zur Navigation springen

Ludwigslust-Parchim : Bürger fühlen sich überstimmt

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

CDU setzt Schwerpunkte für die nächsten Jahre im Landkreis: Mobilität bleibt Kernthema / Windkraft als Aufreger in Regionalforen

Gut zwei von fünf Jahren Arbeit hat der Kreistag Ludwigslust-Parchim jetzt absolviert. Nachdem vor zwei Wochen SPD und Linke in dieser Zeitung die Schwerpunkte der Arbeit der nächsten Jahre benannten, ist jetzt die CDU als stärkste Fraktion an der Reihe. Im Mittelpunkt steht das Kreisentwicklungskonzept 2030, das die Weichen für die Zukunft stellen soll.

„Dazu muss man wissen, dass unsere Fraktion in Ihrer alten Besetzung bereits im November 2013 mit dem Antrag zur Erarbeitung eines Kreisentwicklungskonzeptes den Aufschlag dazu machte“, sagt Fraktionschef Wolfgang Waldmüller. Anlass waren Vorarbeiten in den Vorgänger-Landkreisen, die nicht über den Haufen geworfen werden sollten. „Rom ist nicht an einem Tag erbaut worden und es gibt auch keinen Grund, an einem Tag alles wieder abzureißen“, sagt Nico Skiba, der seit Juli 2014 dem Ausschuss für Kreisentwicklung vorsitzt.

Ein Thema bewegt die Bürger nach CDU-Erfahrung besonders. Vielen sei es wichtig, wie sie künftig aus dem ländlichen Raum „wegkommen“, ob zur Arbeit, zum Arzt oder anderswohin. Waldmüller: „Mobilität muss gewährleistet und bezahlbar sein. Unser Landkreis soll ein erlebenswerter Ort der vielleicht nicht immer kurzen, aber dennoch gut vernetzten Wege von Bus, Bahn und Fernverkehr bleiben.“ Ein Fehler sei es, jedes Verkehrsmittel für sich zu betrachten. Die benutzerfreundliche Vernetzung zwischen den einzelnen Linien und Verkehrsmitteln, sowohl zum Fernverkehr als auch zum Individualverkehr könne die nachhaltige Lösung für den Flächenkreis sein. Die Kombination von Bus, Bahn mit dem Rufbussystem sei eine Variante. Waldmüller: „Ich kann jedoch nur davor warnen, alle Kraft ausschließlich in den Rufbus zu legen.“

Die Vernetzung müsse auch in die Nachbarlandkreise reichen. Waldmüller: „Die Forderung nach einheitlichen Tarifsystemen steht für uns ganz oben. In der Region um Boizenburg wäre dies ein konkretes Beispiel für gelebte Metropolregion.“ Das sei entscheidend dafür, ob ältere Bürger im Landkreis bleiben und sich junge Familien neu für ihn entscheiden.

Der Fraktionsvorsitzende: „Schließlich wollen wir den Landkreis nicht ab- sondern entwickeln. Nur das wird ihn langfristig lebenswert und familienfreundlich machen.“ Den diskutierten Rückzug aus abgelegenen Orten lehnen die Christdemokraten im Kreis ab: „Ich denke, jeder muss frei bestimmen dürfen, wo er lebt. Ich bin kein Befürworter der Steuerung hin zu zentralen Orten. Wir sind ein Flächenlandkreis und werden es auch bleiben. Drei Viertel unserer Bürger leben auf dem Land. Dann könnten wir uns ja auflösen. Ich zum Beispiel wohne in Lancken. Da würden manche Schweriner schon sagen: Es ist nicht das Ende der Welt, aber man kann es von dort aus schon sehen. Na und? Ich bin gerne hier und will es auch bleiben. Und so geht es vielen Menschen in unserem Landkreis. Sie alle müssen mitgenommen werden nach 2030.“

Da passt es, dass das Parchimer Theater durch den gesamten Landkreis tingelt. Waldmüller: „Die Leute allerorts sind begeistert und des Lobes voll. Das ist gleichermaßen Dank für unseren intensiven, jahrelangen Einsatz um seinen Erhalt und die nun gefundene Lösung eines gemeinsamen Theaters mit einem sehr schönen Standort an der Elde. Die fünf Millionen Euro für den Umbau der Mühle kommen im Rahmen der Städtebauförderung aus dem Wirtschaftsministerium.“

Die Diskussion um die Kreiszukunft komme nicht ohne das Windkraftthema aus. Die meisten Bürger hätten in den Regionalforen ihren Unmut ganz deutlich zum Ausdruck gebracht, fühlten sich überstimmt und keineswegs mitgenommen. Wolfgang Waldmüller: „So haben sie sich unseren Landkreis 2030 nicht vorgestellt. Deshalb hat unsere Fraktion Ende Mai eine eigene umfassende Stellungnahme im Rahmen des Raumentwicklungsprogramms abgegeben, um mit den Gemeinden, Bürgermeistern und Initiativen vor Ort für einen gerechten maßvollen Ausbau der Windenergie zu plädieren. Eine höhenbezogene Abstandsregelung ist eine unserer wesentlichen Forderungen. Wir haben große Sorge, dass dieses Thema die enge Verbundenheit vieler Bürger zu unserem Landkreis in Frage stellen könnte. Entfremden könnte auch das Pendeln zur Arbeit. Deshalb sei Wirtschaftsförderung gefragt, von der Bestandspflege über den Breitbandausbau bis zur Tourismusförderung. „Wir sehen den Landkreis als Treibstoff für den Wirtschaftsmotor. Kein Unternehmen darf an unserem Bekenntnis für die freie Wirtschaft und damit Arbeitsplätzen zweifeln“.

zur Startseite

von
erstellt am 27.Jul.2016 | 07:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen