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Ludwigsluster Tageblatt

19. November 2017 | 16:48 Uhr

Ludwigslust : Das Leben danach

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Dokumentarfilm „Wir sind Juden aus Breslau“ erzählt die Geschichte von 14 Holocaust-Überlebenden

Sie lebten als Jugendliche in Breslau, der Stadt mit der damals drittgrößten jüdischen Gemeinde Deutschlands. Sie waren jung und hatten ihr Leben noch vor sich. Doch dann kam Hitler an die Macht. Die Geschichte von 14 Überlebenden, darunter drei Geschwisterpaare, und ihr Leben nach dem Holocaust erzählt der Dokumentarfilm „Wir sind Juden aus Breslau“. Zur Premiere in Ludwigslust kam auch Regisseurin Karin Kaper und tauschte sich mit den begeisterten Kinobesuchern aus.

Als der knapp zweistündige Film zu Ende ist, ist es im Kinosaal des Luna-Filmtheaters zunächst ganz still. „Vielen Dank für diesen Film“, ruft eine Zuschauerin begeistert, als Karin Kaper vor das Publikum tritt. Die 57-jährige Schauspielerin und Regisseurin hat gemeinsam mit ihrem Partner Dirk Szuszies knapp ein Jahr lang Menschen begleitet, die in den 1920-er Jahren in Breslau geboren sind und das Nazi-Regime überlebt haben. Dabei führten ihre Reisen sie nach New York, Washington, Boston, Israel, London, Breslau, Südfrankreich und Erfurt.

So unterschiedlich die heutigen Wohnorte sind, so unterschiedlich erlebte das Regie-Duo auch ihre Protagonisten. „Sie sind religiös und politisch verschieden eingestellt, sie haben ganz verschiedene Ansichten über ihre Vergangenheit. Es gibt den Bauern, die Cellistin und den Wissenschaftler“, so Karin Kaper. Gemein ist jedoch allen, dass sie die letzte Generation der Überlebenden sind. Ein Teil des Film ist deshalb auch die Begegnung einiger Protagonisten mit einer deutsch-polnischen Jugendgruppe im Rahmen eines Workshops.

Was nach dem Holocaust und der Flucht aus Breslau kam, ist für Karin Kaper ein wichtiger Teil der Geschichte. Wo andere Dokumentationen enden, beginnt diese erst. „Wir wollten nicht nur zeigen, was diese Menschen durchmachen mussten. Sondern zeigen, dass sie überlebt haben und wie ihre Leben weitergegangen sind“, erklärt Karin Kaper.

Auch Marion Löning, Schulleiterin der Edith-Stein-Schule in Ludwigslust, zeigte sich begeistert von dem Film. „Es ist toll, wie akribisch die Leben der Protagonisten nachverfolgt wurden. Sehr empfehlenswert.“ Besonderes Interesse weckte der Film bei ihr außerdem, da auch ihr eigener Großvater und die Namensgeberin der Schule in Breslau geboren wurden.

Bevor sich Regisseurin Karin Kaper wieder auf den Weg nach Berlin machte, blieb noch viel Zeit für Gespräche mit den Kinobesuchern. „Denn es ist wichtig, sich über dieses Thema auszutauschen und es vor allem weiterzutragen.“

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