dömitz : Den Sprung über die Elbe wagen

Einer der beiden Arbeitstische, an denen Gedanken der Teilnehmer zusammengetragen wurden.
Einer der beiden Arbeitstische, an denen Gedanken der Teilnehmer zusammengetragen wurden.

Bei Bundesforschungsprojekt „Regiobranding“ werden Möglichkeiten Fluss übergreifender Kooperation ausgelotet

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04. Mai 2017, 21:00 Uhr

Die Elbe gedanklich zu überwinden, scheint auch fast 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs keine so einfache Sache. Doch die Fluss übergreifende Kooperation bietet viele Chancen. Aktivisten von hüben und drüben, die sich in der Aula des Regionalen Schulzentrums Dömitz trafen, wollen Möglichkeiten dafür ausloten. Ein Name, der den geografischen Rahmen umreißt, ist gefunden: „Fokusregion Griese Gegend-Elbe-Wendland“.

Der Dömitzer Bürgermeister Helmut Bode sieht das Projekt positiv. „Wir sind mit unseren 3000 Einwohnern zwar nur eine kleine Stadt. Diese besitzt aber die bedeutendste Flachlandfestung Norddeutschlands. Daraus können wir in der Vermarktung noch mehr machen“, sagt er.

Die erste Frage aus den Reihen der Teilnehmer war konkret: Wie oft im Jahr er sich mit seinem Gegenüber von der anderen Elbseite, dem Samtgemeinde-Bürgermeister Elbtalaue, Jürgen Meyer aus Dannenberg, treffe. Acht- bis zehnmal im Jahr klang aus dem Munde Bodes durchaus ausbaufähig.

Was eigentlich einfach klingt, hat einen komplizierten Hintergrund. Das Ganze nennt sich „Regiobranding –Branding von Stadt-Land-Regionen durch Kulturlandschaftscharakteristika“ und ist nichts weniger als ein Bundesforschungsprojekt. Unter dem wenig bekannten Begriff „Branding“ werden sowohl der Aufbau als auch die Weiterentwicklung einer Marke verstanden. Wissenschaftler aus Hannover, Hamburg und Greifswald haben sich damit beschäftigt. Projektkoordinator Philipp Uckert vom Landkreis Ludwigslust-Parchim erinnert in diesem Zusammenhang an einen Ideenwettbewerb, den die Fokusregion ausgelobt hat. Dahinter verbergen sich im Übrigen der hiesige mecklenburgische wie auch der niedersächsische Landkreis Lüchow-Dannenberg sowie weitere Partner. „Bis zum 15. Mai sollen auf diesem Weg innovative und nachhaltige Ideen, Projekte oder Handlungsansätze identifiziert und alle Interessierten motiviert werden, sich in den nächsten Jahren gemeinsam daran zu beteiligen, die Region im Schwerpunktfeld Kulturlandschaft zukunftsfähig zu gestalten“, sagt er.

Einen Impuls, wie das aussehen kann, gibt Anke Hollerbach vom Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe MV. Dort wird mit vielen Partnern zusammengearbeitet, die in der Region leben, arbeiten, Leistungen anbieten. Einmal pro Jahr gäbe es bereits ein länderübergreifendes Partnerschaftstreffen, informiert sie, um daraus die Erfahrung abzuleiten: „Der Sprung über die Elbe funktioniert nur dann, wenn man am Konkreten arbeitet.“ Als Beleg nennt sie die „Arche-Region“, die im Amt Neuhaus entstanden ist und sich inzwischen auf die ganze Region ausgeweitet hat. Deren Mitstreiter haben sich der Erhaltung von alten Haustierrassen verschrieben. Auch das Biosphärenband Schaalsee-Elbe birgt bereits Beispiele grenzüberschreitender Kooperation in Gestalt der vier Infozentren diesseits und jenseits des Flusses.

„Die Metropolregion Hamburg ist die einzige mit der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Das ist jetzt thematisiert worden“, sagt Joachim Müller, Leiter des Fachdienstes Regionalmanagement und Europa der Kreisverwaltung Ludwigslust-Parchim. Dieses Alleinstellungsmerkmal gelte es zu nutzen. Die Vielfalt von Erinnerungsorten sollte analysiert, vernetzt und vermarktet werden. Federführend bei der Vorbereitung des Projekts „Grenzgeschichten“ sei der Landkreis Lüchow-Dannenberg.

An Arbeitstischen trugen die Teilnehmer erste Gedanken und Ideen zusammen, wie Kooperation aussehen könnte.




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