zur Navigation springen
Ludwigsluster Tageblatt

22. September 2017 | 06:35 Uhr

Der letzte Weg der Sandsäcke

vom

svz.de von
erstellt am 17.Jun.2013 | 10:03 Uhr

Dömitz/Heiddorf | In der Hochwasserregion bei Dömitz, Heiddorf und Neu Kaliß hat das große Aufräumen begonnen. Nachdem die Bundeswehreinheiten nach dem Ende des Katastrophen alarms gestern Mittag aus dem Alltagsbild verschwunden waren, schloss sich gestern der THW-Führungsstab an, der vom Pausenhof des Gymnasialen Schulzentrums Dömitz noch ein letzten Mal mit Blaulicht rollte. Damit waren die Elb anrainer und die freiwilligen Helfer an der Müritz-Elde-Wasserstraße (MEW) und der Alten Elde wieder auf sich allein gestellt. Mitarbeiter der Stadt, von der Kreisstraßenmeisterei und private Unternehmen transportieren Sandsäcke und Bigbags auf die Sammelplätze und türmen dort deren Inhalt zu meterhohen Sandbergen auf. Verstärkung bekamen sie von der Regionalen Schule und vom Gymnasium, wie Klaus Niemann, Leiter des Gymnasialen Schulzentrums Dömitz, informierte. Schüler halfen gleich im Klassenverband dabei, die Sandsäcke von den Deichen wieder auf Paletten zu verfrachten, damit sie dann abtransportiert werden können. "Wir haben Bürgermeisterin Vollbrecht unsere Hilfe zugesagt. Und mit Wir meine ich insbesondere die Schüler. Anpacken werden alle", bekräftigte Niemann das gemeinschaftliche Hilfsgefühl von Schule, Lehrerschaft und Schüler.

Auch vor den Dömitzer Häusern sind die Sandsäcke mittlerweile fast komplett verschwunden. Einige Einwohner bedienen sich jetzt an den Sammelplätzen, um für die nächste Flut Sandsäcke vorrätig zu haben. Doch sie haben dabei meistens kein gutes Gefühl in der Magengegend. "Wir haben keine verbindlichen Informationen, ob wir die Beutel im gefüllten Zustand, nur geleert oder überhaupt mitnehmen dürfen", sagte ein Dömitzer, der auf keinen Fall genannt werden möchte. "Die meisten hätten sicherlich auch einige Cent je Sandsack gezahlt." Vielleicht hätten Handzettel als Info einen guten Dienst geleistet.

Rund 1,8 Millionen Sandsäcke waren seit Mitte vergangener Woche im Landkreis Ludwigslust-Parchim an die Elbe gebracht gebracht worden. Seit gestern werden die Aufkadungen auf den Deichen zurückgebaut. Sprecher Andreas Bonin vom Landkreis: "Das geschieht, um die Deiche zu entlasten." Hintergrund: Der enorme Wasserdruck sowie starke Regenfälle haben die Deiche vielerorts aufgeweicht. Die schweren Sandsackbarrieren drücken jetzt von oben auf die "weichen" Deiche.

Doch was passiert mit den Sandsäcken? Daniela Bennöhr, Geschäftsführerin des Kreisfeuerwehrverbandes: "Sandsäcke, die verbaut wurden und nass geworden sind, können für den Hochwasserschutz an den Deichen nicht mehr genutzt werden." Oberstleutnant d. R. Christian Rosenkranz, Leiter des Kreisverbindungskommandos der Bundeswehr: "Nasse Kunststoffsäcke beginnen schnell zu schimmeln. Außerdem besteht die Gefahr, dass im Elbewasser auch Schadstoffe enthalten sind und Sandsäcke mit diesen Stoffen in Berührung gekommen sind." Einem privaten Hochwasserschutz stehe allerdings nichts im Wege. Pressesprecher Andreas Bonin: "Die Säcke werden zunächst an örtlichen Sammelstellen entleert, stehen dann den Anwohnern zur Verfügung." Wer also interessiert ist, kann leere Sandsäcke direkt von den Entleerungs-Punkten abholen. Da die Sandsäcke in der Regel durchnässt sind, sollten sie aber zunächst gereinigt und getrocknet werden.

Burkhard Thees, Amtsvorsteher des Amtes Dömitz-Malliß und Leiter des dortigen Hochwasserabwehrstabes: "In unserem Bereich gibt es leere Sandsäcke auf dem Sportplatz Dömitz und auf dem Gelände der Straßenmeisterei Heiddorf. Allerdings möchten wir interessierte Einwohner bitten, sich vorher mit uns im Amt in Verbindung zu setzen."

Nicht für den Deichschutz verwendete Sandsäcke können als Reserve wieder eingelagert werden, stehen so bei einer erneuten Hochwassersituation zur Verfügung.

Auch der Sand selbst bleibt nicht in den Gemeinden liegen. Daniela Bennöhr: "Reiner Sand wird üblicherweise wieder dorthin gebracht, wo er herkommt, also zum Beispiel in Kiesgruben."

Für das Amt Dömitz-Malliß allerdings gibt es beim Rückbau der Sandsäcke noch ein großes Problem. Vorsteher Burkhard Thees: "Im Bereich Heiddorf und Neu Kaliß wurden etwa 400 000 Sandsäcke verlegt, am Elbedeich rund 250 000. Da ein Großteil der freiwilligen Helfer inzwischen wieder in das eigentliche Arbeitsleben zurückgekehrt ist, fehlen uns jetzt Kräfte für den Rückbau der Sandsäcke. Wir erwarten vom Land Mecklenburg-Vorpommern und auch vom Landkreis in dieser Hinsicht Unterstützung."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen