Polz : Den Orient nach MV bringen

Suhana (l.) und Castano (r.) in ihrem Proberaum zu Hause in Polz.
Suhana (l.) und Castano (r.) in ihrem Proberaum zu Hause in Polz.

Orientalischer Tanz und Trommelkunst sind ihre Leidenschaft: Suhana und Castano klären in Schulprojekten über fremde Kulturen auf

svz.de von
28. April 2015, 07:00 Uhr

Als kleines Mädchen bekommt „Suhana“ ein Radio von ihrem Großvater geschenkt. Ein Geschenk, das für sie bis heute große Bedeutung hat. Sie erinnert sich, wie sie als Kind immer klassische Musik gehört und sich in ihrer Fantasie ausgemalt hat, eine Prinzessin zu sein. Und dann habe sie einfach drauflos getanzt. Im Jahr 2007 macht sich Suhana zusammen mit ihrem Lebenspartner unter dem Künstlernamen „Suhana & Castano“ selbstständig – sie als Dozentin für Tanz und Kultur und er als Dozent für rhythmisches Erleben. Zusammen haben sich beide dem orientalischen Tanz und dessen traditioneller Trommelkunst verschrieben. Im SVZ-Gespräch erzählen Suhana und Castano, die in der Nähe von Dömitz in Polz wohnen, welche Bedeutung diese Kunstformen für sie haben.

Suhana hat als kleines Mädchen an einer Ballett-Schnupperstunde teilgenommen. Ihrer Familie war es jedoch nicht möglich, ihren Wunsch, Ballettunterricht zu nehmen, zu finanzieren. Ihre Freundin hingegen konnte teilnehmen. „Ich habe dann immer gewartet, bis sie wieder nach Hause gekommen ist, und gehofft, dass sie mir dann die Schritte zeigt“, sagt Suhana und erzählt weiter, dass sie ihre Schuhe des Öfteren „durchgetanzt“ habe. Tanz und Theater bestimmten ihre Schulzeit. Erst später sei sie dann auf den Bauchtanz aufmerksam geworden und die ersten Auftritte folgten.

Auch Castano, der marokkanische Wurzeln hat, war als Kind schon musikalisch: „Ich habe unkontrolliert auf der Bettdecke herumgeklopft“, erinnert er sich. Mit 18 Jahren habe er dann das Schlagzeug für sich entdeckt und Unterricht genommen.

2006 begegneten sich Suhana und Castano das erste Mal, hatten jedoch zuerst nur flüchtigen Kontakt. Als sie sich dann bei einem Geburtstag wiedergesehen haben, entwickelte sich erst eine Freundschaft, bei der sie auch die Leidenschaft der Musik teilten, später ist daraus dann eine Liebesbeziehung enstanden. Castano erzählt, dass er durch Suhana zurück zu seinem Wurzeln gekommen sei. „Sie hat mein Potenzial beim Trommeln erkannt“, sagt er. Dann habe er viel geübt und sie beim Tanzen mit der Trommel rhythmisch begleitet, bis sie beschlossen haben, dauerhaft zusammenzuarbeiten. Das Paar tritt bei verschiedenen Veranstaltungen und Festen auf, gibt Workshops oder macht Projekte in Schulen und Kindergärten.

„Wir wollen aufklären über andere Kulturen und in den Dialog treten“, sagt Suhana und erzählt, dass sie schon ein Musical mit Schülern erarbeitet und aufgeführt haben. In den Projekten wird den Schülern zudem aber auch der Orient nähergebracht und ihnen so „die Angst vor den Fremden genommen“. Auch eine bewusste Kommunikation wollen Suhana und Castano dabei vermitteln. So bringen sie bei Schulprojekten beispielsweise einen persischen Streitteppich mit. „Dort können die Kinder über Probleme miteinander reden und lernen, wie wichtig es ist, dem anderen zuzuhören“, sagt Castano. Die Schüler dürfen zudem ihr rhythmisches Talent unter Beweis stellen und das Trommeln üben. Auch der orientalische Tanz wird ihnen gezeigt und nicht nur die Bewegung, sondern auch Mimik und Gestik trainiert. Suhana und Castano üben täglich und feilen an ihren Auftritten: „Ich probe immer, wenn es irgendwie passt, so knapp drei Stunden am Tag“, sagt sie und ergänzt: „Das Schöne am Tanzen ist, dass man mit dem Körper immer eine neue Geschichte erzählen kann.“


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