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Ludwigsluster Tageblatt

23. Oktober 2017 | 22:56 Uhr

pampow : Den Opfern ein Gesicht geben

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Erinnerung an KZ-Häftlinge: Pampower Kirche zeigt Ausstellung über Kunstprojekt an den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin

svz.de von
erstellt am 30.Jan.2014 | 07:00 Uhr

Die quaderförmigen Köpfe sind aus Ton geformt, die Minen von Leid zerfurcht, dünne Stangen stellen die ausgemergelten Körper dar. Mit seiner Plastik aus Backstein und Stahl will der Magdeburger Künstler Marcus Barwitzki den Häftlingen des ehemaligen KZ Wöbbelin ein Gesicht geben. „Gesichter des KZ Wöbbelin“, so heißt denn auch die Ausstellung, die jetzt in der Pampower Kirche zu sehen ist. Gezeigt werden ein Modell des Kunstwerkes, Zeichnungen und andere Vorarbeiten. Eröffnet wurde die Präsentation anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Holocaust.

Bemerkenswert: Barwitzkis Plastik ist ein Gemeinschaftswerk. In internationalen Workcamps bei den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin haben bislang schon 150 Kinder und Erwachsene aus 18 verschiedenen Ländern von drei Kontinenten an dem Kunstprojekt mitgearbeitet, zunächst Skizzen von Häftlingsgesichtern angefertigt und sie dann gleichsam in Stein gemeißelt. „Durch diese intensive Beschäftigung konnten die Teilnehmer, darunter auch viele Schüler aus der Region, eine tiefe Beziehung zu den porträtierten Häftlingen aufbauen“, erklärte Barwitzki bei einer Führung durch die Ausstellung in Pampow.

45 Köpfe soll die fertige Plastik zeigen – in Anspielung auf das Jahr 1945. „Es werden aber mehr Köpfe entstehen“, sagte Barwitzki. Denn auch in diesem Jahr seien zwischen Mai und September noch Kunst-Workshops geplant. Welche Köpfe an der Original-Skulptur zu sehen sein werden, entscheide eine Jury, so der Künstler.

Im kommenden Jahr soll die etwa dreieinhalb Meter große Plastik an der Bundesstraße 106 aufgestellt werden und auf die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin hinweisen, das unvorstellbare Leid der KZ-Häftlinge auch noch für nachfolgende Generationen sichtbar machen. „Es ist einmalig, dass ein Künstler Laien zutraut, so eine Skulptur zu schaffen“, betonte die Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin, Ramona Ramsenthaler.

„Das Geheimnis der Erlösung ist Erinnerung“, zitierte Pastor Arpad Csabay bei der Ausstellungseröffnung aus dem Talmud. „Erinnerungsarbeit muss eine Brücke bauen zwischen den historischen Tatsachen und der heutigen Generation“, unterstrich Csabay. Insbesondere Kunstprojekte könnten zur Empathie und kritischen Selbstbetrachtung anregen. Die Opfer des NS-Regimes dürften nie vergessen werden, mahnte auch der Pampower Bürgermeister Hartwig Schulz. Dabei müsse die Erinnerung an das Geschehene vor allem an junge Menschen weitergegeben werden.

Seit Jahren setzen die Gemeinde Pampow und die Kirchengemeinde mit ihrer Veranstaltung zum Gedenktag für die Opfer des NS-Regimes ein deutliches Zeichen. In diesem Jahr ging es um die Frage: Wie können wir uns trotz zunehmender zeitlicher Entfernung zum Nationalsozialismus und der geringer werdenden Zahl von Zeitzeugen einfühlen in das Leid der Opfer und so aus der Geschichte für die Gegenwart lernen? Konkret: Welche zeitgemäßen Zugänge müssen wir heute entwickeln, um die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten? Das Projekt von Marcus Barwitzki biete in dieser Hinsicht wichtige Anregungen, betonte Pastor Csabay.

Bis Ostern soll die Ausstellung „Gesichter des KZ Wöbbelin“ in der Pampower Kirche zu sehen sein. Eine Besichtigung ist nach vorheriger Anmeldung jederzeit möglich. Interessierte können sich unter der Telefonnummer 03865-3225 bei Arpad Csabay melden.

Wer sich noch selbst aktiv an dem Kunstprojekt beteiligen oder auch eine Patenschaft über einen Stein übernehmen möchte, meldet sich bei den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin, Telefon 038753-80792 oder E-Mail
info@gedenkstaetten-woebbelin.de.

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