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Ludwigsluster ist Unternehmer des Jahres : "Dass es bei uns ein wenig besser wird"

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Unternommen hat er schon immer gern etwas, angeeckt ist er allerdings oft. Dass Wolfgang-Reiner Hildesheim aus Ludwigslust am Sonnabend zum Unternehmer des Jahres gewählt wurde, war daher nicht unbedingt zu erwarten.

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erstellt am 26.Mär.2012 | 10:49 Uhr

Ludwigslust | Unternommen hat er schon immer gern etwas, angeeckt ist allerdings auch oft genug. Und dass er seinen ganz eigenen Kopf hat, das sagen ihm Freunde und Gegner gleichermaßen nach. Dass Wolfgang-Reiner Hildesheim nun zum Unternehmer des Jahres gewählt wurde, war daher nicht unbedingt zu erwarten. Sein eigener Unternehmerverband bezeichnet ihn als Querdenker, als einen Mann mit kaufmännischem Geschick. Er ist auch Ludwigsluster Regionalleiter seines Verbandes, Handelsrichter, stellvertretender Innungsobermeister.

"Wenn ich heute so über das Unternehmersein nachdenke, dann hat das für mich etwas mit Menschenwürde zu tun. Mit dem Recht, etwas zu tun, mit der Pflicht, dass man der Region, in der man lebt, etwas zurückgeben kann und dafür sorgt, dass es ein klein wenig besser wird. Dafür darf man sich auch für die vermeintlich kleinen Aufgaben nicht zu schade sein, sonst taugt man nicht für die größeren Herausforderungen."

Einmal ins Reden gekommen, philosophiert er gern, macht sich Sorgen über die Wirtschaft und glaubt doch an die Zukunft. Wie sonst könnte er nach so vielen Jahren doch noch den Neubau seines Autohauses in der Wöbbeliner Straße in Angriff nehmen, immerhin geht es um 1,3 Millionen Euro. Doch er hat Verantwortung für seine 40 Leute in Ludwigslust und Grabow, davon immerhin elf Lehrlinge. Und es ging längst nicht immer aufwärts nach der Wende, es gab und gibt immer wieder Rückschläge, die wehtun und Spuren hinterlassen haben.

Gutmütig wirkt der im Juni 1947 in Ludwigslust geborene Wolfgang-Reiner schon beim ersten Anblick, dieser Eindruck bleibt auch nach dem zweiten Moment bestehen. Unterschätzen sollte man ihn dennoch nicht, der Autohändler mit besonderem Geschick für Karosserien ist durchsetzungsfähig. Der Vater war Büchsenmacher, die Mutter arbeitete bei der Post, seine Schulzeit beschreibt der 64-Jährige als schwierig, er sei wohl ein sehr lebendiger Junge gewesen. Nach der Schule begann er beim damaligen Kraftfahrzeuginstandsetzungsbetrieb (KIB), holte sein Abitur nach und landete schließlich als Student der Kfz-Technik in Löbau und damit bei der Nationalen Volksarmee. "Anders ging es nicht mit dem Studium, man hat mich überredet, und schließlich wurde ich zur Bereitschaftspolizei delegiert." Doch die Sache ging nicht lange gut. Es wurde ihm alles zuviel, der "Genosse" Hildesheim spielte nicht mehr mit, schrieb zwei Entpflichtungsgesuche. Mit den entsprechenden Folgen: "Ich flog aus allem raus, war ein halbes Jahr arbeitslos, obwohl es das in der DDR offiziell gar nicht gab." Schließlich landete er bei Fritz Döscher im Ziegelwerk Malliß, mischte unter vorsintflutlichen Bedingungen Ton mit Quarzsand und kam schließlich zum Kreisbetrieb für Landtechnik. Nach vielen Stationen, immer wieder warf ihm die herrschende Klasse Knüppel zwischen die Beine, wurde er schließlich Oberfahrlehrer für Landmaschinenausbildung und Mobildrehkräne, bevor er wieder bei seinem Ausbildungsbetrieb KIB landete und dort, an allen Kaderbestimmungen vorbei, technischer Leiter wurde.

