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Ludwigsluster Tageblatt

20. Oktober 2017 | 20:17 Uhr

Ludwigslust : Der lange Weg aus der Sklaverei

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Mohamed aus Mauretanien flieht in ein sicheres Leben / Seine chronische Erkrankung erfordert ständig Medikamente

von
erstellt am 18.Jun.2014 | 07:00 Uhr

Ould Abderrahmane Kai Mohamed kommt aus Mauretanien. Er gehört der Volksgruppe der Haratin an. Das sind die schwarzen Arbeiter und Nachkommen von Sklaven. Unbestritten ist, dass die Diskriminierung der Haratin in dem nordwestafrikanischen Land weit verbreitet ist. „Die meisten leben heute noch als Sklaven“, sagt Mohamed. „Wer einmal als Sklave geboren wurde, bleibt es bis zum Ende seines Lebens.“

Mohameds Familie lebt in einem Dorf nahe Sélibaby in Süd-Mauretanien, im Grenzgebiet zu Senegal und Mali gelegen. Zweimal hat die Regierung ihr das Land als Lebensgrundlage weggenommen, weil sie Sklaven seien und keinen Grund besitzen dürften. Dagegen hat seine Familie protestiert. Die Polizei hat sie verhaftet. „Ich weiß bis heute nicht, wo einige aus meiner Familie geblieben sind. Die Regierung will es nicht sagen“, so Mohamed.
Die Ungerechtigkeit sei Alltag, schildert er. In der einklassigen Dorfschule würden die Weißen bevorzugt und dürften länger lernen als die Menschen aus der Unterschicht. Die so genannten Bidhan oder Weißen Mauren gehören zur Oberschicht in dem afrikanischen Land.

Mohamed wollte sich mit dem langjährigen Schicksal seiner Familie nicht abfinden und hat gemeinsam mit Gleichgesinnten gegen die Ungerechtigkeit demonstriert. Für die Regierung der Islamischen Republik Mauretanien war dies ein rotes Tuch. „Sie behaupten, wenn du gegen die Sklaverei protestierst, bist du gegen den Islam, denn die Sklaverei ist Allahs Wille“, sagt der mutige Mann. Mehrere Male ist Mohamed verhaftet worden, auch bei einer Protestaktion im benachbarten Libyen 2004, als das Gaddafi-Regime die Demonstranten einsperren ließ. „Eine schwere Zeit“, sagt Mohamed, der mit glühendem Messer gefoltert und schließlich ins Gefängnis nach Mauretanien zurückgeschickt wurde. Ein Erlebnis, das ihn bis heute verfolgt.

Später ist es ihm gelungen, erneut nach Libyen zu gelangen. „Es ist der einfachste Weg der Flucht“, sagt Mohamed. „Dort gibt es nicht so viele Kontrollen wie an der Grenze nach Marokko.“ Ould Abderrahmane Kai Mohamed gehört der Menschenrechtsorganisation „Ira-Mauretanie“ an, die gegen die Sklaverei in seinem Land kämpft. Damit ist er für das Regime nun endgültig zum Rebellen geworden und musste fliehen – über Libyen, Syrien, die Türkei und Griechenland nach Deutschland. Menschen haben ihm geholfen, diese Strecke zu bewältigen. Seit 10. Dezember 2010 ist Mohamed in Deutschland.
Bei der Untersuchung in Horst bei Boizenburg stellten die Ärzte fest, dass Mohamed chronisch krank ist und alle drei Monate eine Infusion benötigt. Die hat er einmal bekommen und schließlich nicht mehr. Mohamed macht sich große Sorgen um seine Gesundheit und auch um seine Zukunft. Teure Medikamente kann er sich auf Dauer nicht leisten. Hinzu kommt die Unsicherheit, ob Mohamed in Deutschland bleiben kann. Der Mauretanier wird mit dem Flüchtlingsrat MV Kontakt aufnehmen. SVZ hat den Kontakt hergestellt.


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