Der Weg weg vom Alkohol : Der lange Weg zurück ins Leben

Beim Treffen ehemaliger Klienten im Garten des Suchthilfezentrums in der Ludwigsluster Kanalstraße.  Fotos: Michael Seifert
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Beim Treffen ehemaliger Klienten im Garten des Suchthilfezentrums in der Ludwigsluster Kanalstraße. Fotos: Michael Seifert

Beim Treffen im Suchthilfezentrum Ludwigslust sprachen ehemalige Klienten darüber, wie sie ihre Alkoholkrankheit besiegten

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25. Juni 2016, 21:00 Uhr

Ralf Dettmer hat wieder einen festen Halt in seinem Leben. Er arbeitet wieder, ist als Fahrer beim Suchthilfezentrum Ludwigslust stundenweise angestellt, engagiert sich dort auch ehrenamtlich. Beim Treffen der ehemaligen Betroffenen, die ihre Alkoholkrankheit überwunden haben, gehörte er am Donnerstag zu denen, die über ihre Erfahrungen berichteten, über ihre lange und schwere Zeit von der Abhängigkeit in ein neues Leben, frei von Alkoholsucht und allen damit verbundenden negativen Auswirkungen. Ralf Dettmer, der früher in Dömitz wohnte und jetzt in Heidhof lebt, war acht Jahre selbstständig. Er arbeitete als Kurierfahrer. Alles lief gut, bis dann Verträge mit Großkunden ausliefen und die Umsätze nicht mehr kamen. „Ich meldete mein Gewerbe ab und von da ging es leider bergab. Ich fing an zu trinken, schon am Morgen. Am Tag dann bis zu vier Flaschen Schnaps.“ Irgendwann ging es aber nicht mehr, er war körperlich und nervlich am Ende. „Deshalb war der Schritt zum Entzug der richtige für mich, denn ich stand durch den Alkohol kurz vor dem Tod.“

Seit dem 24. Februar 2009 ist Ralf Dettmer trocken. Bis dahin war es für ihn ein langer Weg. „Ich bin damals aus eigenem Willen nach Schwerin gegangen, ins Krankenhaus, um eine Entgiftung zu machen.“ Ohne Scheu und ganz frei spricht Ralf Dettmer über diese Zeit, über den Entzug, den er gemacht hat. „Den behandelnden Arzt habe ich damals gefragt, ob ich statt zwei Wochen einen dreiwöchigen Entzug machen könnte. Mit der Krankenkasse wurde das abgesprochen und genehmigt. Und ich kann sagen, die drei Wochen haben mir gereicht.“ Er absolvierte eine Langzeittherapie, war für eineinhalb Jahre Klient im Suchthilfezentrum. „Hier hatte sich zu jener Zeit eine Theatergruppe gegründet, in der ich mitwirkte, aber kurz nach dem ersten Auftritt wurde ich dann entlassen“, so Ralf Dettmer. Das war im Herbst 2010 und er fragte an, ob er nicht weiter bei der Theatergruppe mitmachen könnte. „Zweimal in der Woche wurde ich abgeholt zur Probe. Eine Mitarbeiterin in der Tagesstätte sprach mich an, als ich dann auch meine Fahrerlaubnis wieder hatte, ob ich nicht ehrenamtlich als Fahrer arbeiten würde.“ Das war im April 2011. Ralf Dettmer war dankbar für dieses Angebot. „Für mich war es selbstverständlich, hier im Suchthilfezentrum mitzuhelfen. Sie haben mir geholfen und nun helfe ich ihnen. Das stärkt auch das eigene Selbstwertgefühl und man wird wieder sicherer. Geholfen hat mir in dieser schweren Zeit auch meine Familie, die immer hinter mir gestanden hat.“

Aus der einst ehrenamtlichen Tätigkeit wurde eine Festanstellung - im Januar 2015 war es dann soweit. „Ich hole die Leute von zu Hause ab, fahren sie zu Terminen, ins Krankenhaus, zu Behörden. Ich darf den Firmentransporter mit nach Hause nehmen.“ Für Ralf Dettmer war das noch vor Jahren undenkbar, dass er eines Tages nach seiner schweren Krankheit wieder drei Stunden am Tag und 19 im Monat arbeiten kann. „Der Rest läuft auf Ehrenamtsbasis, ich bin jeden Tag hier und die Tätigkeit gefällt mir.“ So wie Ralf Dettmer haben an diesem Tag, an dem sich viele ehemalige Klienten treffen, um sich auszutauschen, auch andere ihre Erfahrungen weitergegeben. Dazu gehörte ebenso Dirk Kaatz, der seit drei Jahren trocken ist und über die Suchtberatung den ersten Kontakt zum Suchthilfezentrum Ludwigslust aufnahm. Nach Aufenthalt im Krankenhaus kam er dann in die Ludwigsluster Einrichtung und in die ambulante Therapie.

„Wir veranstalten solche Treffen alle drei bis fünf Jahre“, sagte Regina Wöstenberg, Sozialtherapeutin in der Tagesstätte. „Wir freuen uns, dass dann so viele kommen und sich in gemütlicher Runde bei Kaffee und Kuchen und Leckerem vom Grill oder an der Cocktailbar zusammenfinden“, ergänzte Regina Wöstenberg. „Wenn die Klienten unsere Einrichtung dann nach zwei oder zweieinhalb Jahren verlassen, können sie auch immer in unsere Begegnungsstätte kommen, um den Kontakt nicht abreißen zu lassen.“ Neben Gesprächen, Speis und Trank standen zur Unterhaltung auch kleine Spiele auf dem Programm, Schuldnerberatung und Apotheke hatten Infostände aufgebaut. Die Chorkinder der Fritz-Reuter-Grundschule Ludwigslust führten ein kleines Programm auf, wofür die Kids viel Beifall bekamen.

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