Kunstprojekt "Die Gesichter des KZ Wöbbelin" : Den Opfern wieder ein Gesicht geben

<fettakgl>Den Opfern wieder </fettakgl>ein Gesicht geben - Anna Basina (links), Künstler Marcus Barwitzki und Karolin Gassow. <fotos>Fotos: Jürgen Seidel</fotos>
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Den Opfern wieder ein Gesicht geben - Anna Basina (links), Künstler Marcus Barwitzki und Karolin Gassow. Fotos: Jürgen Seidel

Bis 2014 soll eine drei Meter hohe Skulptur auf die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin aufmerksam machen. Thema des von dem Magdeburger Künstler Marcus Barwitzki entworfenen Kunstwerks ist "Die Gesichter des KZ Wöbbelin".

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05. Juli 2012, 11:53 Uhr

Wöbbelin/Hohenwoos | Spätestens 2014 soll unmittelbar an der Bundesstraße 106 eine große, reichlich drei Meter hohe Skulptur auf die dortigen Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin aufmerksam machen. Thema und Titel des von dem Magdeburger Künstler Marcus Barwitzki entworfenen Kunstwerks sind "Die Gesichter des KZ Wöbbelin". Allerdings erarbeitet der Maler, Grafiker und Bildhauer seine Skulptur nicht allein, sondern sie entsteht vielmehr "partizipatorisch" - unter Mitwirkung vieler Jugendlicher aus der Region, aus anderen Bundesländern und aus dem Ausland. So nehmen bereits seit Anfang dieser Woche Anna Basina, Sarah Heidtmann und Karolin Gossow sowie Daniel und David Goosmann an einem mehrtägigem regionalen Workcamp auf dem Töpferhof Döscher in Hohenwoos teil, während dessen sie Fotografien Wöbbeliner KZ-Häftlinge zunächst in Zeichnungen und dann in Tonblöcke umsetzen.

Marcus Barwitzki ist von den Resultaten begeistert

Auf diese Weise entstehen ganz individuelle Bildnisse, die den Opfern ihre Gesichter zurückgeben. Marcus Barwitzki, der auch dieses Workcamp als eine Art "künstlerischer Mediator" begleitet, ist von den Leistungen der fünf jungen Leute begeistert: "Keiner der Teilnehmer hat vorher mit Kohle gezeichnet oder plastisch mit Ton gearbeitet. Die Resultate ihrer Arbeit sind dennoch wunderbar." Die Gemeinsamkeit zwischen Fotografie, Zeichnung und Tonmodell sei "wirklich beachtlich". Hielte man die künstlerisch gestalteten Gesichter neben die Fotos, würde man den jeweiligen Menschen tatsächlich erkennen können, sagt Barwitzki. "Könnten die Menschen, die in Wöbbelin ums Leben gekommen sind, sehen, wie intensiv wir uns jetzt hier mit ihrem Leben beschäftigen, dann würden sie sich wahrscheinlich auch freuen", so Barwitzki.

Zu Beginn ihres Workcamps hatten die Jugendlichen in einem Gespräch mit dem heute 87-jährigen KZ-Überlebenden Erich Kary auch ihr Wissen über die Zeit des Nationalsozialismus sowie über das KZ Wöbbelin und seine Häftlinge erweitert. Anna Basina, 16 Jahre, Schülerin des Schweriner Gymnasiums Fridericianum, findet es sehr wichtig, dass man sich mit dieser Thematik auseinandersetzt und dass dieses Geschehen nicht in Vergessen gerät. "Ich bin immer wieder gern bei solchen Projekten dabei - auch wenn Ferien sind", erklärt Anna. Wie die Schülerin weiter erzählt, würden zu den Gesichtern auch noch Namen kommen. "Wir haben uns in Wöbbelin schon einige Häftlingsnummern und die dazugehörigen Namen herausgeschrieben. Die Gedenkstätte hat viel Material."

Begleitet wird das Entstehen der Großplastik durch eine Wanderausstellung, für die Barwitzki auch ein 1:2-Modell seines Kunstwerks entworfen hat. Dafür entstehen auch in Hohenwoos kleine Köpfe. Die eigentlichen großen Köpfe für die große Skulptur sollen während zweier Kunstworkshops sowie eines Internationalen Workcamps Anfang August auf dem Gelände der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin realisiert werden. Dabei verbinden sich die Individualität der Opfer und die persönliche Handschrift der Workshop-Teilnehmer zu einem eindrucksvollen Bekenntnis wider das Vergessen. Eine Jury wählt dann die 45 besten Arbeiten aus, die nach dem langwierigen Trocknen und dem aufwändigen Brennen in die Plastik "Gesichter des KZ Wöbbelin" eingefügt werden.

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