Neustadt-Glewe : Der Fliegerei verfallen

Lieben das Fliegen: Günther Grzymislawska (l.) und Siegfried Teichert.
Lieben das Fliegen: Günther Grzymislawska (l.) und Siegfried Teichert.

Bereits zum vierten Mal fliegt der 92-jährige Günther Grzymislawska mit dem Piloten Siegfried Teichert

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07. Mai 2018, 08:00 Uhr

„Ich heb’ ab. Nichts hält mich am Boden.“ Diese Textzeilen aus dem Song „Astronaut“ von Andreas Bourani könnten auch die Lebensmelodie von Günther Grzymislawska sein. Schließlich fliegt der Techentiner noch immer – selbst zwar nicht mehr, aber immer noch mit Begeisterung und viel Leidenschaft. Auch noch mit 92 Jahren. Zu seinem Geburtstag ist er jetzt wieder in einen Gyrokopter gestiegen. „Er würde auch noch Achterbahn fahren“, sagt Schwiegertochter Ingrid. „Warum auch nicht? Hoch, runter, mit Überschlag, stört mich alles nicht“, sagt der 92-Jährige und macht mit seinem Arm die Bewegungen einer Achterbahn nach. Er freut sich. Genauso Pilot Siegfried Teichert. „Hallo Opa“, sagt er zur Begrüßung. Diese fällt herzlich aus, schließlich fliegt Siegfried Teichert bereits zum vierten Mal mit Günther Grzymislawska.

Der „Virus“ – so nennt es Pilot Siegfried Teichert – beginnt auch beim Techentiner sehr früh. „Zum ersten Mal bin ich mit 14 Jahren geflogen.“ Danach war das Feuer entflammt – hält bis heute an. Auf und ab ging es mitunter auch im Leben von Günther Grzymislawska zu. Am 4. Mai 1926 geboren, erlebt der Techentiner den Zweiten Weltkrieg mitunter in amerikanischer und französischer Kriegsgefangenschaft. „Ich konnte damals meine Gesellenprüfung nicht machen.“ Die aber wollte er unbedingt nach dem Krieg zu Ende bringen – als Kfz-Schlosser hat er jahrzehntelang bei der Deutschen Post gearbeitet. Das Gelb des Gyrokopters kommt da ganz richtig. Einer weiteren Leidenschaft frönt der 92-jährige ebenfalls bis heute – der Modellfliegerei. Gemeinsam mit Sohn Hanno. Den sechs Enkelkindern und drei Urenkeln aber hat er seine Leidenschaft zur Fliegerei nicht vererbt. Beim Fliegen zum Geburtstag aber sind alle mit : „Wir machen es uns jetzt hier gemütlich“, sagt Enkelin Sophia Nau. Kaffee, Sekt, selbstgebackener Kuchen dürfen am Flugplatz von Neustadt-Glewe nicht fehlen, wenn Opa seine Runden fliegt.

Dieses Mal geht es ins gut 60 Kilometer entfernte Plau am See. Den See von oben betrachten, die Uferlinie sehen und wieder zurück. Gut eineinhalb Stunden werden beide Männer unterwegs sein. Seit zehn Jahren fliegt Siegfried Teichert Gyrokopter, auch Tragschrauber genannt. „Vom Fliegen her ist es ähnlich wie ein Hubschrauber“, erklärt der Pilot. Höher als 5000 Fuß, also eineinhalb Kilometer, geht es nicht. Das Besondere am Tragschrauber ist, dass der Rotor passiv durch den Fahrtwind in Drehung versetzt wird. Sehr sicher sei das Fliegen wegen seiner Autorotation. „Doch beim Starten gibt es immer Anspannung und Adrenalin“, verrät Siegfried Teichert ganz ehrlich. So hatte er erst vor kurzem eine Mitfliegerin, die wirklich Angst hatte. Diese aber konnte er ihr nehmen. Und: Der einzigartige Panoramablick aus einem Gyrokopter entschädigt allemal. Angst, die kennt Günther Grzymislawska überhaupt nicht. Er genießt es in dem Gyrokopter zu sitzen: Gurte anlegen, Kopfhörer auf und los geht es. „Ich heb’ ab.“

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