Ludwigslust : Das Herz an die Eisenbahn verloren

Die Gäste der Ausstellung begutachten das Ludwigsluster Bahnhofsgelände in Miniatur.
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Die Gäste der Ausstellung begutachten das Ludwigsluster Bahnhofsgelände in Miniatur.

Rüdiger Kircher begeistert sich für Dampfloks und andere Züge – in Klein und in Groß / Eisenbahnausstellung zeigt einen Teil Geschichte

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10. Dezember 2013, 07:00 Uhr

Wenn sich eine Dampflok zischend und schnaufend in Bewegung setzt, ist Rüdiger Kircher jedes Mal aufs Neue fasziniert. „Eine Dampflok kann man anfassen, man kann sie riechen und spüren. Man sieht, wie die Kraft übertragen wird“, erklärt der 47-Jährige, warum es ihn immer wieder zu den Kolossen aus Stahl zieht. Er ist dabei, wenn Züge bei Sonderfahrten durchs Land schnaufen und schwingt auch schon mal die Heizerschaufel bei einer Mitfahrt im Führerstand einer Dampflok. Den größten Teil seiner Freizeit verbringt er allerdings mit viel kleineren Dingen, die jedoch auf die selbe Faszination zurückgehen. Rüdiger Kircher ist Modelleisenbahner. Auf der Eisenbahnausstellung in Ludwigslust war er am Wochenende mit der Bahnstrecke von Neustadt-Glewe nach Ludwigslust dabei, die er erst vor ein paar Jahren übernommen hatte. Zuvor war er lange, lange Zeit ein begeisterter Modelleisenbahner ohne Anlage. Doch das hat sich inzwischen geändert.

Die Eisenbahn hat Rüdiger Kircher schon von Kindesbeinen an fasziniert. Wenn er seinen Onkel in Ludwigslust besuchte, stand er stundenlang im Garten und beobachtete die vorbeifahrenden Züge. „Als ich etwa in der dritten Klasse war, bekam ich dann von meinen Eltern eine Modelleisenbahn geschenkt, die ich erst einmal auf dem Teppich aufgebaut habe“, erinnert sich der 47-Jährige zurück. Als er dann aber alt genug zum Motorradfahren war, ließ das Interesse an der Miniatureisenbahn nach – aber nicht lange. Mit dem Abschied vom Motorrad lebte die Modelleisenbahn als Hobby wieder auf. Und obwohl er gar keine Anlage hatte, kaufte der Familienvater eine Lokomotive nach der anderen, erwarb Waggons und bastelte herum. „Bei manchen Sachen muss man einfach zuschlagen, weil es sie später nicht mehr geben wird“, erklärt Rüdiger Kircher und zeigt einen Personenwagen mit der Aufschrift „Wittenberge – Dannenberg – Lüneburg“. „Auf dieser Strecke kann man längst nicht mehr fahren.“

In der Runde der „Freunde der Eisenbahn Ludwigslust“, mit denen sich Rüdiger Kircher regelmäßig trifft, wurde ihm dann der Bahnabschnitt von Neustadt-Glewe nach Ludwigslust angeboten. In seiner Garage hat er die Anlage wieder aufgearbeitet und dann auf der Ludwigsluster Schau betrieben. Und so ganz nebenbei hat er bei dieser Arbeit für seine eigene Modelleisenbahn geübt, die dann endlich ins Haus kommen sollte, genau genommen auf dessen ausgebauten Dachboden. 40 Meter dreigleisige Hauptstrecke, ein acht Meter langer Bahnhof, 40 Weichen und Signale – jede Menge Arbeit, die Rüdiger Kircher jedoch keine Last ist. „Für mich ist das Entspannung.“ Modellbahnbau sei zudem immer wieder eine Herausforderung, bis eine Steuerung wie geplant funktioniert. Wenn er sich an seine Anlage setzt, möchte er Zeit dafür haben, viel Zeit. Deshalb frage er in der Familie vorher nach, ob er einen Eisenbahn-Sonnabend einlegen kann. „Und dann sitze ich von morgens bis abends auf dem Dachboden“, so Kircher. Allerdings nur von Frühjahr bis Herbst. Im Winter wäre es zu kalt. Aber da gibt es ja genug an Loks und Wagen zu werkeln und auch noch die Eisenbahnausstellung in Ludwigslust.

Die war 2001 anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Stadt auf Anregung von Wirtschaftsförderer Henrik Wegner entstanden. Den Grundstock für das heutige Gleissystem legten Jochen Luckmann und Sohn Christopher. Sie bauten den Ludwigsluster Bahnhof nach. „Die Anlage sollte die Geschichte der Eisenbahn in Ludwigslust zeigen“, erklärt Jochen Luckmann. Akribisch baute vor allem der Junior alle Gebäude, Stellwerke und Brücken nach. „Ohne ihn hätten wir das gar nicht gemacht“, so der Vater. Für das Schienennetz konnten sie einen alten Gleisplan aus der Zeit um 1900 nutzen, den Jochen Luckmann in den Sachen seines Großvaters gefunden hatte. „Er hatte bei der Bahn gearbeitet.“

Inzwischen widerspiegelt der Ludwigsluster Teil der Anlage noch viel mehr Geschichte als vor zwölf Jahren. Denn viele Gebäude und Brücken – wie etwa jene an der ehemaligen Bahnstrecke nach Dömitz – gibt es nun auch nicht mehr.


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