Ludwigslust : Dem Plattdeutschen verschrieben

Aufgeschlossenes Publikum bei der gemeinsamen Jahrestagung dreier Literaturgesellschaften am Sonnabend in der Ludwigsluster Stadthalle. Fotos: Uwe Köhnke
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Aufgeschlossenes Publikum bei der gemeinsamen Jahrestagung dreier Literaturgesellschaften am Sonnabend in der Ludwigsluster Stadthalle. Fotos: Uwe Köhnke

Jahrestagung dreier Literaturgesellschaften in Ludwigslust / Vielschichtig thematisierte Vorträge und Diskussionen

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02. April 2017, 21:00 Uhr

„Die Überraschung aber ist das Städtchen, ist diese musterhafte einheitliche und im spielerischen doch muntere Anlage, die Kavaliersgebäude um das Bassin, in zarter Schwingung, die Schloßstraße mit den guten Profilen der Häuser und den gefälligen Ausbuchtungen – Klassizismus in Backstein, Biedermeier ohne Verputz.“ Das hat der spätere Bundespräsident Theodor Heuss 1920 geschrieben, als er durch Ludwigslust kam. Heuss bewunderte Hofbaumeister Johann Joachim Busch, der die Ludwigsluster Stadtanlage mit prägte. Der Präsident der Fritz-Reuter-Gesellschaft, Prof. Dr. Dr. Jürgen Grote, hat dieses Zitat am Sonnabend ins Gedächtnis gerufen. Und die Stadt Ludwigslust hat kräftigen Dank geerntet, dafür, dass sie sich als Austragungsort der Jahrestagung dreier Literaturgesellschaften zur Verfügung stellte.

Eine Premiere, wie der Ludwigsluster Bürgermeister Reinhard Mach unterstrich. Neben der Reutergesellschaft hatten sich Mitglieder der John-Brinckman- und der Johannes-Gillhoff-Gesellschaft auf den Weg in die Lindenstadt gemacht. „Es fällt immer schwerer, Menschen zu finden, die sich in solchen Organisationen engagieren.“ Mach zitierte Zahlen, die das Institut für niederdeutsche Sprache in Bremen herausgefunden hat. Danach geben 15,7 Prozent der Norddeutschen an, das Plattdeutsche gut zu sprechen, immerhin 47,8 Prozent, es gut oder sehr gut zu verstehen.

Nicht nur für den Ludwigsluster Bürgermeister ergibt sich daraus ein Handlungsansatz. 2016 haben nämlich die Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein dem Institut für niederdeutsche Sprache mitgeteilt, dass sie den seit 1979 gültigen Finanzierungsvertrag zum Ende des Jahres 2017 zu kündigen beabsichtigen. Eine politische Entscheidung ohne die Protagonisten anzuhören.


„Vielleicht geht von hier ein Signal aus…“


„Vielleicht geht ja von dieser Tagung ein Signal aus“, unterstrich Mach. Ein eventueller Nachfolger des Instituts solle mindestens das Gleiche leisten. Handlungsbedarf ergibt sich auch daraus, dass laut Mach nur sechs Gymnasien und Gesamtschulen im Land sich dem Plattdeutschen widmen. Er ermunterte die Mitglieder der Literaturgesellschaften, selbst aktiv zu werden und sich den Schulen mit ihrem Wissen anzubieten.Und Reinhard Mach regt an, über die niederdeutsche Sprache als Weltkulturerbe nachzudenken.

Das Wochenende hat viel Diskussionsstoff geboten. Zur Reihe der vielschichtig thematisierten Vorträge am Sonnabend gehörte übrigens auch der von Dr. Reinhard Goltz. Er ist Vorsitzender des Vorstands vom Institut für niederdeutsche Sprache in Bremen. Der 1953 geborene Goltz stammt von Finkenwerder, einer Insel hinter den Deichen, deren Bewohner sich halb zu Hamburg, halb zu Niedersachsen gehörig zählen. Der Verwaltungsgliederung nach gehört Finkenwerder zum Bezirk Hamburg-Mitte. Goltz hatte sich zwei Autoren von dieser Insel ausgesucht und die maritimen Milieus skizziert, wie sie bei den Brüdern Gorch Fock und Rudolf Kinau dargestellt sind. Gorch Fock hieß eigentlich Johann Kinau und schrieb unter mehreren Pseudonymen, bevor er 1916 in der Seeschlacht am Skagerrak umkam.

Auf dem Rahmenprogramm des Wochenende stand neben kulturellen Darbietungen auch ein plattdeutscher Gottesdienst mit Pastor i. R. Wilfried Romberg.

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