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Ludwigsluster Tageblatt

23. September 2017 | 16:40 Uhr

Castor: Mecklenburger mitten drin

vom

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erstellt am 27.Nov.2011 | 06:39 Uhr

Ludwigslust/Dannenberg | Der Castortransport 2011 erregt auch die Gemüter in Mecklenburg. Mit einem vom BUND-Landesverband M-V gecharterten Bus fuhren Sonnabend Anti-Atomkraftgegner aus der Ludwigsluster und Parchimer Region ins "heiße" Wendland. Ihnen gegenüber standen ab dem späten Sonnabend im Ort Groß Gusborn massive Polizeikräfte aus Mecklenburg mit SN-Kennzeichen. Woher und in welcher Stärke sie mit Wasserwerfern, gepanzerten Mannschafts- und Räumfahrzeugen gekommen waren, darüber gab es keine Auskunft. Dafür gab es an jeder Kreuzung Personen- und Fahrzeugkontrollen.

Schluss mit der Nutzung von Atomenergie. So kann der Tenor der Demonstranten auf den Punkt gebracht werden, die im Dutzend am Sonnabend den vom BUND-Landesverband gecharterten und vollbesetzten Bus zur Fahrt nach Dannenberg bestiegen. Sie wollten auf der zentralen Großkundgebung gegen den Transport von radioaktivem Material in Castoren und die Unterbringung im niedersächsische Zwischenlager Gorleben protestieren. Unter ihnen waren auch Protestler, die Gefahrenpotenzial für den Landkreis Ludwigslust-Parchim sehen. Solch ein Potenzial sieht beispielsweise das Kreistagsmitglied der Linken, Jacqueline Bernhardt, die das erste Mal an einer Anti-Castor-Demo in Dannenberg teilnahm. Die Politikerin sieht Aufklärungsbedarf, in wie weit der Standort Gorleben als mögliches Endlager geeignet ist. Und die Linke möchte wissen, wie konkret die Planungen für die Nutzung des Salzstocks Gülze-Sumte vorangeschritten seien. Um auf diese Fragen schnelle Antworten zu erhalten und eine entsprechende Bürgerbeteiligung zu erreichen, werde ein Antrag zur nächsten Kreistagssitzung vorbereitet.

Mit im Bus saß auch die BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag und Naturschutzexperte Arndt Müller. Beide, wie auch der Dagelitzer Matthias Thater von der Initiative Attac, fordern einen sofortigen Stopp der Atomnutzung. Cwielag: "Uns bereitet das nicht gelöste Endlagerproblem große Sorgen. In diesem Zusammenhang sieht die Umwelt- und Naturschutzaktivistin nicht nur den Atommülllagerort Lubmin als hochbrisant an; auch die Atomkraftwerke rund um Stettin würden allen Grund zur Sorge geben. Laut Cwielag sind es sieben AKWs. Das seit eine doppelte Gefahr für den Landkreis Ludwigslust-Parchim.

In Ludwigslust stiegen auch Landwirt Hauke Woldt, Ehefrau Andrea Groth und Tochter Nele aus Strohkirchen ein. Die Familie wird nicht nur diesmal protestieren, weil es für sie auf dem Erdball kein geeignetes Endlager gibt. Nach dem aktuellen Gutachten dürfte es ja diesen Castor-Transport gar nicht geben, protestierten sie. Das Trio sprach sich für eine sofortige Energiewende aus. Die Gefahr für das Trinkwasser durch zerfallene Behälter, mit einer in der Zeit nicht dauerhaften Verseuchung von Trinkwasser, diese Vorstellung ließ den 15-jährigen Konstantin Schulz einsteigen. Die 15-jährige Theresa und ihre ein Jahr jüngere Freundin Mareike kamen mit Thermoskanne und Anti-Castor-Fahne angeradelt, fuhren mit, weil sie zeigen wollen, dass diese Atompolitik für die folgenden Generationen keine Sicherheit bringen könne.

In Dömitz hatten sich die Kölner Lars Lange von Greenpeace-Energie und sein Freund Klaus Geier für die Dauer des Castortransports eingemietet. Sie sind demonstrativ dabei, weil der Atomausstieg endlich und sofort erfolgen müsse.

Bereits Stunden vor der Busabfahrt war Sonnabend der Sprecher der Ludwigsluster Bürgerinitiative (BI) Leben ohne Atomkraft, Ludger Klus aus Leussow, auf dem Dannenberger Marktplatz. Er und weitere Mitstreiter aus der Ludwigsluster Region unterstützten den Veranstalter, die BI Lüchow-Dannenberg e.V, als Ordner und Ansprechpartner für Hilfe suchende Demonstranten. Eine an den Kräften zerrende Aufgabe in einem Demon-strantenauflauf, der von der BI mit 23 000 Protestlern in Dannenberg und 2000 Anti-Castor-Gegnern entlang der Transportstrecke von der BI beziffert wurde. Die Polizeikräfte, so die Auskunft aus dem Castor-Lagezentrum der Polizei in Lüneburg, sind ähnlich 2010 stark, was eine Größenordnung von 14 000 Beamte bedeuten könnte. Aufgefallen sei Klus, das im Gegensatz zum letztjährigen Transport, die Polizeikräfte schnell aktiv werden. Wenn nur der Anschein für die Beamten erweckt werde, dass es zu einer so genannten Störung kommen könnte, werde restriktiv gehandelt. Die BI Lüchow-Dannenberg hat gegen den Betreiber des Gorlebener Zwischenlagers, der Nuklear-Service (GS) ein Ermittlungsverfahren angestrengt.

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