landesschafzuchtverbandes Niedersachsen. Mit den entsprechenden finanziellen Folgen.

Dass die Jäger die Verlierer der Wolfspolitik werden könnten, räumte selbst Dr. Norman Stier, Leiter des Wolfsmonitorings MV, ein. „Der Wolf frisst erhebliche Mengen und ist schwer zu bejagen“, sagte er in Vielank. Dennoch warb der Experte, der die extrem hohe Reproduktionsrate bei den Wölfen bestätigte, für einen sachlichen und objektiven Umgang mit dem Thema. Er erklärte aber auch: „Irgendwann muss der Wolf reguliert werden. Wie – das müssen wir klären.“ Und auch das Wieviel. „Wie viele Wölfe wir wollen, ist eine gesellschaftspolitische Debatte, die eigentlich hätte früher geführt werden müssen“, so Norman Stier. Und er räumte auch ein, dass der Wolf nicht ungefährlich ist. „Das Risiko ist vielleicht klein, aber es ist da.“

Andere Gäste des Abends schätzen das Risiko viel höher ein und lehnen den Wolf deshalb rigoros ab. „Der Wolf hat im dicht besiedelten Deutschland nichts mehr verloren“, sagte Gerhard Kliesch aus Leezen. Jäger hätten vielleicht keine Angst, in den Wald zu gehen. Aber die hätten auch eine Waffe bei sich. Nachtangler, Kinder oder Pilzsucher jedoch nicht. „Die Gefahr ist unkalkulierbar.“ Auch Siegmar Wendelberger ist klar in seinen Worten. „Der Wolf hat hier keine Existenzberechtigung mehr“, so der Schäfer, der seit 2006 mit Wolfsangriffen auf seine Tiere konfrontiert ist. Mit Hilfe von Fördermitteln hat er in Zäune und Herdenschutzhunde investiert. „Aber 20 Prozent der Kosten muss ich selbst zahlen.“ Im Managementplan für den Wolf in MV sehen viele Jäger und Nutztierhalter offenbar keine Hilfe für den Umgang mit diesem Tier.

Ein bedingungsloses „Ja“ zum Wolf war an diesem Abend in Vielank nicht zu hören. Allerdings wurde auf eine Umfrage im Auftrag des Naturschutzbundes Nabu verwiesen. Danach finden es 80 Prozent der Deutschen erfreulich, dass der Wolf wieder Teil von Deutschlands Landschaft ist. 

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