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Schnäppchen im Internet : Das Traktor-Drama aus Beckendorf

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Vorsicht vor Schnäppchen im Internet: Die Mecklenburger Günter Meyer und Lütz Jürgensen stießen auf ihrer Suche nach einer Zugmaschine auf ziemlich dubiose Angebote aus dem Ausland.

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erstellt am 17.Feb.2013 | 07:14 Uhr

Beckendorf | Um so verlockender ein Angebot im Internet ist, desto mehr Vorsicht ist geboten. Das ist die Botschaft einer Geschichte, in der zwei gute Bekannte ein Wechselbad der Gefühle erlebten. Es war ein Traktor-Drama, das zum Schluss doch noch ein Happy End findet.

Alles begann in Beckendorf, einem kleinen Ortsteil der Gemeinde Bengerstorf, einer Region, mit der es Mutter Natur besonders gut meint. In dieser Idylle lebt Günter Meyer. Der ist Rentner und betreibt auf etwa 20 Hektar Feldwirtschaft. Ihm bereitet diese Arbeit Freude, die sich außerdem wegen des kleinen Nebenverdienstes noch zusätzlich auszahlt.

Wenn sich die Gelegenheit ergibt, trifft er sich mit Lutz Jürgensen, einem guten alten Freund. Der ist selbstständiger Unternehmensberater, den es von Hamburg nach Leisterförde zog, nur wenige Kilometer von Beckendorf entfernt. Lutz Jürgensen hilft bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten deutschen Firmen, in Russland Fuß zu fassen. Da hat er schon viel erlebt, Erfreuliches, Skurriles und Ärgerliches. Doch die Sache mit dem Traktor für Günter Meyer würde alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen.

Als der ihm erzählte, dass er sehr gern eine so um die 80 bis 100 PS starke Zugmaschine für seine Landwirtschaft hätte, machten sich die Beiden im Internet auf die Suche. Nach kurzer Zeit, schlug das Herz des Freizeit-Bauern um einige Takte schneller. Auf dem Bildschirm des Laptop sah er einen Fendt, der nicht nur wie maßgeschneidert seinen Ansprüchen gerecht wurde, sondern auch noch unschlagbar günstig schien. Baujahr 2008, gelaufene 422 Stunden, knapp 100 Pferdestärken, und das alles für schlappe 14 275 Euro. Obendrauf gab es noch einen Frontlader, allein der wäre neu diesen Preis wert gewesen, meinte Günter Meyer, der sich in diesem Moment schon fast am Ziel seines Wunsches sah.

Die Ernüchterung folgte auf dem Fuß. Bei einem Anruf unter der angegebenen Nummer im niederländischen Enschede, glaubte der Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung, sich verhört zu haben. Wie er sagte, würden auf seinem Hof keine Trecker stehen, sondern nur Gabelstapler. Er dankte für das Gespräch. Es sei für ihn ein wichtiger Hinweis, da er vermutete, dass sich Hacker in die Web-Site seines renommierten Unternehmens geschlichen hätten und wollte der Sache, die ihm übrigens zum zweiten Mal passierte, unverzüglich nachgehen. Nach einer halben Stunde war diese Angebotsseite gelöscht. Kurz zuvor hatte sich der dubiose Anbieter des Traktors telefonisch gemeldet und mitgeteilt, dass sich der Interessent bei einem Rückruf zu detaillierten Absprachen unter dem Stichwort "Schlepper" melden solle. Sicher ist Schlepper eine für Traktor allgemein gebräuchliche Bezeichnung, doch andererseits heißt es auch: Vorsicht Falle: Nepper, Schlepper, Bauernfänger. Dachten sich die Beiden und brachen den Kontakt ab.

In der Hoffnung, dass die Welt nicht nur aus Betrügern besteht, starteten sie einen neuen Versuch und stießen auf ein noch besseres Angebot. Der Steckbrief: Fendt, Baujahr 2010, 110 PS, neue Reifen, vorne und hinten, 300 Stunden Laufzeit, 19 600 Euro. So eine Maschine kostet sonst bis zu 60 000 Euro, sagte Günter Meyer und sah sich mit genau diesem Fendt schon über sein Feld fahren. Doch häuften sich auch bei diesem Schnäppchen unbeantwortete Fragen. Die Skepsis stieg, als der Anbieter aus England statt der gewünschten Fahrzeugpapiere eine Kopie seines Personalausweises mailte. Der 58-jährige Mister G. V. aus Keith beantwortete auch nicht die Frage, ob er denn nun der Eigentümer des Traktors oder Bauer oder Händler sei. Er versprach stattdessen, sich um den Transport zu kümmern, und dass der Interessent die Zugmaschine bei Nichtgefallen unverzüglich und ohne Probleme mit dem gleichen Fahrzeug zurückschicken könne, mit dem sie gekommen sei.

Nur allzu gern hätte Günter Meyer zugeschlagen. Doch er entschied sich bitter enttäuscht gemeinsam mit Lutz Jürgensen, hier nicht weiterzumachen, sondern es vielmehr bei ihren ersten schlechten Erfahrungen zu belassen. Beide vermuten, dass nur 20 Prozent des normalen Marktpreises einfach ein Hintergrund der organisierten Kriminalität seien. Schließlich könnte es sich hierbei möglicherweise um Diebesgut handeln.

Günter Meyer kauft sich nun einen Traktor, von einem Landwirt, den er kennt und dem er vertraut.

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