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Krankenhaus Ludwigslust : Demonstration: „Wir wollen unsere Kardiologen“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Demonstranten kritisieren Geschäftsführung des Westmecklenburg-Klinikums scharf / Aufsichtsrat kommt zur Sondersitzung zusammen

von
erstellt am 13.Jan.2015 | 00:01 Uhr

„Geschäftsführung raus. Geschäftsführung raus.“ Immer wieder hallt der Ruf über das Gelände des Stiftes Bethlehem. Mitarbeiter des Krankenhauses, Bürger aus Ludwigslust und Umgebung, Stadtvertreter und Stadtverwaltungsmitarbeiter waren gestern Abend vor den Haupteingang gezogen, um für den Erhalt des Krankenhauses und quasi auch gegen die beiden Geschäftsführer zu demonstrieren, denen unter anderem eine miserable Art der Kommunikation mit den Mitarbeitern vorgeworfen wird. Was die Mitglieder des Aufsichtsrates, die sich wenig später zu einer Sondersitzung treffen wollen, von den Forderungen der Demonstranten mitbekommen, weiß keiner. Die Sitzung findet – rechtlich nicht zu beanstanden – hinter verschlossenen Türen statt. Dem Vernehmen nach soll die Geschäftsführer-Frage dabei tatsächlich eine Rolle spielen. Zudem wollen die Geschäftsführer ein modifiziertes Konzept für die geplante Umstrukturierung innerhalb des Westmecklenburg-Klinikums „Helene von Bülow“ vorstellen. Ergebnisse wurden bis Redaktionsschluss jedoch nicht bekannt.


„Unternehmensführung hat versagt“


„Es war ein grober Fehler, die Umstrukturierungspläne hinter verschlossenen Türen zu diskutieren“, sagt Gewerkschaftssekretär Hans Sieweke von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, die zur Kundgebung aufgerufen hatte, durchs Megafon. „Das Ergebnis sehen wir. Mehrere Kardiologen haben gekündigt.“ Man hoffe, dass inzwischen ein Umdenken eingesetzt hat, wolle aber ein Signal an den Aufsichtsrat senden, dass – bei Bedarf – mit starkem Widerstand zu rechnen sei.

„Wir wollen unsere Kardiologen wiederhaben. Es kann doch nicht sein, dass ein Krankenhaus keine Kardiologen hat“, ruft eine aufgebrachte Frau. „Es ist bedauerlich, dass die Ärzte diesen Weg gehen, aber es ist vollste Absicht, die Kardiologie an diesem Standort zu halten“, versucht Landrat Rolf Christiansen, der zugleich Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des Westmecklenburg-Klinikums ist, in kleiner Runde zu beschwichtigen. Ans Megafon will er nicht treten, um zu den Demonstranten zu sprechen. „Es gibt keinen neuen Stand“, begründet Christiansen mit Blick auf seinen Auftritt auf der Demo Mitte Dezember und verweist erneut darauf, dass Umstrukturierungen im Interesse der Wirtschaftlichkeit notwendig seien. Wie sich diese verbessern soll, wenn mit der erfolgreichen Mannschaft aus Ludwigslust in der Nähe – nämlich am Parchimer Krankenhaus – eine neue Kardiologie aufgebaut wird, will ein Krankenhaus-Mitarbeiter vom Landrat wissen. Dessen Reaktion: Bis diese eine wirkliche Konkurrenz sein könne, sei es ein langer Weg. Während der Landrat ein Statement vor der gesamten Menge ablehnt, wird ein anderer Mann gestern Abend ganz vermisst. Wo ist eigentlich der Bürgermeister? fragt so mancher.

„Unterm Strich bleibt, dass die Unternehmensführung letztlich versagt hat“, meint der Ludwigsluster Wolfgang Köhler. „Wie kann man solche Spezialisten wie Prof. Werner, der noch dazu beste Verbindungen zur Universitätsklinik Rostock hat, ziehen lassen?“ Er habe von einem Mann gehört, dass diesem im Ludwigsluster Krankenhaus bereits dreimal das Leben gerettet worden sei. „Wo soll dieser Mann nun hingehen?“ fragt der 78-Jährige.

Es ist einige Minuten nach 17 Uhr, als die Polizei mit einem Hinweis an die Veranstalter einen vorsichtigen Schlussstrich unter die Kundgebung zieht. Die Demo war bis 17 Uhr angemeldet. Doch nur zögerlich gehen die Menschen auseinander. Allerdings nicht ohne vorher noch das eine oder andere Mal zu rufen: „Geschäftsführung raus“.

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