Polizei Stolpe : Das Blitzerfoto überholt den schnellen Brummi

Bitte ranfahren: Polizeihauptmeister Dirk Braukmeier weist einen Brummi-Fahrer ein. Fotos: Michael-Günther Bölsche
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Bitte ranfahren: Polizeihauptmeister Dirk Braukmeier weist einen Brummi-Fahrer ein. Fotos: Michael-Günther Bölsche

Sichere Straßen zur Urlaubszeit: Autobahnverkehrspolizeirevier Stolpe mit neuer Messtechnik unterwegs

Den Blitzer sieht keiner. Direkt am Ortsausgang Parchim Richtung Spornitz steht die Messanlage im Gebüsch an der B 191. Die Profis vom Autobahnverkehrspolizeirevier Stolpe wissen eben, wo der Bleifuß der Kraftfahrer das Gaspedal aufs Bodenblech drückt. Schwerpunkt der Kontrolle ab 6 Uhr an diesem Tag ist der Güterverkehr.

Denn auf Bundesstraßen dürfen Brummis ab 7,5 Tonnen Gesamtgewicht nur mit Tempo 60 unterwegs sein. Haben sie mehr auf dem Tacho, ist das mit dem Fahrtenschreiber nicht immer örtlich exakt zuzuordnen, wenn die Kraftfahrer z.B. anschließend auf die Autobahn fahren, hier sind 80 km/h erlaubt.

Mit neuer Technik der Autobahnpolizei-Spezialisten haben Ausreden jetzt keine Chance mehr. Polizeihauptkommissar Nico Blank leitet an diesem Tag die Kontrolle. Er steht bei Spornitz, hält einen kleinen Tablet-PC in der Hand. Im Funkgerät schnarrt es: „MAN grün, Hängerzug.“ Das war die Besatzung der Kontrollstelle hinter Parchim. In Spornitz sieht Nico Blank auf seinem Bildschirm bereits das Blitzerfoto. „Das kommt verschlüsselt übers Handynetz“, erklärt der Polizeihauptkommissar, „damit gibt es keine Möglichkeit sich herauszureden.“ Übrigens auch nicht für Pkw-Fahrer, wie sich später zeigen wird. Der Fahrer des geblitzten 40-Tonners ist 75 km/h schnell. Bei Spornitz sieht er Polizeihauptmeister Torsten Scholz in gelber Warnweste die Kelle schwingen. Der Lastzug fährt in die Kontrollstelle ein, Polizeihauptmeister Klaus Ehlert grüßt den Fahrer. Keine Spur von Aufregung, die Autobahnpolizisten sprechen die Sprache der Berufskraftfahrer. Ehlert steigt ins Fahrerhaus, lädt mit einem USB-Stick die Daten des Fahrtenschreibers herunter, um Geschwindigkeiten und Lenkzeiten zu überprüfen: „Das dauert 5 bis 20 Minuten, bei älteren Geräten auch eine Stunde.“ Am Ende zahlt der Brummi-Kapitän 25 Euro, das schnelle Blitzerfoto hat ihn überzeugt.

Zwischenzeitlich rumpelt ein alter Volvo-Truck ohne Aufbau heran. Der junge polnische Fahrer war ebenfalls zu schnell. Wo will der Mann mit dem museumsreifen Lkw hin? „Hamburger Hafen. Der geht nach Afrika“, erzählt der Fahrer. Jetzt hat der Blitzer auch einen Pkw-Fahrer aufs Bild gebannt. Scheinbar clever hat der Mittvierziger am Steuer sein Navigationsgerät so an die Frontscheibe geklebt, dass es sein Gesicht verdeckt. Ein später ausgewertetes Foto hätte kaum Beweiskraft. Die direkte Konfrontation mit dem aktuellen Bild überzeugt den murrenden Raser schon eher.

Jetzt rollt ein Container-Sattelzug aus Warschau auf die Kontrollstelle. Nagelneu, technisch guter Zustand, aber 8 km/h zu schnell. Der Fahrer bleibt freundlich, ist etwas aufgeregt, hat aber alle Frachtpapiere griffbereit, auch die notwendige Lizenz für den Güterverkehr. „Geld weg“, lächelt er und zückt 15 Euro.

Die erfahrenen Stolper Beamten haben ein geschultes Auge, was den Zustand der Lastwagen betrifft – abgefahrene Reifen, verrostete Rahmen und mehr sehen sie fast täglich. Ein Sattelzug war nicht zu schnell unterwegs. Trotzdem kontrolliert Nico Blank. Kraftfahrer Benny Mißbach hat allen Grund, gelassen zu bleiben. Sein für Rostock bestimmtes tonnenschweres Krangewicht ist bombensicher festgezurrt, da kann nichts verrutschen: „Was meinen Sie, wenn die Ladung nicht gesichert wäre und ich muss scharf bremsen?“

Die Kontrollen haben ihren guten Grund. Es geht nicht darum, die ohnehin unter Zeitdruck fahrenden Brummi-Kapitäne zu schikanieren. Polizeihauptkommissar Nico Blank: „Unser Ziel ist es, die richtigen zu erwischen.“ Wenn das gelingt, kommen alle besser auf den zur Urlaubszeit dicht gedrängten Straßen ans Ziel, nicht zuletzt die Berufskraftfahrer. Die Bilanz der ersten zwei Stunden: Von 500 gemessenen Fahrzeuge waren 34 zu schnell.

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