Grabow : Der mit den Bienen spricht

Joachim Schilke vor seinen Bienenstöcken, in denen die einzelnen Völker leben.
Joachim Schilke vor seinen Bienenstöcken, in denen die einzelnen Völker leben.

Joachim Schilke aus Grabow lebt seit mehr als sechs Jahrzehnten in der Umgebung der fleißigen Honigsammler

von
16. August 2016, 15:28 Uhr

Schon als Sechsjähriger hat Joachim Schilke neugierig zugeschaut, wie der Opa mit den Bienen umging. Diese Faszination haben die Honigsammler bis heute für ihn nicht verloren. Manchmal spricht er mit ihnen. „Komm, du sollst eine Chance zum Weiterleben haben“, spricht der 73-Jährige und befreit eine vorwitzige Imme, die sich am Rand des Bienenkastens eingeklemmt hat. „Wenn alle Menschen so denken würden, gäbe es keine Kriege mehr auf der Welt“, philosophiert er noch. 15 Völker nennt Joachim Schilke sein Eigen und sie alle sind noch fleißig beim Sammeln. Trotzdem denkt der Grabower schon weiter.


Gute Ernte 2017 wird jetzt vorbereitet


„Wer im kommenden Jahr eine gute Honigernte haben möchte, muss schon jetzt mit den Vorbereitungen beginnen“, weiß der Vorsitzende des Grabower Imkervereins. Darum hat Joachim Schilke bereits mit der Zufütterung begonnen. Zuckerlösung bringt das Bienenvolk über den Winter. Mit 15 Kilo Zucker pro Volk meistern die Tiere die kalte Jahreszeit. Wenn die Temperatur über 15 Grad Celsius steigt, beginnt die Flugtätigkeit der Honigsammler. Ende April ist es die Rapsblüte, mit der das Honigjahr startet. Anschließend lässt Joachim Schilke die Bienen Akaziennektar sammeln, es folgen die Sommertracht und die Linde. Ein erfolgreicher Imker braucht viel Wissen und Erfahrung. Erst ein rund zehnjähriger Erfahrungsschatz und ein guter Lehrmeister verleihen die nötige Sicherheit, alle Tücken der Bienenhaltung zu meistern. Joachim Schilke hält die Rasse Carnica oder auch Kärtner Biene genannt. Sie leben in Bienenstöcken in Magazinbeuten. Das sind Holzkästen mit eingesteckten Rahmen, in denen die Bienen ihre Waben und Zellen bauen können. Sie entwickeln dabei eine Struktur, die den Grabower immer wieder fasziniert. Damit der große Bienenstaat von rund 60 000 Tieren funktionieren kann, sind die vielen Aufgaben klar verteilt.

Jeder Bienenstaat hat eine Königin. Sie ist die Größte und wird ständig von ihren Arbeiterinnen gefüttert und geputzt. Jochim Schilke hat in seinem Garten einen Schaukasten, in dem man das Leben der Bienen beobachten kann. Mittendrin die Königin, die der Imker mit einem Farbpunkt kennzeichnet. Die Arbeiterinnen sind die kleinsten und häufigsten Stockbewohner. Von den männlichen Bienen, den Drohnen, leben nur ein paar hundert im Volk. Sie starten im Frühjahr mit der Königin zum Hochzeitsflug, bei dem sich die Königin mit mehreren Drohnen paart. Bienenvölker sind nicht nur gesundheitlichen Gefahren wie der Varroa-Milbe oder der Faulbrut ausgesetzt, auch der Mensch macht ihnen zu schaffen.

Die Mais-Monokultur verringert das Nahrungsangebot für alle Blüten besuchenden Insekten. Die EU fördert daher Blühflächen. Joachim Schilke arbeitet dabei mit den Agrarerzeugern in Prislich und in Brunow zusammen. „Die Imkerei ist Teil einer Jahrtausende alten Tradition Europas. Bienen sichern nicht nur einen Großteil unserer Nahrungsmittel, sondern erhalten auch die Vielfalt in der Natur. Darum müssen Landwirte und Imker auch in Zukunft Partner bleiben, die gegenseitig voneinander profitieren.“ Diese Aussage des Deutschen Imkerbundes kann Joachim Schilke nur unterstreichen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen