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Ludwigsluster Tageblatt

19. August 2017 | 07:21 Uhr

Grabow : Delfine helfen der kleinen Maja

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Andrea und Sven Pohl aus Grabow wollen ihrer am Angelman-Syndrom leidenden Tochter eine zweite Therapie ermöglichen und bitten um Unterstützung.

Die kleine Maja sitzt in einem Schlauchboot im Wohnzimmer ihrer Eltern und spielt mit einem Ball. Sie ist lebhaft, lacht immer wieder, nimmt Schaufel und Eimer zur Hand, als ob sie am Strand spielen wollte. „Maja wird in der nächsten Woche sechs Jahre alt. Unsere Tochter hat das Angelman-Syndrom, eine seltene genetische Veränderung im Bereich des 15. Chromosoms. Charakteristisch für das Angelman-Syndrom sind eine starke Verzögerung der körperlichen und geistigen Entwicklung sowie das Ausbleiben der Sprache“, erzählt ihre Mutter, Andrea Pohl, die mit Ehemann Sven, Maja und dem kleinen Hannes (ein Jahr und drei Monate alt) in ihrem Haus in Grabow lebt.

Maja hat eine normale Lebenserwartung. Angelman-Kinder sind sehr fröhliche Menschen, was sie durch häufiges Lachen äußern. „Maja entwickelt sich nur zögerlich, hat aber einen starken Willen. Maja liebt die Bewegung im Wasser und ist sehr aktiv und quirlig“, so Mutti Andrea (35).

„Als Maja im Jahr 2008 geboren wurde, haben wir noch in Lübeck gewohnt. Wir waren vor zehn Jahren von Grabow in die Hansestadt gezogen, weil mein Mann dort die Chance auf Ausbildung und Studium hatte“, so die gelernte Arzthelferin im Gespräch mit der SVZ. „Nach eineinhalb Jahren haben wir gemerkt, dass Maja doch sehr entwicklungsverzögert ist. In der Uni-Klinik in Lübeck stellte man dann fest, dass sie am Angelman-Syndrom leidet“, erklärt Andrea Pohl. Eine Aussicht auf Heilung besteht bislang nicht. „Aber die Forschung ist dran“, so die junge Mutter, die hofft, dass die Ergebnisse nachfolgenden Generationen helfen können, besser mit dieser Art von Behinderung zu leben und umzugehen und den Allgemeinzustand zu verbessern.


Konzentration und freies Laufen verbessert

Um mehr über das Angelman-Syndrom zu erfahren, schloss sich die Familie Pohl dem gleichnamigen Verein an. So kommt sie mit Familien, die auch davon betroffen sind, in Kontakt, kann sich Rat und Hilfe holen und sich austauschen. „Als feststand, dass Maja das Angelman-Syndrom hat, habe ich meine Arbeit gekündigt, um für sie da zu sein. Maja braucht viele Therapien, die sehr intensiv und zeitaufwendig sind. Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie. Und wir haben von der Delfintherapie erfahren“, erläutert Andrea Pohl. „Dank unserer Familie, Bekannten, Firmen und der Andreas-Gärtner-Stiftung Berlin konnten wir im Oktober 2013 zu einer ersten Delfintherapie in die Türkei fahren. 14 Tage waren wir in Marmaris, ein tolles Team aus Therapeuten, Praktikanten, Trainern und natürlich den Delfinen erwartete uns. Delfin-Dame Daisy und Maja hatten sofort eine enge Bindung. Die Therapie war den Bedürfnissen und Fähigkeiten Majas angepasst.“

Zusätzlich zu den Übungen im Wasser gab es jeden Tag Physiotherapie. Während dieser Zeit wurde auch Majas kleiner Bruder Hannes mit einbezogen, der damals acht Monate alt war. „Nach der ersten Therapie ist die Bindung zwischen Maja und Hannes deutlich stärker geworden. Bei unserer Tochter konnten wir nach einiger Zeit zu Hause enorme Veränderungen feststellen. Ihre Konzentrationsfähigkeit und das freie Laufen sind deutlich besser geworden.“ Nun wollen die Pohls ihrer Tochter, die den integrative Kita „Birkenwäldchen“ besucht und ab Sommer in der Schule an der Bleiche in Ludwigslust sein wird, die Möglichkeit geben, an einer zweiten Delfintherapie teilzunehmen. Im vergangenen Jahr waren dafür rund 9000 Euro an Kosten auf die Familie Pohl zugekommen, allein 5500 Euro für die Delfintherapie. Im September könnte Maja nun noch einmal zur Delfintherapie fahren. Doch ohne finanzielle Hilfe kann die Familie die hohen Aufwendungen kaum tragen. Deshalb ist in Grabow eine Spendenaktion angelaufen, die nun auch Stephan Krischke vom Grabower Vodafone-Shop unterstützen will. Er ermuntert seine Kunden, einen Teil des Geldes, das sie über die TauschRausch-Aktion für ihr altes Handy oder Smartphone bekommen, in den Spendentopf zu stecken. „Ich weiß, vor welchen Schwierigkeiten Familien stehen, in denen Familienangehörige im Rollstuhl sitzen“, sagt Stephan Krischke. „Deshalb unterstütze ich die Aktion gern.“ Informieren können sich Interessierte an seinem Stand auf dem heutigen Lichterfest in Grabow, der in der Marktstraße aufgebaut wird. Bis Ende April will Stephan Krischke Spenden für Maja sammeln.

Andrea Pohl: „Wir würden uns freuen, wenn uns viele Menschen finanziell unterstützen könnten. Mit ihrem Engagement würden sie Maja die Gelegenheit geben, mit Delfinen in ihrem Element Wasser zu arbeiten und den nächsten Schritt zu machen.“

 

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erstellt am 03.Apr.2014 | 19:14 Uhr

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