Techentin bei Ludwigslust : Dankbar für ein normales Leben

„Ritter“ Hannes mit seinen Eltern Nicol Manthey und Matthias Zeuch.
„Ritter“ Hannes mit seinen Eltern Nicol Manthey und Matthias Zeuch.

Der sechsjährige Hannes Manthey aus Techentin hat Diabetes I und erlebt ein Musterbeispiel von Inklusion im Montessori-Kinderhaus

svz.de von
22. Juli 2015, 07:00 Uhr

Der sechsjährige Hannes ist heute ein Ritter. Gerade ist er beim Toben hingefallen und hat sich ein wenig den Ellbogen aufgeschürft. Jetzt hat er die Rüstung angelegt und ist bereit zu großen Abenteuern.

Ein ganz normaler Junge auf der einen Seite – und doch wieder nicht. Hannes ist Diabetiker. Vor zweieinhalb Jahren war die Stoffwechselkrankheit plötzlich da. „Ich hab schon so was geahnt, als er beim Winterspaziergang so großen Durst verspürte“, erinnert sich Hannes’ Mutti Nicol Manthey. Ein Besuch bei der Kinderärztin bestätigt den Verdacht.


Nach der Diagnose ändert sich alles


Von da an ändert sich alles. In der Kita, die der Junge besucht, können die Erzieherinnen wegen des großen Arbeitsaufkommens die individuelle Betreuung nicht gewährleisten. Die Eltern erhalten die Kündigung – und hängen plötzlich mit der Betreuung in der Luft. Hannes’ Papa Matthias Zeuch muss wochenlang zu Hause bleiben, um bei seinem Sohn zu sein. „Ich bin froh und dankbar, dass ich so einen verständnisvollen Arbeitgeber habe“, sagt der junge Mann, der im Malerbetrieb Stickel in Ludwigslust arbeitet.

Denn individuelle Betreuung braucht Hannes von nun an, damit er ein Leben so normal wie möglich führen kann. Der Junge trägt eine Pumpe, die bei Bedarf bedient werden muss, um die notwendige Menge Insulin abzugeben. „Das kann ganz unterschiedlich sein, je nachdem, welche körperliche Aktivität gerade ansteht, welche Tageszeit ist und so weiter“, erklärt Nicol Manthey.

Die Eltern lernen, mit der Krankheit ihres Sohnes umzugehen. Sie besuchen einen Lehrgang am Helios-Klinikum in Schwerin, bald danach am weit über die Grenzen MVs hinaus bekannten Diabetes-Institut in Karlsburg. Sie gewöhnen sich daran, von nun an einmal in der Nacht aufzustehen, um nach ihrem Sohn zu sehen.

Drei Monate bleibt in der Schwebe, wie die Tagesbetreuung von Hannes weitergehen soll. Dann die erlösende Nachricht: Der Junge bekommt ab 1. März 2013 einen Platz im Montessori-Kinderhaus in Ludwigslust. Für Nicol Manthey, die eine Praxis für Kosmetik und medizinische Fußpflege betreibt, sollte das ein Glückstreffer sein. „Von Anfang an hat Hannes dort eine optimale Betreuung erhalten“, sagt die Mutter begeistert. „Die Erzieherinnen waren bereit zu lernen, was Hannes braucht, und das hat immer wunderbar geklappt. Wir möchten einfach Danke dafür sagen“, so die junge Frau. „Danke, dass wir uns nie Sorgen machen mussten. Das ist nicht selbstverständlich.“ Von nun an liegt in dem ordentlich geführten Heftchen mit Hannes’ Blutzuckerwerten auch immer ein kleiner Informationszettel für die Kita.

Nun steht ein neuer Lebensabschnitt an. Am 29. August wird Hannes eingeschult. Der Kleine kommt in die Ludwigsluster Edith-Stein-Schule. „Wir haben ein gutes Gefühl, dass unser Sohn dort ebenfalls eine sehr gute Betreuung erhält“, strahlt Nicol Manthey Zuversicht aus. Das hätten alle bisherigen Gespräche gezeigt. „Die Horterzieherin hat bereits gesagt, dass sie lernen wird, was Hannes braucht“, freut sich die Mutter.

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