Ludwigslust : „Das habe ich alles überlebt“

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Entertainerin Tatjana Meissner begeisterte erneut das Publikum in der ausverkauften Ludwigsluster Stadthalle

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10. März 2014, 11:31 Uhr

Ganz in der Farbe der Liebe gekleidet, verbal feministisch polarisierend und mit einem aufreizenden Sexappeal, so zog Tatjana Meissner am Sonntagabend ihr Publikum in der lange zuvor ausverkauften Ludwigsluster Stadthalle in ihren Bann. Das fast ausschließlich weibliche Publikum amüsierte sich köstlich. Die wenigen Männer taten besser daran, in den Frauenreihen abzutauchen, um von dort Lob und Tadel im Verlauf der Comedyshow auszuhalten. Höhepunkt des Showabends war der Tanzauftritt der Alleinunterhalterin nach der Pause. Mit ihrem Lied „Das habe ich alles überlebt“, einer Hommage an ihre Jugendjahre in der DDR, „rockte“ sie die Stadthalle. Die Menge stimmte in den Refrain mit ein, jubelte, feierte die Meissner.

Die Entertainerin betrat als Vollblutweib mit einem Trommelwirbel die Bühne der Stadthalle, um sofort ihr zentrales Thema an die Frau und den Mann zu bringen: das Älterwerden. Schritt zwei war die Suche nach männlichen Opfern, die sie in „Jörni“ und „Dirki“ fand. Dann angelte sie sich das Publikum mit „kleinen Ferkeleien“, wie sie selbst betonte.

Tatjana Meissner setzt für ihren Erfolg auf der Bühne darauf, „dass Frauen wie Männer in Sachen Altern, Sex und Selbsteinschätzung stets gern auf einem Auge blind sind“. Sie lag damit goldrichtig, wie schon bei ihrer Lesung in der Stadthalle im Mai des vergangenen Jahres. Ein dritter Auftritt in Ludwigslust war beim Publikum dann auch nicht die Frage, die lautete nach zwei Stunden knackiger Comedy nur: Wann?

Ihrem Erfolgsrezept ist die Kabarettistin, Autorin und Moderatorin nach drei Büchern, vielen Lesungen, regelmäßigen öffentlichen TV-Auftritten und eigenen Shows stets treu geblieben. Das Altern geht eben alle an, Frauen in der sogenannten Mitlife-Krise und Männer in den Wechseljahren. Die Potsdamerin setzt bei ihrer Show gezielt auf überzogene Darstellungen von Wahrnehmungsstörungen, Vergesslichkeit und Wunschdenken.

Die Ursachen allen Übels, so eine der besonders von spontanem Applaus begleiteten Pointen, beginnt stets im frühen Alter. Bei ihr war es eben die Schwere der Kindheit und eine freudlose Jugend als Lehrerkind. Die Pointe saß, der Applaus war ihr sicher. Das erfolgreichste Mittel in ihrer Show am Sonntag war die gekonnt präsentierte Selbstironie. Wobei die Meissner nie ihr Alter verrät.

Die Entertainerin erzählte, sang und tanzte, zeigte immer wieder den erbittert geführten Kampf der einst attraktiven und begehrenswerten Femme Fatale gegen Cellulites, Bauchspeck und Hitzewallungen auf. Sie stellte unter dem Applaus des Publikums fest, dass letztlich alle kosmetisch-chirurgischen Hautstraffungen bei Frauen und der Bedarf von potenzsteigernden Mitteln bei Männern nicht von Erfolg gekrönt sein können, weil Sie und Er mit zunehmendem Alter vergessen, wozu das alles dienen soll. Letztlich ist deshalb auch der Sex im Alter keine Quantitäts-, sondern eine Qualitätsangelegenheit. Und immer wieder ließ Tatjana Meissner ein plastisches Beispiel folgen. So verriet ihr der Blick in den Spiegel, dass sie Ähnlichkeit mit einem Kastenbrot auf Streichholzbeinen hätte. Es interessierte dabei niemanden im Saal, dass sie von einer gertenschlanken Frau unterhalten wurden.

Was wohl in keiner ihrer Comedyshows fehlt, sind die Geschichtchen mit ihrer Mutter. Die Mutter als Ratgeberin schlechthin, schonungslos offen, stets mit der nötigen Prise Mitleid, aber immer humoresk, das ist das Salz in der Meissner-Comedysuppe, die vom Ludwigsluster Publikum gern genossen wurde. Was ebenfalls nicht fehlte und vom weiblichen Publikum mit Extraapplaus honoriert wurde, waren die Betrachtungen von Tatjana Meissner über die Leiden der Männer.

Fast schon frenetischen Zuspruch erhielt sie, als sie das 2011 komponierte Lied „Männer sind als Märtyrer geboren“ sang. Sie rückt damit die Leidensfähigkeit des starken Geschlechts ins besondere Licht, selbstverständlich aus Sicht einer Frau und mit dem satirisch zu nehmenden Fazit: „Ein krankes Pferd erschießt man ja auch aus Gnade.“


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