Wöbbelin : Den Namen Gesichter geben

Ramona Ramsenthaler zeigt auf der Karte die Standorte damaliger Lager.
Ramona Ramsenthaler zeigt auf der Karte die Standorte damaliger Lager.

In den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin öffnet im Mai die Ausstellung „Zehn Wochen KZ Wöbbelin“

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25. Februar 2014, 07:00 Uhr

Für die Häftlinge des damaligen Konzentrationslagers Wöbbelin waren es die schlimmsten Jahre ihres Lebens. Viele von ihnen erlebten den Tag der Befreiung nicht mehr. Für die Überlebenden aber war der 2. Mai 1945 der Tag, an dem sie sagen konnten: „Die Fallschirmjäger sind die Engel des Himmels“. Gemeint sind die Soldaten der 82. US-Luftlandedivision, die an jenem Tag das KZ Wöbbelin befreiten.

Die Fallschirmjäger als Engel des Himmels – es ist ein Thema der neuen Dauerausstellung, die Anfang Mai in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin eröffnet wird. Titel der Exposition: „Zehn Wochen KZ Wöbbelin.“ Ramona Ramsenthaler, Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten, sagt: „Es wird eine interaktive Ausstellung sein, die den didaktischen und pädagogischen Anforderungen entspricht. Ziel ist es, den Opfern ein Gesicht zu geben. Im Mittelpunkt stehen die Häftlinge des damaligen Lagers.“ Das KZ war im Winter 1945 als so genanntes Auffanglager eingerichtet worden, sollte Häftlinge anderer Lager aufnehmen, die aufgrund des Vorrückens der Alliierten evakuiert werden mussten. Es existierte zehn Wochen.

Die Idee einer neuen Ausstellung entstand im Jahre 2010. „Die alte Ausstellung zu diesem Thema entsprach nicht mehr dem inzwischen erlangten Kenntnisstand“, erklärt Ramona Ramsenthaler. „Außerdem lösten sich bereits einige Tafeln mit Fotos von den Wänden.“ Nachdem die Ausstellungsräume 2011 und 2012 renoviert worden waren, begann im Dezember 2012 die Historikerin Dr. Angelika Königseder mit den Recherchen für eine neue Ausstellung. Sie sichtete umfangreiches Material in nationalen und internationalen Archiven, aber auch in der Sammlung der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin. Außerdem nahm sie Kontakte zu Forschern, Überlebenden und Befreiern sowie deren Angehörigen auf. Dr. Angelika Königseder erarbeitete, unterstützt von der Historikerin Dr. Carina Baganz, der Vorsitzenden des Fördervereins der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin e. V., und der Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten, Ramona Ramsenthaler, die Konzeption der neuen Ausstellung. Zu sehen sein werden ca. 190 Fotos und Dokumente. Etwa die Hälfte davon wird erstmals in einer Ausstellung gezeigt.

Insgesamt sind für die Ausstellung sechs Themenkomplexe vorgesehen. Thema 1 beschäftigt sich mit der NS-Herrschaft und dem KZ-System sowohl in ganz Deutschland als auch auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommerns. Mit der Entstehung und Entwicklung des KZ Wöbbelin befasst sich das zweite Thema. Es stellt unter anderem die Lebensbedingungen der Häftlinge dar, umfasst auch Informationen zu dem damaligen Holzbarackenlager „Reiherhorst“ in unmittelbarer Nähe. Ein weiteres Thema beschäftigt sich mit den damaligen Tätern, von denen einige dank der Forschungsarbeit namentlich aufgeführt werden können.

Thema 4 schließlich ist den Gesichtern des KZ Wöbbelin gewidmet. Besucher, die zuvor das in der Nähe gelegene ehemalige Lagergelände besucht und die Namen von Häftlingen auf den Gedenksteinen gelesen haben, können in der neuen Ausstellung Fotos einiger dieser Menschen sehen. Die beiden weiteren Themen umfassen Befreiung und Bestattungen sowie Nachgeschichte und Erinnerungskultur. Besucher der neuen Ausstellung werden nicht nur Wandtafeln und Exponate in Vitrinen zu sehen bekommen. Sie können sich auch am PC, an Video- und Hörstationen umfangreich informieren. Die grafische Gestaltung der Ausstellung übernahm Marco Pahl von der Firma Grafikagenten Rostock.

Laut Ramona Ramsenthaler ist es Ziel, die Ausstellung am 1. Mai 2014 anlässlich des 69. Jahrestages der Befreiung zu eröffnen. Geplant sei, diesen Tag für eine internationale Begegnung der Generationen zu nutzen, zu dem auch Überlebende des ehemaligen Lagers und Angehörige eingeladen werden.

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