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Ludwigsluster Tageblatt

17. November 2017 | 18:59 Uhr

Grabow : Der Retter von Kauz und Blauracke

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Häuslebauer der besonderen Art: Ernst-Werner Suckrau (80) aus Ludwigslust zimmerte bis zu 500 Vogelkästen / Im Winter ist er auf Hausputz-Tour im Wald

von
erstellt am 03.Jan.2015 | 07:00 Uhr

Die Schneise im Wald hoch, dann scharf rechts und bis zur zweiten Gabelung. Forsch steuert Ernst-Werner Suckrau seinen Geländewagen über die holprigen Wege in einem Waldstück irgendwo zwischen Grabow und Kremmin. Der 80-Jährige kennt hier jeden Baum. Er weiß, dass am Ende der Schneise am Wegesrand das kleine Vogelhäuschen mit der Nummer 297 hängt. Suckrau hat es selbst beschriftet und befestigt. Seit zwei Jahren dient der Kasten als Unterschlupf für Hohlbrüter.

Der Rentner hält kurz an, greift sich eine kleine Holzharke und öffnet den Kasten. Ein Blick genügt und er weiß, welcher Vogel im letzten Frühjahr hier gebrütet hat. „Das waren Tannenmeisen“, sagt er. „Die tragen weniger Material für ihre Nester ein.“ Er kratzt kleine Ästchen und Moos-Knäuel heraus und hängt den Kasten wieder zurück.

Fast 500 kleine Vogelhäuschen hat der einstige Forstwirt in dem Kremminer Revier bisher an den Bäumen angebracht. Keines gleicht dem anderen. Es gibt Kästen mit kleinen Löchern, mit großen ovalen Öffnungen, mit engen Eingangsspalten. Mit Flachdächern, Spitzdächern, mit angeschrägten Deckeln. Die meisten sind rechteckig, für andere hat der Rentner alte Baumstämme ausgehöhlt. „Hohlbrüter finden hier in den Nadelwäldern keine Möglichkeiten zum Brüten“, erklärt er. Die Kiefern haben keine Hohläste, erst ab einem Alter von achtzig Jahren.“ Damit sie hier trotzdem ihren Lebensraum finden, zimmert Suckrau seit fast 25 Jahren Häuschen und bringt sie an. Für die Meisen in einer Höhe von 2,5 Metern, für die Kauze muss er bis zu drei Metern hoch klettern, das Haus für den Waldkauz bringt er mit einer Leiter in fünf Meter Höhe an. „Überall sieht man Meisenkästen“, sagt Suckrau. „Aber für Vogelarten, die vom Aussterben bedroht sind, gibt es nur ganz wenige Nistkästen.“ Der Kleiber zum Beispiel braucht ein Haus mit Spalt, der Waldkauz geht nur durch große Löcher in hohen Bäumen und der Gartenrotschwanz braucht eine dreieckige Öffnung direkt unter dem Spitzdach.

Wie erfolgreich Suckraus Bauwerke sind, erlebt er jährlich zwischen Oktober und Ende Januar. Dann fährt er seine nummerierten Kästen ab und säubert sie, um Parasiten fern zu halten. Mehr als 80 Prozent der Nisthilfen sind jährlich bewohnt, das freut den Jäger und gelernten Forstwirt. Aufhören wird der fleißige Häuslebauer auch mit 80 Jahren nicht. „Ich habe in diesem Revier vor mehr als fünfzig Jahren meinen Beruf gelernt und bin hier seit langer Zeit auch Jäger. Da kann man nicht einfach sagen: ,Jetzt ist Schluss’.“

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