Weiterhin viele Unfälle : Das Wild kommt nicht zur Ruhe

Mit Wild müssen Autofahrer zu jeder Jahreszeit rechnen.
Mit Wild müssen Autofahrer zu jeder Jahreszeit rechnen.

Jäger im Landkreis schießen zurück: Viele verschiedene Komponenten für Unfälle mit Rehen oder Schwarzkitteln verantwortlich

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08. Juni 2017, 05:00 Uhr

Das pikante Thema „Wildunfälle“ hatte den Landkreis Ludwigslust-Parchim in den vergangenen Monaten schon mehrfach in Atem gehalten. Zusammenstöße vor allem mit Rehwild waren in der jüngsten Vergangenheit merklich angestiegen. Auch unsere Zeitung vermeldet täglich Kollisionen zwischen Tieren und Fahrzeugen - heute allein acht.

Doch liegt das tatsächlich am extrem erhöhten Wildbestand? „Nein“, sagt Sven Drewke, Kreisjägermeister aus Karft. Natürlich sei das auch unter Jägern ein Thema und man wolle sich nicht den „Schwarzen Peter“ zuschieben lassen. Denn es sei wirklich kein explosionsartiger Anstieg beim Rehwild zu verzeichnen. „Das ist von Hegering zu Hegering nochmals unterschiedlich, aber wir bewegen uns noch immer auf Normalniveau“, so Drewke.

Vielmehr sehen die Waidleute das Problem ganzheitlicher. „Wann kommt denn das Wild überhaupt noch zur Ruhe?“, wirft Mario Handorf fragend in die Runde des Kreisjagdvorstandes, um dann gleich selbst zu antworten. Der stellvertretende Kreisjägermeister sieht viele verschiedene Komponenten, die zu den erhöhten Unfallzahlen führen, aber in einem Punkt erweckt er besondere Aufmerksamkeit. „Der Freizeitspaß in der Natur hat immens zugenommen. Heutzutage laufen auch in der Dämmerung noch Jogger durch den Wald oder irgendwelche Quads jagen über die Felder. Das muss man beachten. Unser Wild reagiert darauf“, so Handorf. „Und dass die Tiere nach Unfällen tot vor Motorhauben liegen, macht uns als Jäger am meisten betroffen. Wir wollen unseren Bestand ja schonend kontrollieren.“ Der Freizeitlärm sei allerdings nur einer von vielen Faktoren, warum das Wild sich immer mehr an die Straßenränder drängt. Leitplanken und Zäune führten oft nur zur Verschiebung des Wildwechsels. Das bedeutet, dass die Tiere sich neue Wege suchen und an anderer Stelle überfahren werden - so hart das auch klingen mag.

Ein weiterer Aspekt ist das Nahrungsangebot in Fahrbahnnähe. Zu verlockend sind die salzigen Halme, die es hier gäbe. Nach dem Winterstreudienst blieben viele Rückstände, die Wild geradezu anlocken würden.

„Machen wir uns nichts vor. Es ist von außen leicht alles auf den scheinbar zu hohen Wildbestand zu beschränken. Das ist nämlich definitiv falsch. Bei der hohen Mobilität der Bevölkerung sehe ich auch noch einen Ansatzpunkt. Es fahren deutlich mehr Autos“, sagt Mario Handorf und dreht den Spieß in gewisser Weise einfach um. Ein paar mehr Patronen im Gurt - oder genauer gesagt das Erhöhen der Abschusszahlen in den Hegeringen wären der falsche Ansatz. Vielmehr möchten die Mitglieder des Vorstandes noch mehr Wildprotektoren aufstellen lassen. Das sei jedoch nicht so leicht, weil alles mit den Straßenbauämtern abgestimmt werden müsse. In Nordwestmecklenburg wurden solche Protektoren sogar schon wieder demontiert, weil es angeblich „Stress“ mit den Behörden gab.

„Die Straßenbauverwaltung des Landes ist bemüht, durch verschiedene Maßnahmen die Zahl von Wildunfällen einzudämmen. Die wirksamste Maßnahme sind Wildschutzzäune, die entlang zwei Drittel aller Autobahnen und Kraftfahrstraßen Mecklenburg-Vorpommerns angebracht wurden“, schreibt Renate Gundlach, die Sprecherin des zuständigen Ministeriums für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung noch Anfang Mai.

Das Allheilmittel seien Zäune aus Sicht der Jäger im Kreis aber auch nicht, selbst wenn sie vorübergehend an einzelnen Streckenabschnitten für mehr Sicherheit sorgen.

Ein anderer Ansatz für die hohen Unfallzahlen vor allem im April: die Schonzeiten des Rehwildes. Einjährige Weibchen und männliche Tiere dürften erst ab dem 1. Mai erlegt werden. Die Jäger des Landkreises haben somit aus ihrer Sicht bei der erhöhten Unfallzahl mit Wild „keinen Bock geschossen“.

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