Karnevalsverein Groß Laasch : „Da hört der Spaß auf“

Letztes Jahr 11.11. 11. 11 Uhr: Das närrische Volk in Groß Laasch lässt vor dem Gemeindebüro Konfetti regnen.
Letztes Jahr 11.11. 11. 11 Uhr: Das närrische Volk in Groß Laasch lässt vor dem Gemeindebüro Konfetti regnen.

Gemeinde Groß Laasch setzt Karnevalsverein vor die Tür und bietet neuen Raum gegen Miete, die der GLCC aber nicht zahlen kann

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22. September 2017, 05:00 Uhr

Der Groß-Laascher Karnevalsverein GLCC macht Ernst: Erstmals seit seiner Gründung vor 37 Jahren denken die Mitglieder über das Vereinsende nach. Gezwungenermaßen. Denn die Gemeinde hat festgelegt, dass der Verein im Dezember das Lager unter der Bühne im Kulturhaus räumen soll und stattdessen gegen Miete einen Raum im Obergeschoss nutzen kann. Für den Vereinsvorsitzenden Heino Kühl und den Vorstand würde das das Aus bedeuten: „Wir können die monatliche Miete nicht zahlen. Unsere Mitglieder zahlen keine Vereinsbeiträge, sondern bringen sich durch Arbeit ein. Sei es bei den Vorbereitungen der Sessionen oder den wöchentlichen Proben mit den Kinder- und Jugendtanzgruppen.“

Besonders bitter sei, dass die Entscheidung der Gemeinde gefallen war, ohne den Verein im Vorfeld einzubeziehen. Die Nachricht erreichte den Vereinsvorsitzenden per Mail. „Wir sind aus allen Wolken gefallen, als wir davon erfuhren“, sagt Marlies Schmidt, seit zehn Jahren Mitglied im Verein. „Hier engagieren sich Menschen für die Gemeinde. Sie opfern viel private Zeit. Basteln, schneidern, bauen Kulissen, proben... Wir vertreten die Gemeinde auswärts auf Erntefesten oder mit Auftritten, erst letzte Woche war unsere Tanzgruppe bei der Velo Classico.“ Die Entscheidung, dem Verein nun den Bühnenkeller so kurzfristig vor der Saison wegzunehmen, sei wie ein „Nackenschlag“.

Laut wird es dann auf der Gemeindevertretersitzung am Mittwochabend. Der Gemeinderaum ist voll. Unter den Gästen sind vor allem Karnevalisten. Auch Maik Kujanek. „Ich habe Stunden in dem Bühnenkeller verbracht, Regale eingebaut, Kartons mit Requisiten und Technik geschleppt. Und dann kommt plötzlich dieser Brief angeflattert. Ihr wisst doch genau, dass wir uns das nicht leisten können. Nein. Da hört der Spaß auf.“

Bürgermeister Markus Lau begründet den Entschluss mit dem Betreiberwechsel im Kulturhaus. Der Neue bewirtschaftet in Zukunft nämlich nur noch das Steakhouse und nicht wie sein Vorgänger auch den Saal. „Wir benötigen also den Bühnenkeller nicht nur als Lagerraum für unsere Stehtische, Geschirr oder Gartenmöbel“, sagt Lau. „Sondern auch für die Veranstaltungen, die von nun an hoffentlich wieder zunehmen werden.“ So sollen die Künstler in Zukunft die Möglichkeit bekommen, über den Keller direkt auf die Bühne zu gelangen. Ein Orchester zum Beispiel braucht den Keller auch für das Abstellen der Instrumente.“ Für den Bürgermeister steht fest: Der Karnevalsverein muss sein Domizil verlassen. Der Verein sieht das anders: „Wir gehen hier nicht freiwillig raus“, sagt Maik Kujanek. Von Zwangsräumung ist die Rede. Zur Not auch mit der Polizei.

Später auf der Sitzung, wenn die Gemeindevertreter die neue Gebührensatzung für die Nutzung des Kulturhauses beschließen, flammt die Diskussion ein zweites Mal auf. Auch hier ärgert sich GLCC-Chef und Gemeindevertreter Heino Kühl über die Höhe der Tagessätze für Veranstaltungen und über den Stundensatz für Aufenthaltszeiten. „Das wird sich schnell summieren bei uns“, sagt er.

Burkhard Thees, Bürgermeister und selbst aktives Karnevalsmitglied in Neu Kaliß, kennt das Problem in Groß Laasch. „Eine Gemeinde lebt vom Geben und Nehmen“, sagt er. „Wenn wir den Vereinen viel Geld abnehmen, können sie zumachen. Und wer heute einen Verein kaputt macht, kriegt ihn nie wieder aufgebaut.“ In Neu Kaliß lagert der Karnevalsverein kostenfrei seinen Fundus in einem Gemeindehaus, auch Hallenzeiten werden nicht vergütet. „Dafür zahlen die Vereinsmitglieder aber Beiträge. Geringe Beiträge“, so Thees.

In Groß Laasch wird sich die Lage entspannen, da ist sich Bürgermeister Markus Lau sicher. „Wir werden eine Lösung finden. Aber wir werden den GLCC nicht den anderen Vereinen gegenüber bevorzugen.“ Jetzt wollen sich die Gemeindevertreter und Karnevalisten an einen Tisch setzen. Vom Ergebnis der Runde wird es abhängen, wie der GLCC am 11.11. in die neue Session startet. Laut jubelnd mit Konfettiraketen. Oder trauernd. Kühl: „Im schlimmsten Fall müssen wir den GLCC beerdigen.“

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