zur Navigation springen

Generationswechsel in Ludwigslust : Der Junior übernimmt

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Ralf Siggelkow ist neuer Geschäftsführer bei MBD. Sein Vater Rüdiger hatte die Firma einst gegründet.

Generationswechsel an der Spitze der Firma MBD: Ralf Siggelkow hat von seinem Vater Rüdiger die Geschäftsführung übernommen und ist Miteigentümer des Unternehmens geworden. Damit hat der 63-Jährige ein Problem gelöst, vor dem derzeit viele Unternehmer stehen: Einen Nachfolger für den eigenen Betrieb zu finden. Dass es sein Sohn werden könnte, war schon seit Jahren klar. Und Rüdiger Siggelkow hätte auch schon früher loslassen können und wollen. „Aber man muss sich für eine solche Aufgabe auch bereit fühlen“, erklärt Ralf Siggelkow.

Anfang dieses Jahres war dieser Zeitpunkt gekommen. Zuvor hatte Ralf Siggelkow sich sieben Jahre lang in Hamburger Unternehmen seine ersten Sporen als Maschinenbauingenieur/Produktionstechnik verdient. „Zuletzt war ich bei einem mittelständischen Hersteller von anatomischen Lehrmitteln mit der Lieferkettenoptimierung befasst“, erzählt der 33-Jährige. „Nach und nach wuchs der Wunsch, selbst zu gestalten und auch zu entscheiden.“

Seit Jahresbeginn sitzt Ralf Siggelkow im Chefsessel der MBD Metall, Bau und Dienstleistungs GmbH. „Im Moment konzentriere ich mich auf die Kundenkontakte und darauf zu erfahren, wie die Firma funktioniert“, erzählt er. „Ich habe super Mitarbeiter, die mir dafür den Rücken freihalten, indem sie die fachlichen Sachen in der Produktion übernehmen.“ Trotzdem ist es erst einmal eine Umstellung gewesen. „In einem neuen Job ist man ja erstmal aus seiner Komfortzone herausgerissen, weiß nicht, ob man es kann“, sagt Ralf Siggelkow. „Und man muss die Kollegen kennen lernen.“

Wobei es in vielen Fällen eher ein Wiedersehen ist. „Viele kenne ich noch aus der Zeit, als ich hier im Rahmen meines dualen Studiums die Ausbildung zum Fertigungsmechaniker absolviert habe“, erzählt der 33-Jährige. „Die Fluktuation im Unternehmen ist gering, daher sind sie noch immer da.“

Sein Vater Rüdiger Siggelkow hatte das Unternehmen, das sich hauptsächlich mit dem hochpräzisen Drehen und Fräsen von Bauteilen nach Kundenvorgaben befasst, vor 22 Jahren gegründet. Vor allem Wellen für Getriebe mit unterschiedlichsten Maßen und Anschlüssen verlassen die mit computergesteuerten Maschinen (CNC-Maschinen) bestückte Werkhalle im Bama-Gewerbepark. „Wir haben unsere Nische gefunden, weil wir individuell und schnell sind“, sagt Ralf Siggelkow. Und Vater Rüdiger ergänzt: „Wir liefern innerhalb einer Woche, wenn es drängt, auch von einem Tag auf den anderen.“ Und das mit höchster Präzision.

„Wir haben unser eigenes Qualitätssicherungssystem“, sagt Rüdiger Siggelkow. „Es gilt das Vier-Augen-Prinzip. Jeder beurteilt, was sein Vorgänger am jeweiligen Bauteil gemacht hat.“ Die MBD-Kunden sitzen nicht nur in Ludwigslust und Umgebung, sondern auch in der Prignitz und wie der Spezialist für Antriebstechnik Atec in Hamburg.

Angst vor der neuen Aufgabe, die mit der Verantwortung für derzeit 17 Mitarbeiter verbunden ist, hat der 33-Jährige nicht. „Aber Respekt.“ Schließlich erwartet den Junior eine besondere Herausforderung. „Die Personaldecke ist dünn. Wir müssen schauen, dass wir den Betrieb noch attraktiver machen und Rahmenbedingungen schaffen, um die jetzigen Mitarbeiter halten und neue gewinnen zu können“, so Ralf Siggelkow. „Aber das ist nicht so einfach.“ Auch die Digitalisierung der Arbeitswelt schreite weiter voran. Auf beides müsse man sich einstellen, was Folgen für die Struktur des Betriebes haben werde.

„Dass jemand aus Hamburg zurückkommt, um den Familienbetrieb zu übernehmen, ist eine tolle Sache in Zeiten, in denen in unserer Region Fachkräfte gesucht werden“, kommentiert Ludwigslusts Wirtschaftsförderer Henrik Wegner den Wechsel an der MBD-Spitze. Als weiteres Beispiel für eine geglückte Firmenübergabe nennt er das Fahrradgeschäft Winkelmann. Wegner verweist in diesem Zusammenhang auf das Projekt der Bürgschaftsbank MV zur Unternehmensnachfolge.

Dieses Angebot musste Rüdiger Siggelkow nicht nutzen. Er kann sich jetzt zur Ruhe setzen und weiß seine Firma in guten Händen. „Ralf hat eine gute Ausbildung und schon in verschiedenen Betrieben gearbeitet“, betont der 63-Jährige. Noch ist sein Sohn Pendler – von Hamburg nach Ludwigslust. „Sich vom Freundeskreis, seinen dortigen Freizeitaktivitäten zu verabschieden, dauert doch etwas länger“, sagt der 33-jährige Geschäftsführer. Aber irgendwann werde er bestimmt hierher ziehen.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen