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Neese : „Damit muss man rechnen als Landwirt“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Anhaltender Regen verschiebt übliche Ernteabläufe und beeinflussen auch das kommende Jahr.

svz.de von
erstellt am 30.Aug.2017 | 19:00 Uhr

Ernten, bergen, den Boden vorbereiten und die neue Saat auf die Felder bringen – in der AgriKultur Prislich GmbH in Neese haben die Mitarbeiter derzeit doppelt und dreifach zu tun. Aufgrund der Witterungsverhältnisse und des anhaltenden Regens der vergangenen Monate haben sich die Ernteabläufe derart nach hinten verschoben, dass jetzt jede Minute des guten Wetters ausgenutzt wird. Die Ernteergebnisse dieses Jahres kann das trotzdem nicht mehr retten.

„Die Lage ist angespannt, aber nicht hoffnungslos“, sagt Thomas Eben, Geschäftsführer der AgriKultur Prislich GmbH. In wenigen Tagen schließen er und seine insgesamt 16 Mitarbeiter die Getreideernte ab, aktuell wird der Weizen gedroschen. „Und gleichzeitig säen wir schon wieder aus. Auf die ehemaligen Roggenfelder kommt jetzt zum Beispiel Raps. Die Arbeitsbelastung ist gerade sehr hoch“, erklärt der studierte Landwirt. Jammern will Thomas Eben aber auf keinen Fall, mit so einem Erntejahr müsse man einfach immer rechnen. „Sonst hätte man sich einen anderen Job suchen müssen.“ Und auch seine Mitarbeiter seien trotz allem immer mit Spaß und Leidenschaft bei der Arbeit.

Auch wenn die Roggenernte im Betrieb eigentlich schon durch ist, kann man auf den Feldern noch kleine Inseln stehen sehen. „Dort steht immer noch so viel Wasser, dass wir mit den Maschinen einfach nicht raufkommen. Das lassen wir jetzt so und warten ab“, erklärt Thomas Eben. Selbst mit den Raupenfahrzeugen, die das Unternehmen seit mehreren Jahren besitzt, ist das Befahren stellenweise unmöglich.

Die Situation im Altkreis Ludwigslust sieht nicht besser aus. „Eher noch schlechter als hier. Zum Beispiel im Bereich Brunow oder Richtung Lübtheen“, weiß Nicole Gottschall, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Ludwigslust. Insgesamt steht im Altkreis noch ein Drittel der Ernte. Und selbst wenn die Landwirte jetzt bald mit der Ernte fertig werden sollten, seien die zu erwartenden Qualitäten schlecht und die Erträge unterdurchschnittlich.

Große Sorgen bereiten sowohl Thomas Eben als auch Nicole Gottschall die Grünlandflächen. „Schätzungsweise rund 40 Prozent dieser Flächen im Altkreis konnten noch gar nicht befahren werden“, erklärt Nicole Gottschall. Besonders kritisch sei die Lage auch hier wieder entlang der B5 Richtung Boizenburg. Grünlandflächen werden zur Futtergewinnung und Heuherstellung genutzt. Auch Thomas Eben bewirtschaftet 600 Hektar Grünland. „Und wenn bei einem Landwirt mal das Stroh dieser Tage knapp wird, helfen wir untereinander aus“, so Eben. Die Solidarität untereinander sei für ihn während einer solch akuten Situation bewundernswert.

Und nicht nur die diesjährige Ernte wird negativ durch den anhaltenden Regen beeinflusst. „Ich weiß nicht, wie oft wir die Planungen für das nächste Jahr schon umgeschmissen haben“, so Thomas Eben. Denn da viele Ackerflächen noch gar nicht geräumt sind, verzögert sich auch die Aussaat. Außerdem ist es dem Betrieb sehr wichtig, die Fruchtfolge einzuhalten, was sich aufgrund der aktuellen Bodenbeschaffenheit jedoch schwierig gestaltet.

Nach der Getreideernte stehen jetzt Mais und Kartoffeln auf dem Plan. Auch hier ist die Lage nicht besser. „Wir werden unseren Mais schon früher vom Feld holen, damit er nicht noch länger im Wasser steht“, so Thomas Eben. Auch Nicole Gottschall ist auf diese Ernteerträge gespannt. „Ich versuche natürlich, immer positiv zu bleiben. Allerdings erwarte ich auch hier keine Wunder.“

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