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Farm in Wöbbelin : Der Herr über die Regenwürmer

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

In René Roeschkes kleiner Regenwurm-Farm werden Küchenabfälle zu purem „Gold“ für Gärtner

von
erstellt am 29.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Ein Hochbeet. Ein Komposthaufen und fünf Gitter-Kästen voller Humus. Was da so unscheinbar am Zaun hinter der Biogasanlage auf dem Hof Denissen steht, ist für René Roeschke ein ganzes Universum. Eine Welt voller Wunder. „Sie brauchen nur eine Handvoll von diesem Kompost nehmen. Darin leben mehr Mikroorganismen, als es Menschen auf der Erde gibt“, sagt René Roeschke. Er muss nur einmal tief in den Komposthaufen greifen und schon kringeln sich Dutzende Regenwürmer in seinen Händen. Alle sind gefleckt und haben dicke dunkelrote Ringe. Der Fachmann erkennt sofort, dass es sich hier um die Gattung „Eisenia fetida“ handelt, um den gemeinen Kompostwurm. Kompostwürmer lieben Mikroorganismen. Und davon gibt es in dem großen Haufen mit den Abfällen aus Denissens Hofküche genug.

Genau vor einem Jahr hatte Roeschke seinem Chef Rudie Denissen von der Idee der Regenwurm-Farm erzählt. Bevor er auf dem Wöbbeliner Hof für den Betrieb der Biogasanlage die Verantwortung übernahm, arbeitete René Roeschke in Österreich beim Biobauern Alfred Grand. Dort half er sieben Jahre lang beim Aufbau der ersten Regenwurmfarm, die inzwischen europaweit Kompostwurm-Humus vertreibt. In Österreich war Roeschke mit der sogenannten Wurmkompostkiste an die Schulen gegangen und hatte Kindern erklärt, wie Regenwürmer den Boden umgraben, ihn belüften, organische Abfälle essen und mit ihrem nährstoffreichen Kot den Garten düngen. „Meine kleine Farm“ nannte sich das Schulprojekt, wofür das Unternehmen damals sogar von der Unesco ausgezeichnet wurde.

Auch in Mecklenburg würde René Roeschke gern mehr mit Kindern über seine Philosophie „Zurück zur Natur“ reden. Wer ihn vor seiner kleinen Regenwurmfarm auf dem Hof in Wöbbelin erlebt, weiß warum. Vor dem Hochbeet mit dem Humus kommt er ins Schwärmen. „Das hier ist schwarze Erde. Das Gold des Gärtners“, sagt er. „Besser als die Natur kann man es nicht machen. Das haben schon die Inkas in Südamerika bei der Herstellung ihrer Wundererde Terra preta praktiziert.“

Roeschkes „Wundererde“ schlummert unter Pferdemist tief im Hochbeet links neben dem Komposthaufen. Ein Jahr hat es gedauert, bis die Regenwürmer den organischen Küchenabfall in diesen feinen Humus verwandelten. Roeschke hat den Kompost regelmäßig umgeschichtet und darauf geachtet ist, dass es immer schön feucht bleibt. Öfter würden Kollegen hier vorbeischauen und nach den Würmern fragen. Ihnen zeigt Roeschke dann auch die Gitterkästen, in denen die Organismen ganz unterschiedlichen Abfall zersetzen. Besonders beliebt bei den Regenwürmern sei der Kasten mit dem puren Kaffeesatz.

Wie gut der Regenwurm-Spezial-Humus wirkt, wird sich spätestens in der Erntezeit zeigen. Roeschke hat vor, verschiedene Gemüsearten auf der Erde anzupflanzen. Noch sei das hier nur ein Versuchsprojekt, sagt er. Ein privates Vergnügen aus tiefster Überzeugung. Seinem Chef Rudie Denissen gefällt die Art der speziellen Dunggewinnung. Noch dieses Jahr will er nebenan ein kleines Gewächshaus auf Muttererde bauen lassen. Salate und Radieschen sollen hier nur mit Regenwurm-Humus gedüngt werden. Rudie Denissen: „Ich bin mir sicher, die werden super gedeihen.“


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