Den Gefühlen freien Tanz lassen

Sie wollen wahrlich keine Primaballerinen werden, die Mädchen der 1. Klassen aus Neustadt-Glewe. Mit dem Tanzen können die Schülerinnen jedoch ihre Gefühle - Freude, Trauer und Wut zum Ausdruck bringen.

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23. Januar 2009, 11:11 Uhr

Sie tanzen wild durcheinander, jede wie sie kann und jede wie sie möchte - die Puppen im verzauberten Puppenladen. Und die sechsjährige "Ladenbesitzerin" Jessica ist verwundert über das Geschehen in ihrem Laden. - Der "Verzauberte Puppenladen", es ist das Lieblingslied der 16 Mädchen, die bei der Kindertanzleiterin Nicole Maack in der Grundschule "Johann Wolfgang von Goethe" in Neustadt-Glewe jede Woche einmal nach dem Unterricht zum Tanzen kommen.

"Der Puppenladen macht richtig viel Spaß", und die Augen leuchten bei Jessica. Die anderen Mädchen, wie Kim, Laureen oder Laura stimmen lautstark zu. "Bei diesem lustigen Tanz können sich die Kinder nach der Musik frei bewegen, sie könne ihre Kreativität voll entfalten", so die Kindertanzleiterin. "Dabei ist es ganz egal, ob sie die Bewegungen nun besonders gekonnt zelebrieren oder nicht, ob sie gertenschlank sind oder nicht. Das Wichtigste ist, dass es den Kindern Spaß macht", erklärt Nicole Maack.

Ob im rosa Ballettkleidchen oder einfach in Sportbekleidung, die kleinen Tänzerinnen sind ganz bei der Sache. Stampfen, schreien, können mal ganz leise sein, sich wie eine Schlange zusammenrollen, sich zur Decke strecken, mit dem Po wackeln - ihre ganze kindliche Gefühlswelt wird bei den verschiedenen Tänzen aktiviert.

"Da gibt es auch bestimmte Befindlichkeiten unter den Mädchen, zum Beispiel, wenn neue Teilnehmer in die Gruppe kommen. Nicht jede mag auch jede. Aber dennoch muss man im Leben miteinander auskommen und kooperieren. Bei vielen Tanzübungen müssen sich die Mädchen Partner aussuchen - und miteinander auskommen. Wer da bockt fällt schon unangenehm in der Gruppe auf. Zwistigkeiten kann man beim Tanz überwinden", ist sich die Tanzleiterin sicher. "Aber auch gegen Wutanfälle, die bei einigen Kindern vorkommen, kann man über den Tanz etwas machen und Aggressionen abbauen" erläutert Nicole Maack. "So haben wir zum Beispiel einen Tanz ausgesucht, bei dem die Mädchen ganz laut schreien konnten, zusammen, aber auch jedes Kind einzeln, dabei durften sie zusätzlich auch Papier zerreißen. Das hat schon bei bestimmten Mädchen Wirkung gezeigt, sie konnten einfach mal alles aus sich herauslassen. Das tut gut, wie auch wir Erwachsenen wissen", bestätigt die 34-Jährige.

Viele der Kinder kennt sie schon aus dem Kindergarten. Denn bereits da hat Nicole Maack mit ihnen getanzt. Auch an der Grundschule fand sie für ihr Vorhaben bei der Schulleitung großes Interesse und erhielt viel Unterstützung.

Das dort zurzeit laufende Programm "Tanz der Gefühle", wurde möglich durch die Kulturstiftung der Länder und dem Projekt "Kinder zum Olymp". Dabei geht es unter anderem auch darum, Kinder und Jugendliche für die Vielfalt der Kultur zu begeistern und somit ihre Kreativität und Fantasie zu fördern.

Nicole Maack ist eigentlich gelernte Zahnarzthelferin. Seit zwei Jahren hat sie sich dem Tanz und der Tanzausbildung verschrieben, an verschiedenen Lehrgängen teilgenommen und ist gegenwärtig in einer Ausbildung in Berlin. Zwölf Gruppen in der Region hat sie - in Grundschulen und in Kindergärten. So zum Beispiel auch in Groß Laasch und in Wöbbelin. "Und hier sind sogar Jungs dabei", war von ihr zu erfahren.

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