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Ludwigsluster Tageblatt

24. November 2017 | 18:02 Uhr

Ludwigslust : Chaos, so weit das Auge reicht

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Etwa 35 000 Menschen ohne Strom. ICE-Fahrgäste stranden in Ludwigslust

svz.de von
erstellt am 05.Okt.2017 | 22:00 Uhr

Der Sturm war kurz, aber extrem heftig. In der Ludwigsluster Region hinterließ er nicht nur Verwüstungen, sondern forderte auch ein Todesopfer. Auf der B 191 bei Karstädt wurde ein 51-jähriger Lkw-Fahrer  in seinem Führerhaus von einem rund 50 Zentimeter starken Ast erschlagen. Allein auf diesem Streckenabschnitt waren mindestens sechs Bäume umgestürzt.

An anderen Straßen rund um Ludwigslust sah es nicht anders aus. Mehrere Bäume blockierten die B 5 in Richtung Boizenburg, die L 072 Richtung Schwerin und die B 191 in Richtung Neustadt-Glewe. Dort wichen Pkw-Fahrer sogar auf den neben der Fahrbahn verlaufenden Radweg aus. Auch auf der Straße zwischen Hornkaten und Göhlen ging nichts mehr. Zwei umgestürzte Bäume blockierten die Fahrbahn, Einsatzkräfte der Feuerwehr mussten diese von der Straße räumen. Den Autofahrern blieb nichts Anderes übrig, als geduldig zu warten, weil auch die Alternativstrecken dicht waren. Und so sei es auch im Schülerverkehr zu erheblichen Verspätungen gekommen, wie Kreissprecher Andreas Bonin mitteilte.

Wohl allen Feuerwehren in der Region brachte Sturmtief „Xavier“ gestern einen Dauereinsatz. Sie eilten unermüdlich von einem umgestürzten Baum zur nächsten blockierten Straße. Es wurde nur beiseite geräumt, was Autofahrer oder Fußgänger behinderte.  An Aufräumen war nicht zu denken. „Der Sturm hat absolutes Chaos hinterlassen“, sagte Kreiswehrführer Uwe Pulss gegenüber SVZ. Und mancherorts reichten die Kapazitäten von Bauhöfen und Feuerwehr längst nicht aus. Und so schnappte sich zum Beispiel Werner Fraaß aus Techentin seinen Radlader und räumte einen entwurzelten Baum aus dem Eichenallee, die überdies von unzähligen großen Ästen gesäumt wurde.

Wie die Wemag Netz GmbH mitteilte,  mussten gestern Nachmittag rund 35 000 Kunden ohne Strom auskommen. Die Störungen hätten  sich über die Bereiche Westmecklenburg, Prignitz und Amt Neuhaus erstreckt, teilte das Unternehmen mit. In einigen Orten, unter anderem rund um Ludwigslust, dauerte der Stromausfall viele Stunden.  „Alle Mitarbeiter der Netzbereiche sind im Einsatz, um die Störungen zu beseitigen“, so das Unternehmen in einer Mitteilung.  Wegen blockierter Straßen kamen aber auch die Wemag-Mitarbeiter erst verspätet zu ihrem Einsatzort.

Für 219 Reisende eines EC aus Prag endete die Fahrt kurz vor dem Bahnhof Pritzier auf freier Strecke. Mehrere Bäume waren dort auf das Gleis gekippt, hatten einen Betonmast gefällt und die Oberleitung heruntergerissen. Einsatzkräfte, unter anderem aus Pritzier,  Hagenow  und vom Katastrophenschutz des Landkreises, begannen früh, eine Evakuierung vorzubereiten. Am späten Abend wurden die Reisenden mit einem ausgeräumten Einsatzfahrzeug und Traktorunterstützung über ein Feld zur Straße und dann zum Gasthof Pritzier gebracht. Dort hatten Kräfte des Katastrophenschutzes, etwa vom Betreuungszug aus Alt Jabel, eine Versorgung aufgebaut. Wie es weitergehen sollte, war am Abend noch unklar. Auch am Ludwigsluster Bahnhof strandeten Fahrgäste eines ICE. Einige ließen sich per Auto abholen, wie Taxen und Pkw etwa mit Hamburger oder Göttinger Kennzeichen verrieten. Die anderen gut 100 Reisenden mussten die Nacht in einer Ludwigsluster Sporthalle verbringen.

Nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia zog der Sturm mit Windstärken um die 100  Kilometer pro Stunde über Westmecklenburg hinweg. Durch das ungewöhnlich schnelle Auffrischen habe der Sturm großen Schäden verursacht, erklärte Wetterexperte Stefan Kreibohm. Ergänzend sei dann noch ein „Windsprung“ hinzugekommen, bei dem die Windrichtung schnell von Süd-West auf Nord gedreht habe. Die belaubten und vom Regen nassen Bäume hätten ideale Angriffsflächen für den Sturm geboten.

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