Ludwigslust : Dämpfer für Brücken-Projekt

Auf den Stufen der unwegsamen Schlossbrücke stehend begrüßt Birgit Wulf Mitglieder und Gäste zur gestrigen Bauausschusssitzung.
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Auf den Stufen der unwegsamen Schlossbrücke stehend begrüßt Birgit Wulf Mitglieder und Gäste zur gestrigen Bauausschusssitzung.

Bauausschuss empfiehlt vorgeschlagene Variante nicht. Vier Mitglieder stimmen dafür, vier dagegen. Stadtvertretung berät heute

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31. Mai 2017, 05:00 Uhr

„Ich kann die Menschen, die auf Rollstuhl, Rollator oder Krücken angewiesen sind, doch nicht durch einen Botengang schicken.“ Der Weg von der Schlossstraße durch die Tüsche und über den Ludwigsluster Kanal zum Schloss ist für Margrit Bärenwald keine Alternative. Für die Ludwigslusterin steht vielmehr fest: „Eine Fußgängerbrücke neben der Schlossbrücke wäre die beste Lösung. Die Leute kommen ohne Umweg auf den Schlossplatz, und offenbar ist sie auch finanziell die günstigste Variante.“ Und so wird sie auch von der Stadtverwaltung vorgeschlagen.

Margrit Bärenwald war gestern Abend gemeinsam mit knapp 30 anderen Bürgern, Stadtvertretern und Verwaltungsmitarbeitern an die unwegsame Schlossbrücke gekommen, um mit dem Bauausschuss die vier geprüften barrierefreien Wege-Varianten zwischen Schlossstraße und -platz vor Ort zu begutachten. Weg Nr. 1 (durch die Tüsche) verlor mit den Ausführungen von Thomas Bickel von der IBD Ingenieurgesellschaft mbH Raben Steinfeld für viele seinen Reiz. „Da stehen Aufwand und Nutzen wohl in keinem Verhältnis“, räumte später Ausschussvorsitzende Birgit Wulf (CDU) ein. Dort müssten neben einer Brücke, die von der Höhe über dem Wasserspiegel schon eine Herausforderung darstellen würde, auch rund 28 Meter Weg in der Tüsche gepflastert und der Gehweg auf der anderen Kanalseite verbreitert werden. „Nur für den Wegebau müsste man schon 60 000 bis 70 000 Euro einplanen“, so Bickel.

Stattdessen konnten sich einige Bauausschussmitglieder für eine Variante 3  a erwärmen, die es bis vor Kurzem noch gar nicht gab. Sie basiert auf einem Vorschlag von Heiko Böhringer (AfL) und sieht eine Brücke südlich der Schlossbrücke – zwischen den geprüften Varianten 3 und 4 – sowie in einem späteren Schritt den Bau eines Pavillons auf der anderen Seite des Kanals vor, wie es ihn dort früher gab (SVZ berichtete). Bürgermeister Reinhard Mach und Jens Gröger, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Tiefbau, bezweifelten, dass eine Brücke an dieser Stelle förderfähig wäre und den Segen von der Unteren Denkmalschutzbehörde bekommen würde. Letztere habe unter Kenntnis aller vier geprüften Alternativen bereits ihre Zustimmung zur Variante 2 signalisiert, so Gröger. Er verwies außerdem auf die Aufgabenstellung, die mit der bereits bewilligten Förderung aus dem Leader-Programm verbunden sei: „Eine barrierefreie Verbindung zum Schlossplatz ohne Umwege.“

Horst Schneider, der am Bassin wohnt, konnte diese Argumentation nicht nachvollziehen. „Für eine Brücke dort gibt es die Zustimmung und Fördermittel, und ein kleines Stückchen weiter soll das nicht mehr möglich sein?“ meinte er gegenüber SVZ. „Eine Brücke direkt neben der Schlossbrücke macht das Ensemble kaputt“, so der 64-Jährige, der seit seiner Geburt in Ludwigslust lebt.

Als die Sitzung des Bauausschusses schließlich im Rathaus fortgesetzt wurde, sprach sich Wilfried Romberg (Grüne) klar für die Variante 2 aus. Einen Rollstuhl über dieses Pflaster zu schieben, sei eine Zumutung – für den, der schiebt, und den, der im Rollstuhl sitzt, sagte er unter Verweis auf persönliche Erfahrungen. Birgit Wulf meinte dagegen, dass die Ludwigsluster keine weitere Brücke benötigen würden, weil sie über die Brücke am Rittmeisterhaus (gegenüber Hotel de Weimar) gehen könnten. Und viele Gäste der Stadt kämen ohnehin in der Friedrich-Naumann-Allee oder auf dem Schlossplatz an. Viel wichtiger für alle seien die Querungsstellen auf dem Schlossplatz. Am Ende stimmten vier Ausschussmitglieder für die von der Verwaltung vorgeschlagene Variante 2 und vier dagegen. Damit ist die Empfehlung für die barrierefreie Fußgängerbrücke direkt neben der Schlossbrücke an die heute tagende Stadtvertretung ausgeblieben.

In die Sitzung (Beginn 18 Uhr im Rathaus) will Heiko Böhringer (AfL) mit einem Änderungsantrag gehen. „Wir wollen, dass die Variante 3a mit in die Betrachtung aufgenommen wird. Der Bürgermeister soll beauftragt werden zu überprüfen, ob diese Variante denkmalrechtlich machbar wäre und ob dadurch die Finanzierung in Gefahr gerät“, erklärte er nach der Sitzung gegenüber SVZ.

Auf den heutigen Abend darf man gespannt sein, denn der Ausschuss für Stadtentwicklung hatte mit vier Ja-Stimmen bei zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung die Variante 2 empfohlen. Margrit Bärenwald hofft, dass sich die Befürworter durchsetzen. „Man kann doch nicht die Meinung so vieler Bürger ignorieren“, meinte sie mit Blick auf die lange Unterschriftenliste des Seniorenbeirats.

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