Gut verdrahtet war er immer, stets halfen ihm Freunde aus der Patsche, in die ihn seine "große Klappe" immer wieder brachte. Doch Hildesheim war auch schon immer mit einer guten Portion Schlitzohrigkeit ausgestattet.

Seinen Startpunkt als Unternehmer verdankte er eigentlich einem Zufall und einer Rede beim damaligen Rat des Kreises. Mehr als Scherz forderte er eine Gewerbegenehmigung, damit die Bevölkerung bei Kfz-Reparaturen endlich weniger Wartezeiten in Kauf nehmen müsse. Er bekam die Genehmigung tatsächlich. "Das Ganze war ja ein Scherz, deswegen fing ich ja auch am 1. April 1986 in meiner kleinen Garage als Karosserieinstandsetzer an. Nach zwei Tage hatte ich meinen ersten Auftrag, dann konnte ich mich nicht mehr retten." Woher die benötigten Teile nehmen? Diese Frage war enorm wichtig, und wieder halfen die "Beziehungen" und gute Freunde. Am Ende der DDR hatte er sieben Mitarbeiter, reparierte alle möglichen Kfz-Typen und kam auch gut an die heiß begehrten Teile heran.

Mit der Wende kam Volkswagen, auch das war ein Zufall und ging auf den Tipp eines Bekannten aus dem Westen zurück. "Meinen ersten Antrag an Volkswagen hatte ich noch ,mit sozialistischem Gruß’ unterschrieben. Das haben wir dann später korrigiert", schmunzelt Hildesheim noch heute. Er hätte auch Händler vieler anderer Marken werden können in dieser wilden Aufbruchszeit.

Der alte Betrieb war zu klein, es wurde neu gebaut, in seinem Wohngebiet, die Zahl der Beschäftigten stieg und stieg bis auf 70 Leute an. Dann gab es Rückschläge, auch in der Familie. Zugleich begann die Arbeit im Unternehmerverband, schon früh konnte Hildesheim sich gegen den Regionalvorsitz nicht wehren. Und als später die Hagenower Unternehmer durch die Kreisgebietsreform zwangsweise dazukamen, sorgte er für ein harmonisches Zusammenwachsen im neuen Kreis, der jetzt schon wieder der alte Landkreis ist.

Heute ist der Name Hildesheim fest mit VW, Audi und Skoda verbunden, gibt es neben dem Ludwigsluster Mutterhaus die Grabower Außenstelle. Derzeit wird neu gebaut, die neuen Zeiten würden das verlangen. "Wir sind an unserem alten Standort an Grenzen gekommen." Dennoch will er kein Null-acht-fünfzehn-Autohaus bauen, wie es schon so viele gibt.

Aufhören, mit 64? Kein Gedanke daran, obwohl sein Sohn Knut als Nachfolger im Unternehmen ist. Er will weiter etwas unternehmen, sich einmischen, will für seine Leute da sein. Die Auszeichnung als Unternehmer des Jahres wird er eher verlegen entgegennehmen. Genauso hat er bei seiner Nominierung reagiert. Bei allem Selbstbewusstsein, derartig im Rampenlicht zu stehen, ist dann doch nicht so ganz seine Sache. Das gilt auch für öffentliche Reden, die er lieber meidet.

Ludwigsluster wird Unternehmer des Jahres

Beim nunmehr zweiten Ball der Wirtschaft des Unternehmerverbandes Mecklenburg-Schwerin gab es am Sonnabend in der Mercedes-Niederlassung in Schwerin zwei Themen: die Kürung des Unternehmers des Jahres und die geplanten Kürzungen am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin. Es ist eine Protestveranstaltung der Unternehmer geplant. Treffpunkt: Heute um 16 Uhr Ecke Schmiedestraße Markt in Schwerin. Trotz der Sorge hatten die Unternehmer dennoch Grund zum Feiern – allen voran der Ludwigsluster Autohändler Wolfgang-Reiner Hildesheim. tiwe


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