Neustadt-Glewe : Busunternehmer hat es nie bereut

Erdwärme Neustadt-Glewe GmbH informierte Gewerbeverein über 20-jährige Betriebserfahrungen und neue Vorhaben

Seit ihrer Versammlung im November kennen die Mitglieder des Gewerbevereins Neustadt-Glewe e. V. den Unterschied zwischen Theologen und Geologen. Dienststellenleiter Mario Hielscher von der Erdwärme Neustadt-Glewe GmbH verriet es ihnen: Die einen seien noch nie oben und die anderen noch nie unten gewesen.

Mit diesem spaßigen Einschub lockerte Hielscher die abendliche Zusammenkunft auf, während der er gemeinsam mit dem technischen Geschäftsführer Torsten Hinrichs vor den Gewerbetreibenden eine Bilanz der 20-jährigen Betriebserfahrungen in der geothermischen Wärmeversorgung in Neustadt-Glewe zog.

Als erster Geothermiebetrieb in Deutschland habe das Unternehmen in den zurückliegenden Jahren Neuland betreten und eine Menge von Problemen zu meistern gehabt, gestand Hielscher. Und man hatte fast täglich auch Forscher auf dem Gebiet der Geothermie im Hause. Als Herausforderungen bezeichnete er u. a. die Erhöhung der Lebensdauer der Umwälzpumpen – ein Wechsel kostet immerhin rund 250 000 Euro – und die Langzeitstabilität bei den Förderwellen. Durch vier Kanalfahrten in den letzten 20 Jahren habe man bis in die Tiefe von fast 2500 Metern ins Erdinnere blicken und Schlüsse ziehen können für den noch sichereren und kostengünstigeren Transport des Warmwassers aus dem Erdinneren und (leider) auch für die Rückführung des noch zu großen Menge geförderten, aber nicht verbrauchten Bodenschatzes aus der Erde.

„Wir brauchen einfach noch mehr Abnehmer“, waren sich die Firmenvertreter einig mit dem Gewerbevereinsvorsitzenden Christian Rosenkranz, der in der Erdwärme GmbH als Vertreter der Stadt - sie ist zu 48 Prozent an der Gesellschaft beteiligt - den Vorsitz im Aufsichtsrat hat. Für Rosenkranz steht fest: „Wir könnten heute schon viel weiter sein, wenn die Regierenden in der Stadt damals beim Fischerstieg mit mehr Sachverstand und Weitsicht gehandelt hätten“.

In den letzten Jahren habe es allerdings gute Fortschritte gegeben dank der Erschließung der Innenstadt, so dass die Goethermie heute insgesamt 296 Abnahmestellen – 119 im kommunalen Wohnungsbau, 16 Gewerbetriebe und 161 private Häuser – versorgt. Daran wolle man weiter arbeiten. Das dies nicht so einfach ist, zeigt das Beispiel Liebssiedlung. Dort hatte man sogar einen wissenschaftlichen Mitarbeiter mit einer Machbarkeitsstudie und einer Befragung der Anlieger beauftragt. Das Ergebnis zeigte nicht den erhofften Erfolg. Obwohl das warme Wasser schon vor der Tür liegt (ehemalige Gärtnerei) konnten nur wenige überzeugt werden. Ergo: Das Projekt musste erstmal auf Eis gelegt werden.

In der Wabeler Straße sei man im Genehmigungsverfahren und über diesen Winter / Anfang nächsten Jahres wolle man die Hauseigentümer in der Wasserstraße anschreiben. Interessant wäre auch eine Investition ab Kreisel in die Kronskamper Straße zum See, meinte Hielscher. Wenn wir in diesen Vorhaben bei den Anliegern auf eine Anschlussbereitschaft von rund 60 Prozent stießen, würden sich die Investitionen rechnen.

Busunternehmer Axel Kröger versicherte übrigens, dass er den Anschluss ans Erdwärmenetz vor 17 Jahren nie bereut habe. Im Laufe dieser Jahre musste er lediglich 170 Euro für eine neue Pumpe investieren. Es wäre erfreulich, wenn diese Einschätzung potenzielle Abnehmer von der Nutzung der vor der Haustür gewonnenen Erdwärme überzeugen könnte.



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