Ludwigslust : „Das Leben kann beginnen“

Besfort Veliu (re.) kam 2005 nach Deutschland. Mit dem Fachabitur will er Wirtschaftswissenschaften studieren. Fotos:  Hennes (2)
Besfort Veliu (re.) kam 2005 nach Deutschland. Mit dem Fachabitur will er Wirtschaftswissenschaften studieren. Fotos: Hennes (2)

Fachgymnasium verabschiedet seine Abiturienten

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13. Juli 2014, 20:40 Uhr

Die Reden sind noch gar nicht gehalten, die Zeugnisse nicht verteilt, da kullern am Sonnabend in der Aula bei den Müttern schon die ersten Tränen. Als das Liedtheater „Live“ auf deutsch den ABBA-Song „Durch die Finger rinnt die Zeit“ singt, wird nach Taschentüchern gekramt. Und auch Lehrerin Sabine Buseke muss tief durchatmen, bevor sie zum letzten Mal am Rednerpult vor ihre Schüler tritt und sagt „Ihr seid mir alle ganz schön ans Herz gewachsen“.

Vor drei Jahren haben die Schüler hier mit den Eltern schon einmal gesessen und ihre Aufnahme gefeiert. Damals waren es noch 60, eine Hälfte lernte am Fachgymnasium Wirtschaft in Parchim, die andere in Ludwigslust. Besfort Veliu erinnert sich gut an die ersten Schultage. „Das war für uns alle eine große Umstellung“, sagt er. „Der Spagat zwischen mittlerer Reife und Hochschulreife wurde mir erst da so richtig bewusst.“ Sein Klassenkamerad Christian Neumann vergleicht die drei Jahre mit der Tour de France. „Zuerst die Flachetappe zur Orientierung, dann in der Zwölften die Bergetappe mit vielen Stürzen in Form von schlechten Noten und schließlich im 13. Schuljahr die Königsetappe mit oft schlechtem Wetter, was nichts anderes bedeutete als keine Lust zum Lernen.“

Schlussendlich haben 37 der 60 aufgenommenen Schüler das Abitur geschafft. Einige haben die Schule gleich am Anfang verlassen und sich doch lieber für die Ausbildung entschieden. Andere sind kurz vor dem Finale ausgestiegen oder an den Abschlussprüfungen gescheitert. Besfort Veliu hat durchgehalten. „Ich habe immer daran geglaubt, dass ich das Abitur schaffe“, sagt er. „Nur wegen der Noten war ich kurz vorm Verzweifeln.“ Mit seinem Durchschnitt 2,8 ist er aber durchaus zufrieden. „Ich hoffe, dass ich damit Wirtschaftswissenschaften studieren und später im Marketing arbeiten kann.“ Viele wollen gleich studieren. In Rostock, Paderborn oder Bochum. Mitte August ist Bewerbungsschluss. Spätestens im Oktober wissen die Schüler, ob sie angenommen sind.

„Das Leben kann beginnen“ - sagt Klassenlehrerin Sabine Buseke gleich am Anfang ihrer Abschiedsrede. Für jeden auf seine Art. Sophie Loulou hat genug von Schule. Sie wird im September eine Ausbildung beginnen. „Ich habe keinen Bock auf Lernen“, sagt sie. Ein Beruf sei ihr wichtig. „Studieren kann ich später immer noch.“

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