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Ludwigsluster Tageblatt

25. November 2017 | 09:00 Uhr

Ludwigslust : Der neutrale Blick von außen

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Antonie Armbruster-Petersen vom Forum Ziviler Friedensdienst will Zusammenhalt in Ludwigslust fördern und Netzwerk für Flüchtlinge stärken.

von
erstellt am 09.Apr.2016 | 10:00 Uhr

Viele Flüchtlinge und „alteingesessene“ Ludwigsluster hätten gern mehr Kontakt zueinander. Doch oft wissen sie nicht, wie sie ihn knüpfen können. Diesen Eindruck hat jedenfalls Antonie Armbruster-Petersen in ihren ersten Wochen in der Lindenstadt gewonnen und damit einen ersten Ansatzpunkt für ihre Arbeit gefunden. Antonie Armbruster-Petersen ist für das Forum Ziviler Friedensdienst Deutschland (ZFD) tätig und bietet – gemeinsam mit Projektleiter Albrecht Ansohn – Konfliktberatung für Kommunen an.

„Die Kooperation zwischen der Stadt Ludwigslust und dem Forum Ziviler Friedensdienst soll den Zusammenhalt in der Gemeinde und den respektvollen Umgang zwischen den verschiedenen Gruppen, die im Ort leben, fördern“, erklärt Antonie Armbruster-Petersen. „Zudem sollen geflüchtete Menschen, die in Ludwigslust leben, Unterstützung von Ämtern und Bürgern erhalten, um am Gemeindeleben teilnehmen und dazu beitragen zu können.“ Man könne den sozialen Zusammenhalt stärken, wenn man bei allen Entscheidungen darauf achtet, dass Bevölkerungsgruppen nicht gegeneinander ausgespielt werden – ob auf dem Arbeits- oder Wohnungsmarkt oder im Bildungsbereich.

Seit Dezember arbeitet Antonie Armbruster-Petersen in und für Ludwigslust, wo demnächst eine zweite Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber und Flüchtlinge eröffnet werden soll. Die ursprüngliche Idee, sich um Unterstützung durch den Friedensdienst zu bemühen, ist allerdings viel älter als die Flüchtlingswelle der vergangenen Monate. Und auch die Netzwerk-Arbeit, die Antonie Armbruster-Petersen hier leisten wird, soll darüber hinausgehen.

„Wir wollten als Ort für Vielfalt gern intensiv etwas dafür tun, eine Stadtgesellschaft zu haben, die möglichst konfliktfrei miteinander klarkommt“, erklärt Bürgermeister Reinhard Mach. „Und wir müssen dafür sorgen, dass die Grundgedanken von Demokratie, Toleranz und Akzeptanz nicht verloren gehen.“ Die aktuellen Entwicklungen, auch in der Lindenstadt, hätten die damaligen Überlegungen bestätigt.

In Ludwigslust verfolgt das Forum Ziviler Friedensdienst zwei grundlegende Ziele. Zum einen geht es darum, den Zusammenhalt in der Stadt zu fördern. Zum anderen soll – auf Wunsch der Stadt – das Netzwerk zur Unterstützung von Flüchtlingen und Migranten gestärkt werden. „Ludwigslust hat ein wahnsinnig großes Potenzial für Integration. Es gibt viele Dinge, die schon sehr gut laufen“, gibt Antonie Armbruster-Petersen eine erste Einschätzung. „Ich bin beeindruckt davon. “ Probleme gebe es noch an den Schnittstellen zwischen bestehenden Anbietern und deren konkreten Zuständigkeiten, die koordiniert und verzahnt werden. Noch ist Antonie Armbruster-Petersen hauptsächlich mit der Bedarfs- und Bestandsanalyse befasst.

Zur geplanten Eröffnung der zweiten Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber und Flüchtlinge hatte es bereits einen Workshop gegeben, der rund 50 ehren- und hauptamtliche Akteure, Flüchtlinge und Ehrenamtler vereinte. Zum Beispiel von Stadt, Landkreis und der Kreisvolkshochschule, von Polizei, Jobcenter und Agentur für Arbeit, von Kita, Schule, Zebef und Awo. „Themenschwerpunkte der Arbeitsgruppen waren Sicherheit und Selbstbestimmung, Bildung und Sprache, Existenzsicherung und Arbeit, Information und Freizeit“, so Antonie Armbruster-Petersen. „Dabei kristallisierte sich eine Frage als besonders wichtig heraus: Wie bekommen wir den Dialog zwischen Alteingesessenen und Migranten hin?“ Erste Überlegungen für einen Ort der Begegnung gebe es bereits.

Antonie Armbruster-Petersen ist nicht nur Ansprechpartner für Flüchtlinge, Ehrenamtler oder Verwaltungsmitarbeiter, sondern für alle Bürger. Dienstags (9 bis 12 Uhr und 14 bis 17.45 Uhr) und donnerstags (10 bis 12 Uhr und 14 bis 15.45 Uhr) steht ihre Tür im Ludwigsluster Rathaus für Interessenten offen. „Hier kann jeder ganz offen auch über seine Sorgen und Ängste sprechen“, sagt sie.

Erfahrungen im Konfliktmanagement – auch bei der Integration von Flüchtlingen und Migranten – hat die im Wendland lebende Mutter von vier Kindern bereits. Zuletzt hatte sie drei Jahre lang ein Projekt in Hamburg-Bergedorf geleitet. „An den dortigen Schulen kommen 70 bis 90 Prozent der Kinder aus Migrantenfamilien und man kam einfach nicht an deren Eltern heran“, umreißt sie die dortige Aufgabenstellung.

Auch schon während ihres Studiums – Erziehungswissenschaften, Soziologie und Psychologie – hatte sie sich mit Konfliktbewältigung befasst und als Studentin ein Pilotprojekt zur Streitschlichtung an Schulen begleitet. Später machte sie Ausbildungen zur Mediatorin und in der Organisationsberatung. In diesen Bereichen ist sie heute noch tätig, hat auch schon große Rechtsanwaltskanzleien beraten. „Ich denke, ich bin ein positiv mittelnder Mensch“, sagt Antonie Armbruster-Petersen, die zu Freiwilligeneinsätzen auch schon in Ghana, in Indien und Burkina Faso weilte. „Ich versuche, die jeweilige Situation immer durch die neutrale Brille zu betrachten.“

 

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