Ludwigslust : Couragierte Zeugen machen Trickdieb dingfest

Hartmut Eickhoff war knapp zwei Stunden im Pannenfahrstuhl gefangen. Fotos: andreas münchow
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Hartmut Eickhoff war knapp zwei Stunden im Pannenfahrstuhl gefangen. Fotos: andreas münchow

Ludwigsluster stellen nach Verfolgungsjagd 17-jährigen Tatverdächtigen und übergeben ihn der Polizei

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01. Juli 2014, 11:15 Uhr

„Ich stand dem jungen Mann zwei Meter gegenüber. Anpacken wollte ich ihn nicht, er hätte ja ein Messer haben und mich damit verletzen können.“ Hartmut Eickhoff (61) steht auch einen Tag nach der Begegnung noch ganz unter dem Eindruck des Erlebten. Am Montagnachmittag hatte der bei einem Grabower Unternehmen tätige Kraftfahrer einen Trickdieb in Ludwigslust verfolgt, der einem älteren Mann Geldscheine aus der Tasche gezogen haben soll.

„Es war gegen 17 Uhr. Ich kam gerade von meiner Mutter, die 80 ist und in der Lindenstraße wohnt. In Höhe der Zahnarztpraxis bin ich mit meinem Fahrrad mit Hilfsmotor, einem sogenannten Hühnerschreck, auf die andere Straßenseite gefahren, weil ich dort einen Arbeitskollegen traf. Während ich mich mit ihm unterhielt, sah ich auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen jungen Mann mit einer Mappe in der Hand, der einen älteren Herren angesprochen hatte. Während ich noch dachte, wofür dort wohl wieder gesammelt wird, schaute ich immer wieder zu den beiden hinüber. Der ältere Mann holte sein Portemonee aus der Hosentasche, der junge Mann hielt geschickt die Mappe drüber. Schnellen Schrittes begab sich darauf der junge Mann in Richtung Mecklenburger Hof.“

Hartmut Eickhoff sprach den älteren Mann spontan an und erfuhr, dass dieser dem jungen Mann eine Spende für Blinde und Sehbehinderte gegeben hatte. „Das sollten nur vier Euro gewesen sein. Als ich ihn bat, doch mal in seine Brieftasche zu schauen, ob nicht doch mehr fehlt, wurde es Gewissheit. Alle Geldscheine waren weg.“

Hartmut Eickhoff hat dann mit seinem Hühnerschreck den jungen Mann verfolgt. In Höhe der Bürgermeister-Brandenburg-Straße wollte Eickhoff ihm den Weg abschneiden, aber der Verdächtige konnte entwischen. „Ich bin über die Ampel rüber und habe mein Fahrrad beim Pizza-Laden gegenüber Ockens an der Wand abgestellt. Dann bin ich vor dem jungen Mann stehengeblieben und habe ihm gesagt: ,Du hast den Opa beklaut, gib’ das Geld wieder raus’.“ Aber er ist sofort abgehauen, lief in Richtung Mauerstraße. Hartmut Eickhoff hinterher. „An der Mauerstraße standen zwei Ludwigsluster, die ich kannte. Thomas Döring und Martin Grams. Ich erzählte ihnen, dass ich einen Dieb verfolge, der schon über den Polizeiberg gelaufen war.“ Die beiden jungen Männer sprangen in ihren Transporter und jagten dem mutmaßlichen Täter durch das Garnisonsgelände hinterher, um ihm den Weg zu versperren. In Höhe der Bushaltestelle in der Grabower Allee kam Heinz Ruckick hinzu, um dem Flüchtigen ebenso den Weg abzuschneiden. Schließlich konnten die beiden anderen Ludwigsluster den geflüchteten Mann stellen und ihm das Geld abnehmen. Sie brachten ihn zum Polizeihauptrevier, währenddessen sich Hartmut Eickhoff auf die Suche nach dem Geschädigten machte. „Ich traf den älteren Herrn in der Mauerstraße und begleitete ihn bis zum Revier.“

Die Polizei nahm den Tatverdächtigen vorläufig fest. Er wird beschuldigt, den 83-jährigen Mann, der auf einem Tagesausflug in Ludwigslust weilte, auf offener Straße bestohlen zu haben. Der als angeblicher Spendensammler getarnte Mann hatte am Alexandrinenplatz dem bereitwilligen 83-Jährigen unbemerkt 170 Euro in Scheinen aus dessen Brieftasche gestohlen. „Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen 17-Jährigen mit festem Wohnsitz in Dortmund. Es ist nicht auszuschließen, dass er noch Komplizen hatte“, so Klaus Wiechmann, Sprecher der Polizeiinspektion Ludwigslust. Das Geld konnte dem Opfer später zurückgegeben werden.

Die Polizei bedankt sich bei den Ludwigsluster Bürgern für ihr beherztes und mutiges Einschreiten. Sie hätten sich durch ihr couragiertes und entschlossenes Handeln beispielgebend für die Sicherheit in der Stadt eingesetzt.




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