ludwigslust : Das Gute aus der Apfelbeere

Die Sträucher in der Plantage am Rennbahnweg sind noch sehr klein, aber Minister Till Backhaus (2.v.r.) und die Projektpartner verbinden große Hoffnungen mit den Wildobstarten.
Foto:
Die Sträucher in der Plantage am Rennbahnweg sind noch sehr klein, aber Minister Till Backhaus (2.v.r.) und die Projektpartner verbinden große Hoffnungen mit den Wildobstarten.

Knapp eine Million Euro aus neuem EU-Programm für Projekt zu Anbau und Vermarktung von Wildfrüchten / Pflanzen wachsen in Ludwigslust

von
29. Juni 2016, 07:00 Uhr

Kleine Pflanzen, große Hoffnungen: In einer Plantage der Sanddorn Storchennest GmbH Ludwigslust wachsen neuerdings Sträucher einiger heimischer Wildobstarten. Der Versuchsanbau an der Rennbahnallee ist Teil eines Projektes, das zeigen soll, ob Fruchtrose, Apfelbeere und Scheinquitte in unseren Breiten gedeihen und rentabel verarbeitet und vermarktet werden können. Gestern Nachmittag übergab Landwirtschaftsminister Till Backhaus den Fördermittelbescheid für das Projekt an Berthold Majerus, Geschäftsführer der LMS Agrarberatung GmbH. Insgesamt 982 000 Euro fließen aus dem neuen EU-Programm „Europäische Innovationspartnerschaft Produktivität und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft“ (EIP-AGRI) an die vier Projektpartner. Darin enthalten  ein 25-prozentiger Anteil des Landes.

Ziel der Förderung ist es, Innovationen schneller in die landwirtschaftliche Praxis zu überführen. Das Besondere daran: „Eine erfolgreiche Umsetzung ist keinesfalls sicher“, so Till Backhaus. „Die Projektpartner haben deshalb jederzeit die Möglichkeit, einen Teil des Vorhabens oder auch das gesamte Projekt zu beenden.“ Im Gegenzug seien sie aber auch verpflichtet, Erkenntnisse aus dem Projekt zu veröffentlichen und sich in ein europaweites Netzwerk einzubringen. „Die Wildfrüchte werden immer ein Nischenprodukt sein, könnten aber für den einen oder anderen Gartenbaubetrieb eine auskömmliche Nische sein“, so Dr. Rolf Hornig von der LMS Agrarberatung, der bei der Projektentwicklung federführend war. Silvia Hinrichs, Geschäftsführerin der Sanddorn Storchennest GmbH, verbindet mit dem Projekt die Chance auf ein zweites Standbein. „Dann könnten wir Ernteausfälle beim Sanddorn besser ausgleichen.“

Auch dem Sanddorn selbst widmet sich das Projekt. „Wir wollen unterschiedliche Ernte- und Pflegeschnitte ausprobieren“, erklärt Frank Spaethe, Abteilungsleiter bei Sanddorn Storchennest. „Gibt es zum Beispiel Unterschiede bei Ertrag und Pflanzenentwicklung in Abhängigkeit davon, ob wir die Pflanzen komplett runterschneiden oder nur zum Teil?“

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Hochschule Neubrandenburg. „Wir werden die Früchte und andere Pflanzenteile auf ihren Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen und ihre Struktur hin untersuchen“, sagt Peter Meurer vom Fachbereich Lebensmittel- und Agrarwissenschaften. „Und wir probieren aus, welchen Einfluss bestimmte technologische Verfahren auf die gesundheitlich relevanten Inhaltsstoffe haben.“ Bis zu den ersten Ergebnissen müssen sich die Beteiligten eine Weile gedulden. Die erste Ernte in der rund 7000 Quadratmeter großen Plantage ist erst für 2017 geplant. Um Marktanalyse und Vermarktung kümmert sich die Baltic Consulting GmbH aus Stäbelow.

Das Projekt „Wildfrüchte“ ist eines von neun Projekten, die landesweit über das neue Innovationsprogramm der Europäischen Union gefördert werden. Insgesamt stehen dafür 5,3 Millionen Euro bereit. Die Ludwigsluster waren nicht zufällig als Projektpartner ausgesucht worden. „Die Sanddorn Storchennest GmbH ist mit rund 120 Hektar Sanddornplantagen der bundesweit größte Anbieter“, betont Till Backhaus. In der Region wird schon seit 1980 die kleine orange Frucht angebaut, die mehr Vitamin C enthält als Zitronen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen