Neu Kaliss : Dach der Kirche neu gedeckt

Besprechung vor Ort: Dachdeckermeister Kai Wendtland, Pastorin Constanze Schröder, Bauüberwacher Andreas Nerge und Kirchenvorstandsmitglied Ulrich Lüth (v.l.n.r.)
Besprechung vor Ort: Dachdeckermeister Kai Wendtland, Pastorin Constanze Schröder, Bauüberwacher Andreas Nerge und Kirchenvorstandsmitglied Ulrich Lüth (v.l.n.r.)

Schäden der letzten Jahrzehnte am Neu-Kalisser Gotteshaus behoben / Alte Ziegel wieder verwandt

von
03. November 2015, 07:00 Uhr

Die Johanneskirche bekommt gehörig was aufs Dach – das allerdings im positivsten Sinne. An der Neu-Kalisser Kirche finden nämlich gegenwärtig Dacharbeiten statt. Seit vielen Jahren ist es undicht. Über den Auslöser dieses misslichen Zustandes gibt es Vermutungen. Er liegt wahrscheinlich bereits in den Jahren 1945/46. Dem Vernehmen nach ist damals in dem Ort ein Munitionswagen explodiert. Die Detonation war so stark, dass sich das Dach der Kirche etwas angehoben hat und fortan undicht war. Das erzählt Pastorin Constanze Schröder. Witterungsunbilden der Jahrzehnte mögen ihr Übriges getan haben. Seit 2006 hatte die Kirchengemeinde beim Kirchenkreis die Dachsanierung beantragt und nun Grünes Licht bekommen. Aus verschiedenen Fördertöpfen sind Mittel geflossen. Constanze Schröder erwähnt zudem besonders positiv Klaus Schikowski, ein Mitglied der Kirchengemeinde, das sich besonders für dieses Projekt engagiert hat.

Am 1. Oktober konnten so die Arbeiten beginnen. Es zeigte sich, dass die vorhandenen Dachziegel wieder verwendet werden können. Es sind Mönch-Nonne-Ziegel, die heute so nicht mehr hergestellt werden. Glücklicherweise zeigte es sich, dass die übergroße Mehrheit der vorhandenen Ziegel auch weiterhin ihren Dienst tun kann. Es war lediglich eine Umdeckung erforderlich. Der Mörtel ließ sich relativ problemlos entfernen. Lediglich eine kleine Fläche auf der Rückseite des Chordaches musste neu eingedeckt werden. Die Arbeiten liegen voll im Plan. Bereits in dieser Woche soll die Bauabnahme stattfinden. Eine große Erleichterung für die Kirchengemeinde.

Die Neu-Kalisser Johanneskirche ist etwas Besonderes. Es ist die einzige Kirche in Mecklenburg, die im Art Deco Stil errichtet wurde. „Überall findet man die dafür typischen Zickzackformen und ungewöhnlichen Farben wie das tiefe Weinrot des Altarraums, in dessen Mitte ein großes Messingkreuz leuchtet, und einem weihrauchähnlichen Grünton“, schreibt Constanze Schröder in einer Schrift zum Landeserntedankfest 2014, das in der Gemeinde Neu Kaliß stattfand.


Art Deco zwischen den Weltkriegen


Die Stilrichtung Art Deco umfasst die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen 1919 bis 1939. Die Bezeichnung selbst ist erst seit den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gebräuchlich.

Die Pastorin schwärmt von ihrer Kirche. Deren Grundsteinlegung war im Jahre 1927. Bereits ein Jahr später, zu Johanni, also im Juni, wurde die schlichte Kirche geweiht. Die Besitzer der Papierfabrik Schöller & Bausch unterstützten und begleiteten den Bau.

Das Gotteshaus hat etwas mit dem rasanten industriellen Aufschwung zu tun, den die Gemeinde Neu-Kaliß im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte. Mühselige Wege in die Kirchorte Conow und Dömitz führten irgendwann zu dem Wunsch, in Neu Kaliß eine Kirche zu errichten.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen