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Ludwigsluster Tageblatt

22. August 2017 | 18:41 Uhr

Gresse : „Das ist Raubbau an der Natur“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Eichenfällung in der Alten Salzstraße: Dirk Kiewald ist empört über „Nacht- und Nebelaktion“, bei der dreißig Eichen in der Allee verschwanden

Die Motorengeräusche aus Richtung Eichenallee hatten Dirk Kiewald stutzig gemacht. Als er einen Tag später hinfährt und nachschaut, traut er seinen Augen nicht: Fast 30 Eichen sind in der geschützten Allee, die zur „Alten Salzstraße“ gehört, gefällt worden. Nur noch die Stumpen ragen vereinzelt zwischen den anderen Eichen rechts und links aus dem Schnee. „Das darf doch wohl nicht wahr sein“, sagt Kiewald. „Hier hat jemand in einer Nacht- und Nebelaktion massiv Raubbau an der Natur betrieben.“ Kiewald kennt die Allee gut. Der Landwirt arbeitet auf dem angrenzenden Trakehner Hof. „Unser Pferdesportverein macht hier regelmäßig Arbeitseinsätze. Wir pflegen die Bäume und sammeln Unrat.“ Um so zorniger ist er über die Fällaktion. Keine 24 Stunden muss es gedauert haben, da waren die Eichen nicht nur gefällt, sondern auch zerlegt und abtransportiert. Wer auch immer das getan hat - er muss sich gut auskennen in dem Gelände. Denn die Traktoren nehmen nach dem Fällen nicht den direkten Weg zurück ins Dorf, sondern fahren hinten durch den Wald und die Feldmark.

Kiewald ruft am Montag sofort bei der Unteren Naturschutzbehörde im Landkreis an. Der zuständige Sachbearbeiter kommt raus. Nach einem Vor-Ort-Termin erfährt Kiewald auf Nachfrage beim Landkreis, dass ein Bußgeldverfahren eingeleitet wird. Gegen wen - bleibt unbekannt.

Gegenüber unserer Zeitung hält sich der Landkreis bedeckt. Der zuständige Sachbearbeiter will sich dazu nicht äußern. Seine von der SVZ angeforderte schriftliche Stellungnahme zu der Fällaktion in Heidekrug befasst sich auch nicht mit den Eichen, sondern mit 52 Pappeln, die auf dem Gresser Schulgelände gefällt werden sollen.

Auch der Gresser Bürgermeister Werner Hornbacher reagiert auf die Neuigkeit über die Eichenallee einsilbig. „Ich arbeite hier nur ehrenamtlich“, sagt er und verweist an das Amt Boizenburg-Land. Dort habe man die Fällung auf dem gemeindeeigenen Gelände genehmigt, so Hornbacher. Seines Wissens allerdings von nur zwei Bäumen. Mitarbeiter des Ordnungsamtes hätten die Bäume rot markiert und mit einem Landwirt aus der Nachbarschaft die Fällung vereinbart. Öko-Bauer Dirk Homberger bestätigt, damit beauftragt worden zu sein. Er spricht schon von „vier markierten Bäumen“. „Dabei handelt es sich ausschließlich um Totholz oder Bäume, die durch Blitzschlag stark geschädigt waren“, sagte Homberger gestern gegenüber SVZ. Er habe sich an die Abmachung gehalten und nur besagte markierte Bäume geschlagen. Warum im selben Zeitraum 25 andere gesunde, zum Teil 130 Jahre alte Eichen gefällt wurden - dazu konnte und wollte er sich gestern nicht äußern. Das Ordnungsamt Boizenburg-Land habe ihm aber inzwischen mitgeteilt, von jeder weiteren Fällung in der Allee abzusehen. Auch die Bäume mit den roten Kreuzen am Anfang der Allee sollen jetzt stehen bleiben.

Landwirt Dirk Kiewald indes will jetzt selbst aktiv werden. „So ein Verhalten darf nicht vertuscht werden und ungesühnt bleiben“, sagte er gestern. „Wer die Natur liebt und die Kraft und Schönheit der Eichen sieht, der pflegt sie.“ Oft fährt Kiewald durch die Allee, um hinaus in die Feldmark zu kommen. Er sieht hier im Herbst die Stare über den Eichenkronen und im Frühling die Tauben nisten. „Für Raubritter, die so etwas zerstören, habe ich kein Verständnis.“ Kiewald überlegt, selbst Anzeige wegen Verstoßes gegen das Alleengesetz zu erstatten. Seine Vorwürfe gehen sogar noch weiter: Er kennt Zeugen, die gesehen haben wollen, wie frisch geschlagenes Eichenholz aus der öffentlichen Allee schon am Sonntagnachmittag auf einem Grundstück in Heidekrug abgelegt worden war. Kiewald: „Das wäre kriminell und sollte mit allem Nachdruck aufgeklärt werden.“

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erstellt am 25.Jan.2014 | 09:20 Uhr

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