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Ludwigsluster Tageblatt

21. September 2017 | 14:20 Uhr

Der Kampf gegen die Flut beginnt

vom

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erstellt am 05.Jun.2013 | 09:22 Uhr

Dömitz/Ludwigslust | Auf 4,25 Meter war das Wasser der Elbe in Dömitz bis gestern Abend gestiegen. Eigentlich noch kein Problem. Dennoch hat der Landkreis Ludwigslust-Parchim gestern Morgen die Alarmstufe 4 und damit den Katas trophenfall ausgerufen. "Wir müssen davon ausgehen, dass wir ein Hochwasser bekommen, das es so noch nicht gab", sagte Landrat Rolf Christiansen (SPD) gestern Mittag nach der Beratung des Ka tas trophenabwehrstabes. "Bei den Werten, die gemeldet wurden, wäre es nicht vertretbar gewesen, auch nur einen Tag länger zu warten."

Drei Schwachstellen in den Deichen

Zu diesem Zeitpunkt waren für kommenden Dienstag für Dömitz 7,90 Meter und für Boizenburg gar 8,00 Meter prog nostiziert worden. "Unsere Hochwasseranlagen sind aber nur auf 6,80 Meter plus - in der Regel - ein Meter Freibord ausgelegt", erklärte der Landrat. "Wir müssen auf die Deiche also einiges draufpacken, was erheblicher Anstrengungen bedarf." Und diese Anstrengungen ließen sich am besten organisieren, wenn Katastrophenalarm gilt, begründete Christiansen die Entscheidung, frühzeitig Alarmstufe IV auszulösen. "Die Deiche zu sichern, hat jetzt oberste Priorität." Zurücknehmen könne man beschlossene Maßnahmen immer noch, wenn das Wasser niedriger als erwartet aufläuft.

Vorsichtige Hoffnung, dass nicht das Allerschlimmste eintritt, konnte gestern Nachmittag aufkeimen. Zumindest die Vorhersage der Hochwasserzentrale Elbe des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg ging zu diesem Zeitpunkt von etwas geringeren Werten als am Vortag aus. Statt 7,15 Meter wurden für Dömitz für Sonnabend 6,30 Meter geschätzt. An der Einschätzung des Landkreises änderte das zunächst nichts, zumal sich die Vorhersagen derzeit noch ständig ändern. Immerhin hat sich mittlerweile der Flut-Scheitel ausgebildet, der heute Abend in Dresden erwartet wird. Etwa fünf Tage später - also voraussichtlich am Dienstag - dürfte er dann Dömitz erreichen. Für diesen Tag gehen die derzeitigen Schätzungen von einem Pegel von 7,30 Meter aus.

Drei Schwachstellen im Landkreis gilt zunächst die besondere Aufmerksamkeit der Einsatzkräfte. Dazu gehören laut Christiansen rund 16 Kilometer Deich an der Elde-Müritz-Wasserstraße bei Neu Kaliß und Heiddorf, "die den Freibord nicht haben" und 400 Meter Radweg in der Ortslage Neu Kaliß. Auch der Randkanal bei Boizenburg in Richtung Schleswig-Holstein sei nicht im notwendigen Umfang saniert. "Wie wir dort verfahren wollen, wird mit Schleswig-Holstein abgestimmt", so der Landrat. Im dortigen Polderbereich befinde sich nicht nur ein Gewerbegebiet, sondern auch eine Ortslage.

Bei einem Treffen gestern Nachmittag haben sich Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen darauf verständigt, auf beiden Seiten der Elbe die Deiche um 30 Zentimeter zu erhöhen.

Auf alle Szenarien vorbereiten

Um die Deiche bei Heiddorf, Neu Kaliß und Dömitz zu erhöhen, müssen nach Aussage von Oberstleutnant Christian Rosenkranz bis zu eine Million Sandsäcke gefüllt und fachgerecht verbaut werden. "Bis Freitag, spätestens Sonnabend muss das erledigt sein", erklärte der Leiter des Kreisverbindungskommandos, das das Bindeglied zwischen Bundeswehr und zivilem Katastrophenabwehrstab ist. Rund 400 Soldaten des Panzergrenadierbataillons 401 Hagenow stehen bereit, um dem Landkreis beim Kampf gegen das anrückende Hochwasser zu helfen. Die ersten von ihnen sind bereits seit gestern im Raum Dömitz und in Lübtheen im Einsatz, wo ein zentraler Punkt zur Sandsack-Befüllung eingerichtet werden sollte.

Neben den Soldaten soll auch die Manpower der freiwilligen Feuerwehren genutzt werden. Die ortsansässigen Wehren in den betroffenen Bereichen sind bereits im Einsatz. "Nach und nach werden wir je nach Bedarf alle Feuerwehren aus dem Landkreis hinzuziehen", erklärte Rolf Christiansen. "Wenn die Lage es erfordert, auch welche aus Nachbarkreisen." Das für Sonnabend geplante Techentiner Feuerwehrtreffen ist bereits vorsorglich abgesagt worden.

Auch viele Privatleute hätten - unter anderem am Bürgertelefon (03874/624-3333) - ihre Hilfe angeboten. Noch sei diese nicht notwendig, so der Landrat. Aus seiner Sicht ist es auch nicht sinnvoll, an die Elbe zu fahren, um zu schauen, ob man helfen kann.

In den betroffenen Regionen muss in den nächsten Tagen mit Einschränkungen für den Durchgangsverkehr - bis hin zu kompletten Sperrungen - gerechnet werden, um den Einsatzkräften die nötige Bewegungsfreiheit zu gewähren.

Auch wenn die Aufstockung und Sicherung der Deiche im Moment als vordringlichste Aufgabe betrachtet wird, bereitet sich der kreisliche Krisenstab auf alle anderen erdenklichen Szenarien vor, die bei einer drohenden Überflutung der Deiche greifen würden. Selbst Evakuierungen von Mensch und Tier, die Schließung von Krankenhäusern oder Pflegeheimen könnten notwendig werden. Der Landrat ruft zudem die betroffenen Einwohner - rund 14 000 sollen es sein - auf, sich vorzubereiten, um bei Bedarf ihr Hab und Gut zu schützen.

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