Mäthus : Der Doktor mit dem gelben Schuh

Auf dem Weg zur Arbeit: Steffen Zwirner kümmert sich um Großtiere im Ludwigsluster Raum. Sein Markenzeichen: ein gelber und ein schwarzer Stiefel.

Tierarzt Steffen Zwirner lebt mit Frau und fünf Kindern in Mäthus bei Ludwigslust / Sein größter Wunsch: Eine Weltreise mit dem Fahrrad

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13. Juni 2015, 07:00 Uhr

Ein Anruf und schon läuft Steffen Zwirners Tag ganz anders als geplant. In Techentin muss er an diesem Morgen einem Alpaka-Muttertier helfen, das Probleme nach der Geburt seines Fohlen hat. Zwirner ist daran gewöhnt. Ständig klingelt das Telefon. Ständig kommt etwas dazwischen, und meistens kommt er erst abends zum „Schreibkram im Büro“. Für die Bauern draußen ist er der Doktor mit dem gelben Stiefel. „Der zweite ist kaputt“, sagt Zwirner. „Warum soll ich den guten wegwerfen, wenn ich noch einen anderen schwarzen Stiefel habe.“ Zwirner ist Experte für Großtiere, seine Frau kümmert sich in der Praxis um die Kleintiere. Die beiden zogen nach ihrem Veterinärstudium von Berlin nach Ludwigslust. Heute leben sie mit ihren fünf Kindern in Mät-hus. Redakteurin Katharina Hennes beantwortet Steffen Zwirner die Fragen zum Wochenende.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Zuhause im Garten in Mät-hus. In Ludwigslust bin ich gern am Schweizerhaus. Von dort hat man einen schönen Blick auf die alte Eiche. Wenn dann noch ein Reh auf der Wiese steht...
Was würden Sie als Bürgermeister von Ludwigslust verändern?
Wir Mäthuser gehören ja zum Ortsteil Kummer. Uns lag jahrelang der Radweg nach Ludwigslust am Herzen. Das hat ja jetzt zum Glück geklappt.
Wo kann man Sie am ehesten treffen?
Am Handy. Das klingelt ständig. Zu jeder Uhrzeit.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Mit dem Sammeln von Altstoffen. In den Ferien habe ich auch in einer Bienenwirtschaft gejobbt.
Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Ich habe es gespart für meine ersten Reisen. Am liebsten war ich mit dem Faltboot unterwegs.
Was würden Sie gerne können?
Gitarre spielen und dazu singen. Wenn wir früher auf unseren Faltbootreisen abends am Lagerfeuer gesessen haben, wäre ich auch gern einer der tollen Gitarrenspieler gewesen.
Was stört Sie an anderen?
Wenn jemand nicht zuhört und zu sehr ich-bezogen ist.
Was Unvernünftiges haben Sie zuletzt getan?
Riskant trifft es besser. Ich habe eine 60 Meter lange Drahtseilbahn quer übers Grundstück gebaut. Das war ein bisschen riskant, gefährlich und unvernünftig.

Was bedeutet Ihnen Glück?
Gesund zu sein. Alles andere wird unwichtig, wenn man nicht gesund ist.

Worauf könnten Sie nie verzichten?
Auf meine freundliche Familie.
Welches Buch lesen Sie gerade?
„Rote Sonne, schwarzes Land“ von Barbara Wood.
Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
..Wir haben kein Fernsehgerät. Aus Prinzip und aus Selbstschutz vor der Fernsehsucht, wir sind da sehr schwach.
Wen würden Sie gerne mal treffen?
Die längst verstorbene Rock- und Blues-Sängerin Janis Joplin. Mit ihr hätte ich mich wirklich gern unterhalten. Sie hat nicht nur gute Musik gemacht, sie hat sich auch gewehrt gegen Verlogenheit und Spießbürgertum.
Wenn Sie nicht selbst kochen: Was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch?
Ich esse gern italienisch und indisch. Und das am liebsten, wenn ich in Berlin bin.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten...
Gesundheit für meine ganze Familie. Mehr Gerechtigkeit auf der Welt und eine gesündere Umwelt.

Können Sie sich mit nur einem Wort beschreiben? Nein. Wie bin ich denn? Ich lass mich lieber von anderen beschreiben. Hektisch bin ich nicht. Hektik ist ein Störfaktor und macht krank.

Verraten Sie uns etwas, was kaum einer von Ihnen weiß?
Ich habe tief in mir einen ganz großen Wunsch: Weit reisen und die Welt entdecken.
Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?
Mit „Cry Baby“ von Janis Joplin. Das war der Song unserer unbeschwerten Studentenzeit in Berlin. Sicher hatten wir auch mal Stress beim Lernen, aber vor allem hatten wir unheimlich viele Freiheiten.
An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne und von wem haben Sie es bekommen?
Mir hat mal jemand ein Zigarillo geschenkt. In einem Moment, wo ich es so gar nicht erwartet hatte. Dabei rauche ich gar nicht, höchstens mal am Lagerfeuer. Aber die Geste war so nett gemeint, dass ich mich heute noch daran erinnere.

Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Einmal mit dem Fahrrad um die ganze Welt. Es wird wohl noch dauern, bis ich mir diesen Traum erfüllen kann.
Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen?
Andreas Lemke.

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