Ludwigslust : Der letzte Schliff im Ostflügel

Hier kommt es auf jeden Millimeter an: Boris Stephan (l.) und sein Mitarbeiter richten die fünfte Schicht des Ofens aus.
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Hier kommt es auf jeden Millimeter an: Boris Stephan (l.) und sein Mitarbeiter richten die fünfte Schicht des Ofens aus.

Ofen im Schlafzimmer des Herzogs wurde restauriert und wieder aufgebaut / Bauarbeiten damit nun endgültig abgeschlossen

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24. November 2017, 21:00 Uhr

Vorsichtig dreht Boris Stephan die fünfte Schicht des Terrakotta-Ofens, bis sie an der richtigen Stelle sitzt. Mit der Wasserwaage wird überprüft, ob die zentnerschweren Ringe an den richtigen Punkten aufliegen. Maßarbeit ist gefragt im Schlafzimmer des Herzogs im Schloss in Ludwigslust. Der Ofen wurde über ein Jahr lang aufwendig in Berlin restauriert und steht nun wieder an seinem ursprünglichen Platz. Mit dem Aufbau des Ofens ist die Restaurierung des Ostflügels endgültig abgeschlossen.

Im März diesen Jahres wurde der Ostflügel des Schlosses nach fünf Jahren Bauzeit offiziell wieder eröffnet. Ein besonderes Schmuckstück fand aber jetzt erst wieder seinen Platz im Schloss – der Terrakotta-Ofen aus dem Schlafzimmer des Herzogs, welcher aus dem 18. Jahrhundert stammt. Vor gut einem Jahr holten Udo und Maike Arndt den Ofen aus Ludwigslust ab und brachten ihn in ihre Werkstatt für antike Öfen nach Berlin. Das Ehepaar restauriert seit mehr als drei Jahrzehnten Öfen und kennt sich auch im Ludwigsluster Schloss schon aus. „Gemeinsam mit Herrn Stephan haben wir schon den historischen Fünfeckofen aus dem Goldenen Saal restauriert“, erklärt Udo Arndt. Boris Stephan, selbstständiger Kamin- und Kachelofenbauer aus Hennigsdorf in Brandenburg, und Ehepaar Arndt sind außerdem Mitglieder im Förderverein Ofen- und Keramikmuseen Velten e.V..

Damit der Ofen dem Original so nah wie möglich kommt, hat Familie Arndt die Schichten nach alter Technik nachgebaut. „Es ist wichtig, dass die Haptik des Ofens erhalten bleibt“, so Udo Arndt. Dafür hat seine Frau u.a. 37 Rosen aus Ton per Hand angefertigt und auf den Ofen gebracht. „Fünf Rosen waren noch erhalten. Und die Anordnung war zum Glück auch noch sichtbar, das ist jetzt also wieder originalgetreu“, erklärt Maike Arndt. Mit einer dünnen Lehmschicht wurden die verschiedenen Schichten zusammengebracht. „Das ist auch eine klassische Art der Montage“, erklärt Boris Stephan.

Projektleiterin Steffi Dahl vom Betrieb für Bau- und Liegenschaften erklärt, dass viele Öfen im Schloss gelagert wurden und nicht mehr an ihrem ursprünglichen Platz standen. „Anhand von historischen Unterlagen konnten wir jedoch nachempfinden, welcher Ofen in welchen Raum gehört.“ Der Ofen im Schlafzimmer des Herzogs ist etwa 2,80 Meter hoch, der Aufbau dauerte einen ganzen Tag. „Wie schwer der Ofen ist, das kann man gar nicht schätzen. Aber es ist schon ratsam, eine Schicht mit sechs Händen zu tragen“, so Udo Arndt, der seine Öfen als bedürftige Kinder bezeichnet. Mit der Restaurierung des Ofens des Herzogs ist es nun ein Kind weniger.

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