Video: Sanierung Schloss Ludwigslust Teil 7 : Der Fächer als Verständigungsmittel

Prinzessin Sophie Friederike und Erbprinz Friedrich Franz, 1764
Foto:
Prinzessin Sophie Friederike und Erbprinz Friedrich Franz, 1764

In drei Tagen wird der Ostflügel des Ludwigsluster Schlosses nach der Restaurierung wieder eröffnet. Dabei spielt auch der Maler Georg David Matthieu eine bedeutende Rolle.

von
03. März 2016, 08:00 Uhr

Noch 3 Tage: Der Ostflügel des Ludwigsluster Schlosses wird am 6. März nach der Restaurierung wieder eröffnet. SVZ gewährt bis dahin täglich einen Blick hinter die Fassade.

***

Der bedeutendste Hofmaler in der Geschichte des Ludwigsluster Hofes war unbestritten Georg David Matthieu (1737–1778), der 1764 nach Ludwigslust kam. Er erhielt bereits im Kindesalter bei seinem Vater, dem königlich preußischen Hofmaler David Matthieu (1697–1755), und seiner Stiefmutter, der Porträtmalerin Anna Rosina Lisiewska (1713–1783), Unterricht. Sein Vater hatte bereits 1738 Erbprinz Friedrich auf dessen Grand Tour nach Paris begleitet. Georg David Matthieu verband eine enge Freundschaft mit dem Landschaftsmaler Philipp Hackert (1737–1807), mit dem er gemeinsam seit 1762 in Stralsund tätig war.

 

Seine Position am Ludwigsluster Hof war von Anfang an von seinem Dienstvertrag bestimmt. In der 1704 erlassenen Rangordnung von 24 Stufen stand der Hofmaler gemeinsam mit dem Büchsenmacher und Tapezierer an 20. Stelle. Zwar erhielt er später den Titel eines Kammerherrn, was seine Stellung auf den 13. Rang erhöhte, dennoch blieb er vom höher stehenden Hofpersonal abhängig. Georg David Matthieu musste vor allem eine große Anzahl von repräsentativen Porträts der Mitglieder der herzoglichen Familie fertigen. Vielen der dargestellten Personen ist ein stereotyper Ausdruck eigen und lässt fast jegliche Individualität vermissen. Wichtiger war es offensichtlich, die prächtigen Gewänder, Orden und Schmuckstücke oder das repräsentative Interieur eines Salons im Detail wiederzugeben. In seinen Bildkompositionen gelingt ihm das meisterliche Erfassen der unterschiedlichen Materialien der teuren Seiden- und Damaststoffe – sie lassen das Rauschen der Gewänder für den Betrachter fast hörbar werden.

Im Rahmen der Aufklärung beschäftigte man sich auch erstmals mit der Persönlichkeitsbildung und Erziehung der Kinder. Kinderdarstellungen erfreuten sich wachsender Beliebtheit in der Kunst. Matthieus Doppelporträt der Kinder des Prinzen Ludwig, „Prinzessin Sophie Friederike (1758–1794) und Erbprinz Friedrich Franz (1756–1837)“, aus dem Jahr 1764, mag schon damals in der förmlichen Ludwigsluster Atmosphäre etwas Besonderes gewesen sein.

Der Fächer in Sophies rechter Hand weist auf die geöffnete Terrassentür, mit der linken hakt sie sich bei ihrem Bruder unter, will ihn zum Spiel im Park überreden. Friedrich Franz ist noch unentschlossen, den Federballschläger hält er zwar schon in der Hand, doch ganz kann er sich von der Lektüre des Buches noch nicht lösen.

So zwanglos die Szene wirkt, fallen dennoch die offiziellen Gewänder der beiden Kinder ins Auge und zumindest die Beinhaltung Friedrichs scheint unnatürlich. Zudem gilt der Fächer seit dem 16. Jahrhundert als ein unverzichtbares Requisit der Dame und erfreute sich allgemeiner Beliebtheit.

Entsprechend wie die Kleiderordnung Kleidung und Beiwerk nach Rang und Würde vorschrieb, gab es auch Richtlinien für die Etikette. Der Fächer wurde zum dekorativen Verständigungsmittel mit vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten: Besonders auf Bällen und Empfängen war es so möglich, nonverbal zu flirten. Ließ eine der Damen den Fächer langsam über die Wange gleiten, so wurde ein „Ich liebe Dich“ verkündet. Ein schnelles Fächeln bedeutete „Ich bin verlobt“, eine langsame Bewegung verkündete den „Ehestand“. Mittels Anzahl der sichtbaren Fächerstäbe konnte sogar die Stunde des nächsten Rendezvous übermittelt werden. In Gegenwart des Souveräns hatten alle Hofdamen den Fächer geschlossen zu halten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen