Ludwigslust : „Bürgermeisterin“ der Kantine

Claudia Burmester arbeitet sehr gern in der Kantine des Landratsamtes. Sie leitet ihre Kollegen als „Bürgermeisterin“.
Claudia Burmester arbeitet sehr gern in der Kantine des Landratsamtes. Sie leitet ihre Kollegen als „Bürgermeisterin“.

Claudia Burmester ist eine junge Frau, die ihren Platz in den Lewitz-Werkstätten gegen eine neue berufliche Herausforderung eintauschte

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06. März 2015, 14:55 Uhr

„Was, ich schon wieder?“ Claudia Burmester schaut etwas ungläubig. In den vergangenen Monaten hat die junge Frau aus Glaisin bereits mehrmals in eine Kamera schauen müssen. Warum? Sie gehört zum Team des Catering-Service „Leibgericht“ der Lewitz-Werkstätten gGmbH, das seit dem 1. September des vergangenen Jahres die öffentliche Kantine der Dienststelle Ludwigslust des Landratsamtes Ludwigslust-Parchim in der Garnisonsstraße 1 betreibt. Und das mit Erfolg. Lob und öffentliches Interesse in der Region ließen da nicht lange auf sich warten.

Die vier Frauen und fünf Männer mit und ohne Behinderung – darunter ein Koch sowie ein Koch mit zusätzlicher Restaurantfachmann-Ausbildung – haben sich in ihrer neuen Wirkungsstätte eingelebt. Die meisten von ihnen arbeiteten vorher in der Werkstatt für behinderte Menschen im Rennbahnweg und stellen sich nun der neuen Herausforderung in der Kantine.

Claudia Burmester verarbeitete in der Werkstatt zum Beispiel Papier oder wog und verpackte Schokoladenstückchen und Schrauben für Großkunden. Als sie gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könne eine Tätigkeit in der Kantine aufzunehmen, sagte sie mutig Ja. „Meine Arbeit in der Werkstatt war vielfältig“, sagt die 31-Jährige, „aber ich sah die Chance mich weiterzuentwickeln!“ Natürlich hatte sie auch ein wenig Angst. Würde sie mit den anderen Mitarbeitern klar kommen? Ist der Gruppenleiter vielleicht streng?

Doch es hat geklappt. Gute und zuverlässig ausgeführte Arbeit bestätigen ihr nicht nur der Gruppenleiter und der Chefkoch der Kantine. Auch die Kollegen schätzen Claudia sehr. Deshalb wählten sie die blonde Frau mit dem offenen Blick zu ihrer „Domino-Bürgermeisterin“. „Domino-Dörfer“ gründen sich in den einzelnen Bereichen der Lewitz-Werkstätten und organisieren unternehmensintern einen Wettbewerb. So werden unter anderem Arbeitsabläufe optimiert, es wird auf Sauberkeit am Arbeitsplatz und ein freundliches und korrektes Miteinander geachtet.

Das „Dorf“ in der Kantine des Landratsamtes heißt „Peperoni“. Jeden Freitag leitet Claudia Burmester die „Dorf“-Versammlung. „Dort besprechen wir dann Probleme und Sorgen und überlegen, wie wir sie beheben können.“ Alle vier Wochen wird aus ihrer Mitte ein Mitarbeiter des Monats gewählt.

Dank ihrer Wahlfunktion als „Bürgermeisterin“ ist Claudia Burmester sicherer, gelassener, souveräner geworden. Sie kann damit umgehen, dass nicht jeder Tag gleich ist und jeder Kollege einmal schlechte Laune hat. „Im Großen und Ganzen“, schätzt sie kraft ihres Amtes ein, „haben wir uns innerhalb der Gruppe zusammengerauft.“ Das Wichtigste sei jedoch, dass die Gäste immer zufrieden mit dem Angebot am Tresen sind.

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