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Ludwigslust/Parchim : Bus-Chef vor die Tür gesetzt

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Vorwurf Hinhaltetaktik / Kreiseigene Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim schreibt Geschäftsführer-Posten neu aus

von
erstellt am 30.Okt.2014 | 07:00 Uhr

Die Fusion der drei Busbetriebe aus den Altkreisen sollte zum Musterfall der gelungenen Zusammenführung im Großkreis werden. Das ist mit dem plötzlichen Rauswurf von Andreas Plestinsky, einem der drei Geschäftsführer (SVZ berichtete), mehr als gescheitert. Der Ex-Landrat und CDU-Mann ist nach der konstituierenden Aufsichtsratssitzung der kreislichen Busgesellschaft VLP fristlos gekündigt und mit Hausverbot belegt worden. Sowohl Christian Rosenkranz, neuer Vorsitzender des Aufsichtsrates als auch Landrat Christiansen nennen dafür einen Grund: Massiv gestörtes Vertrauensverhältnis. Und das wohl schon seit Monaten.

Formal entzündete sich der Streit am Anstellungsvertrag von Plestinsky, der dem Landkreis wohl nur unvollständig bekannt war. Doch es knirscht schon länger im Getriebe der neuen Großgesellschaft. „Wir hatten die drei Geschäftsführer gefragt, ob sie gut miteinander arbeiten können. Am Ende mussten wir als Aufsichtsrat anweisen, dass der Dienstsitz in Hagenow ist. Wir mussten anweisen, dass die Post nach Hagenow kommt, wir mussten per Anordnung die Arbeit der Geschäftsführer regeln“, berichtet Aufsichtsratschef Rosenkranz und fährt fort: „Herr Plestinsky hat bei den vielen Problemen, die zu lösen waren, schlicht nicht mitgewirkt. Das betrifft seinen Vertrag, aber auch den Umgang mit den Dienstwagen und ganz besonders die Führung des Betriebes. Bedenklich fanden wir auch, dass der früher von ihm geführte Reisedienst in Parchim ohne die Fusion mit der LVG und Teilen der SGS Bus & Reisen wirtschaftlich wohl nicht überlebensfähig gewesen wäre. Und bei alledem haben wir über Monate nur eine beispiellose Hinhaltetaktik erlebt.“ Die Vorwürfe beziehen sich ausdrücklich auf Andreas Plestinsky und nicht auf die anderen Geschäftsführer Christian Rader und Andreas Helms.

Dennoch war beim Kreis und beim Aufsichtsrat das Vertrauen so im Keller, dass die Führungspositionen neu ausgeschrieben wurden. Ursprünglich sollten Plestinsky und Helms die Führung behalten, Rader geht in den geplanten Ruhestand. Als dann aber noch fast per Zufall herauskam, dass der Ex-Landrat einen Vertrag hat, der sich erst vor kurzem stillschweigend um sieben Jahre verlängerte, war das Tischtuch endgültig zerschnitten. Rosenkranz: „Davon haben wir nichts gewusst und wir können heute noch nicht sagen, ob wir alles wissen.“

Der Landkreis Ludwigslust-Parchim lehnt eine Stellungnahme in der Sache ab. Kreissprecher Andreas Bonin: „Es handelt sich um eine Personalangelegenheit, die im nicht öffentlichen Teil der Gremiensitzungen behandelt wurde. Die Entscheidung wurde mittlerweile öffentlich gemacht. Die Gründe gehören nicht in die Öffentlichkeit.“ Landrat Rolf Christiansen (SPD) hatte von einem zerstörten Vertrauensverhältnis gesprochen.

Der geschasste Geschäftsführer Andreas Plestinsky weist die Vorwürfe strikt zurück: „Was die Länge meines Einstellungsverhältnisses betrifft, bin ich mir mit dem Landrat nicht einig. Deshalb die Kündigung.“ Plestinsky betont, dass die Beschäftigungsdauer und sein Gehalt von den Gesellschaftern vertraglich festgelegt wurden, er also nichts im Alleingang gemacht habe: „Alles weitere werden die Gerichte klären.“

Die Verträge mit dem ehemaligen Geschäftsführer des Reisedienstes Parchim fallen in die Dienstzeit des damaligen Landrats Klaus-Jürgen Iredi. „Da gibt es nichts Ungewöhnliches“, erinnert sich Iredi, „den Geschäftsführer-Vertrag hat eine Wirtschaftprüfungsgesellschaft erarbeitet.“ Entsprechende Gesellschafterbeschlüsse liegen vor. Auch die Aufsichtsräte haben sich seinerzeit mit dem Vertrag beschäftigt. Das Gehalt sei keineswegs hoch, im Vergleich zu entsprechenden Posten in der freien Wirtschaft eher niedrig. Es habe sich niemand bereichert. Iredi wundert sich, dass der Geschäftsführervertrag erst jetzt zum Thema wird. Die Unterlagen seien selbstverständlich mit der Gründung des Großkreises 2011 übergeben worden. Eingeweihte sprechen von einem Tresor im Landratsamt, der die Papiere enthält. Ist vielleicht der Schlüssel abhanden gekommen? Davon weiß Rosenkranz nichts. „Wir prüfen das genauer, vor allem auch den Einsatz von FAG-Mitteln, die es in Parchim gegeben hat. Es gibt noch viele Fragen, z. B. die, warum es in den anderen Betrieben je einen personengebundenen Firmenwagen gab, in Parchim einige mehr.“

 

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