Ludwigslust : Den Ganoven auf der Spur

Das gefundene Tuch ist sicher in einer Plastiktüte verwahrt.
2 von 3
Das gefundene Tuch ist sicher in einer Plastiktüte verwahrt.

SVZ begleitete Beamte des Kriminaldauerdienstes der Polizeiinspektion Ludwigslust bei ihren Einsätzen

23-49349880_23-66107806_1416392167.JPG von
04. November 2015, 12:00 Uhr

Ludwigslust Vorsichtig hebt Axel Starck einen der Kartons vom Trailer. Was er  sieht, freut jeden Kriminalisten: Auf der Pappe ist ein Fußabdruck zu sehen, ziemlich deutlich sogar. „Damit lässt sich arbeiten“, lächelt Axel Starck und macht sich an die Arbeit.

Es ist 11.30 Uhr. Vor viereinhalb Stunden hat die zwölfstündige Dienstschicht von Kriminaloberkommissar Starck und Polizeimeisterin Jessica Bruckauf begonnen. Beide gehören zum Kriminaldauerdienst (KDD, ca. 20 Beamte) der Polizeiinspektion Ludwigslust.   Die Truppe besteht seit Anfang 2013. Die Aufgabe der Spezialisten: Bei Gewaltverbrechen, Einbruchsdiebstählen, Unfällen oder Bränden Spuren sichern,  mögliche  Zeugen oder auch Beschuldigte befragen.

Zurück zu eingangs erwähnten Kartons samt Fußabdruck. An diesem Vormittag wurden die Beamten in ein kleines Dorf bei Hagenow gerufen. Unbekannte hatten auf einem Firmengelände zwei Lkw-Auflieger (Trailer) aufgebrochen und Beute gemacht. Besonders pikant: Der Inhalt der ursprünglich noch verplombten Trailer stammt aus China, sollte hier  in der Firma zwischengelagert werden. Noch bevor Zöllner die Plomben auf dem Firmengelände öffnen konnten, waren ihnen nachts Ganoven zuvorgekommen.

Offenbar hatten die Diebe mit großer Beute gerechnet – und dürften relativ enttäuscht gewesen sein: Sie hatten einige Kartons aus den Aufliegern geöffnet und Messersets, Küchenmixer und Bratpfannen gefunden, von denen sie nur einige wenige mitnahmen. „Unsere wichtigste Aufgabe ist es jetzt, mögliche Spuren zu sichern“, sagt Axel Starck. „Was wir hier eventuell verdaddeln, können wir später nicht wieder gutmachen.“ Heißt, wenn jetzt Spuren übersehen oder gar zerstört werden, werden die Überführung der Täter und deren mögliche Verurteilung kompliziert. „Es geht um eine lückenlose Beweiskette. Alle Beweise müssen später vor Gericht Bestand haben“, so Axel Starck. Besagten Schuhabdruck auf dem Karton sichert Starck, „kopiert“ ihn praktisch auf eine Folie. „Den Abdruck übermitteln wir unseren Kollegen vom Landeskriminalamt. Die haben eine Datenkartei, in der alle in MV bei Straftaten gesicherten Schuhabdrücke enthalten sind. So kann festgestellt werden, ob der Besitzer des Schuhs schon an anderen Straftaten  beteiligt war.“ Verwertbare Fingerabdrücke dagegen findet  Starck zunächst nicht. Seine Kollegin Jessica Bruckauf  indes fotografiert den Tatort und begibt sich auf dem Firmengelände ebenfalls auf Spurensuche.

„Jessica ist zwar erst ein paar Wochen bei uns. Doch in dieser Zeit sind wir beide ein gutes Team geworden.“ Wie zum Beweis kehrt die Polizistin zurück und hält ein schwarzes Tuch in der Hand. „Könnte ein Schal sein. Er lag einige Meter von den Trailern entfernt im Gestrüpp. Möglich, dass ihn die Täter verloren haben“, sagt Jessica Bruckauf, die mit Leib und Seele Polizistin ist. „Ich stamme zwar aus Mecklenburg-Vorpommern, habe aber bei der Bereitschaftspolizei in Brandenburg  angefangen. Meine Familie lebt in MV und deshalb bin ich froh, dass ich nun hier Dienst machen kann.“ Die Polizeimeisterin war zuletzt bei der hiesigen Bereitschaftspolizei, dann Streifenbeamtin. Ihr nächstes Ziel ist es, in den gehobenen Dienst zu kommen. „Sie hat das Zeug dazu und macht ihre Sache gut, hinterfragt viele Dinge“, lobt Axel Starck. Der kam übrigens nach der Wende als Seiteneinsteiger zur Polizei. „Ich habe zu DDR-Zeiten Vermessung studiert und entschied mich dann Anfang der 1990er-Jahre für die Polizei.“ Heute könne er sich nichts anderes mehr vorstellen. „Ich habe es nie bereut, diesen Weg eingeschlagen zu haben“, so der Kriminaloberkommissar.

Noch bevor die Arbeit auf dem Firmengelände erledigt ist, klingelt Starcks Handy: In Sternberg hat sich ein Sexualdelikt ereignet. Es gilt, das Opfer zu befragen, den Tatort in Augenschein zu nehmen.   „Wir sind hier soweit fertig. Fahren wir“, sagt Stark. Sicher steuert Jessica Bruckauf den Mercedes-Transporter über die Autobahn und durch dichten Nebel Richtung Sternberg.

Im dortigen Polizeirevier  erfahren die  Kripobeamten, was geschehen ist:  Eine Frau soll in der Nähe ihrer Wohnung von einem  Mann sexuell belästigt worden sein. Axel Starck und Jessica Bruckauf fahren mit der Frau zum Tatort, wo sie ihnen  über das Geschehene berichtet. Dabei zeigt sich, dass die Beamten auch als Psychologen gefragt sind, es gilt, Vertrauen aufzubauen und  einfühlsam vorzugehen.

Auf dem Rückweg nach Ludwigslust erreicht die beiden Beamten der nächste Anruf: ein versuchter Wohnungseinbruch in Malliß. Von den ersten Ermittlungen der Streife vor Ort wird es abhängen, ob der Kriminaldauerdienst  auch hier zum Einsatz kommen wird.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen