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Ludwigsluster Tageblatt

13. Dezember 2017 | 12:28 Uhr

ludwigslust : Das Getreide wird jetzt notreif

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Harald Elgeti vom Bauernverband: Pflanzen, Tiere und Menschen leiden unter Hitze / Milchpreis bleibt im Keller

Pflanzen, Tiere und Menschen leiden unter der extremen Hitze der vergangenen Tage. Dieter Hirschmann von der SVZ sprach mit Harald Elgeti, Geschäftsführer des Bauernverbandes Ludwigslust, über die aktuelle Situation in den landwirtschaftlichen Unternehmen.

SVZ: Wie ist die Situation vor Ort?

Harald Elgeti: Das gesamte zweite Quartal war zu trocken, der Niederschlag fehlt einfach. Das Getreide wird jetzt notreif, der Ertrag kommt nicht, der Raps sieht schrecklich aus, und auch die Maispflanzen haben sehr gelitten. Das Grünland auf den leichten Standorten ist braun.

Können Sie eine Ernteprognose wagen?

Harald Elgeti: Wir gehen davon aus, dass wir in diesem Jahr eine schlechte Ernte haben werden, aufgrund der Hitzeschäden. In der Vergangenheit war es so: Wenn der Milchpreis etwas besser war, konnte eine schwächere Getreideernte kompensiert werden oder umgekehrt. Im Moment sieht es aber so aus, als ob beides ganz schlecht wird.

Wie ist die Entwicklung des Milchpreises?

Harald Elgeti: Was die Preisentwicklung betrifft, gibt es überhaupt keinen Silberstreif am Horizont.

Und es deutet auch nichts darauf hin, dass sich der Preis vielleicht zum Herbst hin verbessern wird. Hinzu kommt, dass die Ernte auch nicht gut wird.

Nun gab es in den vergangenen Tagen Regen. Hat der Einfluss auf die Entwicklung der Pflanzen?

Harald Elgeti: Die Regenmengen sind lokal sehr unterschiedlich. Und wo das Unwetter, wie in der Region Lübtheen wütete, liegt das Getreide platt. Das bringt Schwierigkeiten bei der Ernte, die Pflanzen stehen jetzt nicht mehr auf. Unter ganz schlechten Bedingungen kann es sogar auswachsen, weil die Körner keimen. Da, wo die richtigen Regenmengen gekommen sind, ist das sicher hilfreich für das Grünland und für den Mais. Für das Getreide ist das Thema bereits durch, es wird notreif, der Ertrag und die Qualität kommen nicht.

Bei Roggen und Weizen besteht ja immer noch die Möglichkeit, dass es Brotgetreide wird und der Produzent einen besseren Preis dafür erhält.

Und wie sieht es gegenwärtig mit der Milchleistung der Kühe aus?

Harald Elgeti: Natürlich gibt es Landwirte, die ihre Kühe tagsüber auf der Weide stehen lassen. Wenn die Kühe aus dem Stall rausgetrieben sind, warten sie am Tor, damit sie wieder rein können. Die Hitze macht den Tieren eben zu schaffen und frisches Gras gibt es gegenwärtig nicht auf der Weide.

Gibt es schon Betriebe, bei denen die Getreidemahd begonnen hat?

Harald Elgeti: Einzelne Betriebe haben am vergangenen Freitag und Sonnabend mit der Gerstenernte angefangen, durch die Niederschläge ist die Mahd wieder unterbrochen worden. Insbesondere auf den leichteren Standorten ist die Gerste reif.

Wie sieht es mit der Beregnung aus, die ja bei dieser Hitze eine Ertragssteigerung bringt?

Harald Elgeti: Die Landwirte, die Kartoffeln anbauen, müssen einfach beregnen, weil sonst die Kartoffeln so klein werden. Die Betriebe, die teilweise noch Wasserrechte haben und in die Beregnung investiert haben, können jetzt natürlich auch das Getreide beregnen. Das kostet alles Geld, aber die Ertragsausfälle sind dann nicht so hoch. Das Unternehmen in Melkof hat einen Großteil der Flächen unter der Beregnung, auch der Landwirtschaftsbetrieb in Nostorf. Im Bereich Kogel, bei der Agrar GmbH Schaaletal, wird beregnet, auch im Ludwigsluster Bereich in Göhlen, Grebs, um nur einige Betriebe zu nennen.

Wieso ist der Milchpreis jetzt so im Keller?

Harald Elgeti: Weil wir am Markt ein Ungleichgewicht haben. Ganz am Ende stehen die Landwirte, die das bekommen, was übrig bleibt.

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